Die Halbtags-Denker / der Blog

Ein Thema, zwei Meinungen und immer kontrovers

Zwischenruf

Schule ohne Lehrer?

Dass die Digitalisierung das Lernen verbessert, sollte bezweifelt werden.

 

                            veröffentlicht am 4.12.2016 von Herr Rauh Kommentare: 0

 

Herrn Rauhs Meinung

Gespannt warten die Fünfklässler auf ihren neuen Klassenlehrer. Sie sitzen in ihren Bänken und starren auf den großen Monitor, der an der Stirnseite des Klassenraumes der 5A angebracht ist. Bei der Begrüßung in der Aula hatte der Rektor angekündigt, es handle sich um einen Superlehrer, der sich via Bildschirm vorstellen werde.

Was die meisten Schüler etwas irritierte: Der Superlehrer würde sie in allen Fächern unterrichten, außer in Sport. Dann flimmert es plötzlich und auf dem Monitor erscheint ein Computermännchen – gutgelaunt und voller Tatendrang. „Guten Morgen, Herr Digi5A.“

 

Unsere Schule ist kreidefrei!

Eine Klasse ohne Lehrer? Nicht mehr undenkbar. Wenn die Digitalisierung in den Schulen Einzug hält, wird im Klassenzimmer nichts mehr sein wie früher. Schule hat sich zwar über die Jahrhunderte immer weiter entwickelt, aber an den Lernbedingungen hat sich kaum etwas verändert: In den meisten Schulen steht noch immer der Lehrer 45 Minuten vor der Klasse, erklärt an der Tafel oder überwacht ein Schülerreferat, lässt das Schulbuch aufschlagen oder verteilt Arbeitsblätter.

Okay, die Schüler halten statt eines Vortrages heute eine mediengestützte Präsentation, statt Lehrervortrag kommt auch Internetrecherche und Lernsoftware im Computerraum zum Einsatz. Und es gibt inzwischen Schulen, in denen alle Klassenräume mit interaktiven Whiteboards ausgestattet sind. Dann wird auf Homepage schon mal stolz verkündet: Unsere Schule ist kreidefrei!

 

Deutschland ist Entwicklungsland

Aber: Deutschland ist bei digitaler Bildung ein Entwicklungsland. Viel zu spät kommt, was Bundesbildungsministerin Wanka jetzt mit ihrem Digitalpakt großmundig angekündigt hat: Mit einer Fünf-Milliarden-Euro-Spritze will der Bund Deutschlands Schulen für das digitale Zeitalter fit machen. Sie sollen mit flächendeckenden W-Lan und Tablets ausgestattet werden. Im Gegenzug will Wanka die Länder verpflichten, medienpädagogische Konzepte umzusetzen und die Wartung der digitalen Infrastruktur zu gewährleisten. Das wird aber dauern.

Denn das erste Geld soll erst 2018 fließen. Vorher muss eine Vereinbarung mit den Ländern erzielt werden und Finanzminister Schäuble tief in die Tasche greifen. Beides ist nicht gesichert. Genauso wenig wie die Anschlussfinanzierung. Denn jedes Kind weiß inzwischen, wie schnell Laptop und Smartphone veraltet sind.

Noch problematischer: Das Geld soll wettbewerblich vergeben werden. Dabei sollte die Ausstattung mit digitalen Medien längst zur Standardausrüstung gehören.

 

Lernerfolg ist nicht bewiesen

Was jetzt aber auf die Schulen zukommt, kann mit Fug und Recht als digitale Bildungsrevolution bezeichnet werden. Wenn es nach einigen IT-Experten geht, muss bald kein Lehrer mehr unterrichten. Der Stoff wird über Bildschirm in einem sogenannten Erklärvideo vermittelt. Und der digitale Mentor registriert die Schwächen des Schülers. So kann endlich umgesetzt werden, was als pädagogisches Zaubermittel gilt: individuelles Lernen. Oder neu-PCdeutsch: digitale Bildungspersonalisierung.

Dabei ist bisher ein größerer Lernerfolg mit digitalen Medien noch gar nicht bewiesen. Dass Schüler mit Tablets motivierter lernen, steht außer Zweifel. Aber können sie auch besser die Photosynthese erklären und binomische Formeln berechnen? Was passiert, wenn Herr Digi5A voraussagt, dass es Lucas in Mathe nie auf eine Drei schaffen wird?

 

Zwei Bildungsfliegen

Überhaupt: Wer sichert die Schülerdaten, wenn alle Lernergebnisse gespeichert werden? Und müssen wir eigentlich allem nachgeben? Weil schon die Kinderstube digitalisiert ist, soll nun das Klassenzimmer nachziehen. Hier wird das Suchtverhalten dann noch legitimiert. Analoges Gehirntraining und pädagogische Empathie – alles Oldschool.

Aber vielleicht kann man mit dem Digitalpakt gleich zwei Bildungsfliegen mit einer Klappe schlagen. Lehrermangel wird ein Fremdwort. Und dass es durch das Schuldach regnet, ist auch kein Problem. Das digitale Klassenzimmer kann auch zu Hause aufgerufen werden. Gute Nacht, Herr Digi5A!

 

Quelle: http://www.focus.de/familie/experten/fsd-lernen-ohne-lehrer-verbessert-digitalisierung-das-lernen_id_6152739.html

 

 

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Zwischenruf

Macht Schule krank?

Besonders Burnout-gefährdet sind Grundschullehrer. Sagt eine neue Studie.

 

                            veröffentlicht am 15.10.2016 von Herr Rauh Kommentare: 1

 

Herrn Rauhs Meinung

Gibt es denn auch kranke Schulen? Die Frage hat mir vor Jahren ein Schüler gestellt, als unserer Hausmeister neben dem Eingang ein neues Schild mit dem Slogan „Gesunde Schule“ anschrauben wollte. Der Junge grinste, biss genüsslich in seinen Burger, den er sich gerade in der Schulcafeteria gekauft hatte, und schlenderte weiter. Eine Kollegin schüttelte im Vorbeigehen nur den Kopf. Auf was sich ihre Geste bezog, war auf die Schnelle nicht zu ermitteln: das Schild, den Schüler oder den Hausmeister, der zu kleine Schrauben dabei hatte? Fakt ist jedoch, die Plakette „Gesunde Schule“ ist ein Zertifikat, was sich nicht jeder ans Gebäude heften kann. Es wird Schulen verliehen, die Schülern und Lehrern gute Bedingungen für ihre gesundheitliche Entwicklung verschaffen. Die Frage sollte erlaubt sein: Muss man Schulen neuerdings hochamtlich bescheinigen, dass sie nicht krank machen?

 

Unkonzentrierte Schüler als Hauptursache

Offenbar! Denn der Krankheitszustand der Pädagogen ist alarmierend. Es sind vor allem psychische und psychosomatische Beschwerden wie Erschöpfung, Müdigkeit und Kopfschmerzen. Hier ist die Quote schon seit Jahren doppelt so hoch wie in anderen Berufsgruppen. Akut gefährdet sind Grundschullehrer. Eine FORSA-Umfrage hat ermittelt, worunter sie besonders leiden: Disziplinprobleme im Unterricht. 93 Prozent der 500 Befragten gaben an, die Konzentrationsmängel ihrer Schüler hätten zugenommen, 54 Prozent sprechen sogar von einem starken Anstieg. Immer wieder berichten mir Grundschullehrer von ihrem täglichen Klassenkampf. Normaler Unterricht sei häufig gar nicht mehr möglich. Man agiere eigentlich als Sozialarbeiter – und das ziemlich hilflos. Aber es sind nicht nur die Schüler, die Lehrern zu schaffen machen.

 

Viele verausgaben sich oder resignieren

Viele Pädagogen sich in einem Drei-Fronten-Krieg: Neben den unkonzentrierten und störenden Schülern sind da noch die Eltern, die die Schuld für den mangelnden Lernerfolg ihrer Kinder oft beim Lehrer suchen. Misstraut wird auch der Schulleitung, deren Entscheidungen nicht selten als ungerecht empfunden werden. Und von den Politikern, die gebetsmühlenartig betonen, wie wichtig Bildung sei, fühlt man sich im Stich gelassen. Die große Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit – in Deutschlands Schulen ist sie täglich zu besichtigen. Lehrer aller Schulformen klagen über zu viel Lärm, zu große Klassen, unzureichende oder sanierungsbedürftige Unterrichtsräume sowie fehlende Erholungsphasen. Letzteres ist oft gar nicht umzusetzen, weil sie in Freistunden ihre Kollegen vertreten müssen, die auf Exkursion - oder krank sind. Die Zeiten, als der Pauker vormittags recht und nachmittags frei hatte, sind längst vorbei.

Weil viele Lehrkräfte es sich nicht eingestehen wollen, wie kräftezehrend ihr Beruf ist, verausgaben sie sich oder ziehen sich resigniert zurück. Nährboden für Burnout.

 

Schülern erlauben, was Lehrer dürfen

Dem muss vorgebeugt werden: mithilfe langfristig angelegter Präventionsprogramme. Immer mehr Schulen lassen sich dabei auch von externen Partnern wie Krankenkassen unterstützen. So verfolgt die DAK mit ihrem Programm „fit4future“, das auch von populären Leistungssportlern wie Felix Neureuther unterstützt wird, den sinnvollen Ansatz, die Lehrkräfte auf direktem und indirektem Weg zu stärken. Es muss nicht nur ihr Arbeitsumfeld verbessert werden, sondern auch das Lernumfeld ihrer Schüler. Dazu gehören „Leistungen“, die keiner Benotung bedürfen: ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung. Beides sind Voraussetzungen für ein entspanntes Unterrichtsklima. Es fängt im Kleinen an. Lehrer sollten ihren Schüler das erlauben, was sie selbst praktizieren: Warum steht auf vielen Lehrertischen die berühmte Teetasse - die Wasserflaschen der Schüler müssen aber in der Schultasche bleiben? Und warum laufen die Lehrer im Unterricht auf und ab, während ihre Schüler still sitzen bleiben müssen? Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch ungesund.

 

Quelle: http://www.focus.de/familie/experten/bis-zum-burnout-krankheitszustand-der-paedagogen-alarmierend-was-lehrer-tun-koennen-um-fit-zu-bleiben_id_6061903.html

 

 

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  • Frau Montag (Sonntag, 16. Oktober 2016 09:53)

    Genauso ist es! Was uns aber helfen würde: Keine Prävention oder Fitness, sondern es muss runter gehen mit der Pflichtstundenzahl!

 

Zwischenruf

Entqualifizierung des Lehrerberufs?

Immer mehr Quereinsteiger in den Klassenzimmern

 

                            veröffentlicht am 5.10.2016 von Herr Rauh Kommentare: 2

 

Herrn Rauhs Meinung

Stellen Sie sich vor, sie fliegen in den Urlaub und die Chef-Stewardess sagt vor dem Abflug durchs Bordmikrofon: Heute fliegt sie kein Pilot, sondern ein Quereinsteiger. Er besitzt Lebenserfahrung und eine wissenschaftliche Ausbildung als Programmierer für Flugsimulatoren. Zurzeit wird er im Cockpit nachqualifiziert. Beim Fliegen. Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Aufenthalt an Bord. Unvorstellbar! Denn nach Flugzeugkatastrophen betonen Politiker und Experten reflexartig, wie gut Piloten ausgebildet sind und welchen strengen Regeln sie sich unterwerfen müssen. Für die Schule gilt das nicht.

Schon gar nicht für die Berliner. Jeder, der ein Hochschulstudium in einem Mangelfach abgeschlossen hat und sich nun berufen fühlt oder meint, gern mit Kindern und Jugendlichen zusammenzuarbeiten, steigt einfach um und beginnt zu unterrichten. Zwar muss der Quereinsteiger ein berufsbegleitendes Referendariat absolvieren, aber es ist längst unbestritten, dass bereits im Studium Lehrveranstaltungen in Pädagogik und Didaktik sowie ein Praxissemester notwendig sind, um auf den Lehrerberuf vorbereitet zu sein und den viel beschworenen Praxisschock zu minimieren.

 

Revierwechsel gefällig?

Aber in der Hauptstadt herrscht akuter Lehrermangel. Besonders in den Grundschulen. Weil Unterrichtsausfall wütende Eltern und schlechte Schlagzeilen produzieren, sind neue Wege gefragt. Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Und der Berliner Senat ist dabei besonders kreativ. Mit Berlin-Tagen und teuren Werbekampagnen in überregionalen Medien werden Uni-Absolvenen aus anderen Bundesländern mit Sprüchen wie „Revierwechsel gefällig? Kohle gibt’s auch bei uns“ in die Hauptstadt gelockt. Neuerdings wird auch im Ausland geworben. Aber es reicht einfach nicht. Dabei hat Berlin in den letzten Jahren nichts unversucht gelassen, den Lehrerberuf attraktiver zu machen: Die Pflichtstundenanzahl wurde erhöht, die Verbeamtung abgeschafft und Präsenztage eingeführt. Willkommen in Berlin!

Und niemand konnte ja vorauszusehen, dass die Schülerzahlen steigen, die Pensionierungswelle rollt und Inklusion wie Integration zusätzliche Lehrerstunden kosten werden.

 

Jeder dritte neue Lehrer ist Quereinsteiger

Also werden nun verstärkt auch Bewerber ohne pädagogische Qualifikation eingestellt. Berlin ist hier mal nicht Schlusslicht, sondern Vorreiter: Jeder dritte Lehrer, der zum neuen Schuljahr übrnmmen wurde, ist ein Quereinsteiger. Das ist eine schleichende Entqualifizierung des Lehrerberufs. Auf Kosten der Schulbildung unserer Kinder. Natürlich wird zu Recht betont, dass ein guter Quereinsteiger besser als ein schlechter Lehrer sei. Und schließlich verfügen die Neu-Pädagogen über das, was die alten Lehrkräfte nicht vorweisen können: eine Berufserfahrung außerhalb des Schulgebäudes.

 

Anspruch auf qualifizierte  Lehrer

Damit Quereinsteiger aber ihre Kompetenzen im Klassenzimmer einbringen können und nicht zu Lückenfüller für die unzureichenden Unterrichtsversorgung werden, bedarf es einer Ausbildung, die den Namen auch verdient. Sonst wird der Revierwechsel zum Bumerang. Unsere Schüler haben schließlich einen Anspruch auf qualifizierte Lehrer. So steht es auch im Berliner Kolitionsvertrag: „Die wichtigste Voraussetzung für guten Unterricht sind gut und in ausreichender Anzahl ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. Sie müssen durch eine hervorragende Ausbildung auf ihren Beruf vorbereitet werden.“ Solche schönen Sätze finden sich auch in anderen Bundesländern. Zumindest in ihrem Anspruch und in der Not sind sich alle gleich.

 

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/schule/position-zum-lehrermangel-in-berlin-wie-ein-pilot-ohne-flugschein/14561796.html

 

 

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  • Philo (Sonntag, 16. Oktober 2016 10:06)

    Es geht doch um die Qualifizierung der Quereinsteiger. Dafür ist die Politik verantwortlich. Aber die haben jahrelang keine Lehrer ausgebildet, In Berlin waren die Studienplätze für GS-Lehrer sogar
    gedeckelt. Aber wer weiß das schon.

  • Felix (Sonntag, 16. Oktober 2016 09:57)

    Also Lehrer mit Piloten zu vergleichen, ich weiß nicht. Außerdem gibt es Menschen, die engagiert in den Lehrerberuf einsteigen und am Ende besser sind als Lehrer, die schon längst resigniert
    ausgestiegen sind oder es sich auf ihrem Lehrerbeamtenstuhl bequem gemacht haben.

 

Aktuelles Thema

Gleitzeit für Schüler

Soll der Unterricht später beginnen?

 

                            veröffentlicht am 12.04. 2016von  Nico, Herr Rauh Kommentare: 2

 

Der Hintergrund:

  • Als erste Schule in Deutschland hat das Gymnasium Alsdorf (NRW) nach einer Probephase eine Gleitzeit für Schüler eingeführt: Sie können zur ersten Stunde um 8 oder zur zweiten um 9 Uhr in die Schule kommen.
  • Die Gleitzeit gilt jedoch nur für Oberstufenschüler und hängt mit einem speziellen  Unterrichtskonzept zusammen.
  • Unterrichtet wird nach dem Dalton-Plan der amerikanischen Pädagogin Helen Parkhurst. Neben den herkömmlichen Stunden können sich die Schüler pro Woche zehn Unterrichtsstunden selbst einteilen, um gestellte Aufgaben eigenständig zu lösen.

 

Herrn Rauhs Meinung

Pro

 

Nico, manchmal denke ich, Sie sind erwachsen geboren. Müssen Sie unseren pädagogischen Leitsatz, in der Schule würde man (auch) was fürs Leben lernen, derart weit auslegen. Warum sind Schüler denn gezwungen, früh aufzutehen, um sich schon mal an das Berufsleben zu gewöhnen? Das können sie noch früh genug. Und ist Ihnen entgangen, dass sich die Arbeitswelt wandelt? Dass es Gleitzeit gibt. Dass Ihre geliebte U-Bahn morgens nicht mehr so voll ist wie vor 40 Jahren.

 

Halb verschlafen im Unterricht

Ein späterer Schulbeginn, das belegen auch Erkenntnisse der Hirnforschung, fördert die Lernmotivation und wirkt sich positiv auf das seelische Gleichgewicht der Jugendlichen aus. Das hätte auch Ihnen gut getan. Und Ihren Leistungen! Scheinbar haben Sie verdrängt, wie Sie morgens um acht Uhr halb verschlafen in meinem Unterricht erschienen sind. Ja klar, im Gegensatz zu anderen waren Sie immer pünktlich - und haben Ihre Schulsachen ausgepackt. Aber an manchen Tagen waren Ihre Augen Schlitze und der Kopf drohte auf die Bank zu fallen. Ist er nicht. Den Arm konnten Sie allerdings nicht heben. Ihre mündliche Mitarbeit tendierte gegen Null. Immerhin haben Sie zugehört. Oder so getan.

 

"Soziales Jetlag"

Mir steht natürlich nicht zu, darüber zu urteilen, warum Sie häufig zu spät ins Bett gegangen sind. Das müssen Sie auch heute nicht mehr rechtfertigen. Schließlich ist wissenschaftlich erwiesen, dass die biologische Uhr von Kindern und Jugendlichen anders tickt. Sie geht nach. Wissenschaftler bescheinigen drei Viertel der Jugendlichen Schwierigkeiten, morgens um acht Uhr konzentriert zu sein. Sie befänden sich in einem „sozialen Jetlag“. 

 

Zeitkorridor

Daher sollte der Unterricht generell später beginnen: in einem flexiblen Zeitkorridor zwischen 8:30 und 10:00 Uhr. Wissenschaftliche Studien über in den USA getestete „Längerschläfer“ belegen, dass die Schüler nicht nur leistungsfähiger waren und bessere Noten erreichten, sondern auch ein „offeneres Sozialverhalten“ zeigten. Darüber hinaus sank die Zahl der „Zuspätkommer“ und Schwänzer.

Jede Schule hat die Möglichkeit, einen späteren Unterrichtsbeginn entsprechend ihrer lokalen Besonderheiten einzuführen. Man sollte es einfach mal testen. Die Schule in Alsdorf hat es getan. Offenbar mit Erfolg.

 

Nicos Meinung

Contra

 

Herr Rauh, dass Sie für diesen Vorschlag sind, überrascht mich wenig. Zum einen würde ein späterer Unterrichtsbeginn bedeuten, dass sie sich nachts länger rumtreiben können, zum anderen sind Sie immer ganz vorn mit dabei, wenn es darum geht, die Schüler mit Samthandschuhen anzufassen.

Je ferner von der Realität, die nach der Schule wartet, desto besser.

 

Werk- statt Schulbank

Ich weiß, dass sie seit jeher der Meinung sind, alle Schüler studieren und haben später einen Job, zu dem sie erscheinen, wann sie wollen. Vermutlich ist das das Ergebnis dessen, dass Sie an einem Gymnasium unterrichten und nie etwas anderes kennengelernt haben. Das Problem: Der spätere Unterrichtsbeginn würde für alle Schultypen gelten, also auch für Schüler, die später Teil der Arbeiterklasse sind. Und wenn die Schicht um 6 Uhr beginnt, bleibt das Gleiten ein Traum. Die Werkbank ist keine Schulbank mehr.

 

Fragt die Schüler!

Wenn Sie sich beschweren, dass ich im Unterricht wenig aktiv war, dann sollten Sie zum einen die mir gebotene Unterhaltung hinterfragen, zum anderen bedenken, dass morgens nun mal morgens ist. Um 8 oder 9 – das macht keinen großen Unterschied. Ich würde mich lediglich darüber aufregen, nach hinten raus noch eine Stunde länger in der Schule zu hängen. Und fragen Sie mal die Schüler! Die wenigsten wollen das, weil die ohnehin knappe Freizeit noch weiter beschnitten wird. Die meisten, zumindest ist es bei mir so, denken bei späterem Beginn nur an späteren Feierabend, und das ist es wenigen Schülern wert. Im Berliner John-Lennon-Gymnasium hat schon vor Jahren die Mehrheit der Schülerschaft in einer Abstimmung den späteren Unterrichtsbeginn abgelehnt.  

 

Organisation von Gleitzeit

Und bei den wenigsten meiner ehemaligen Lehrer kann ich mir vorstellen, wie sie ein „Gleitzeit“-Konzept gehändelt bekommen. Denn das würde das Ende eines soliden Frontalunterrichts, dessen Vorzüge sie, Herr Rauh, durchaus auch zu schätzen wissen, bedeuten. Man kann den Unterricht nicht einleiten, gegebenenfalls eine Sache einmal erklären, ein paar Arbeitsblätter verteilen und dann seine Ruhe haben, wenn die Schüler kleckerweise in den Raum spazieren und man jedem erklären muss, was zu tun ist. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass bei dieser Vorstellung viele alteingesessene Lehrer auf die Barrikaden gehen. Deshalb gilt ja dieses Gleitzeit-Modell in Alsdorf auch nur für Oberstufenschüler. Dieser Vorschlag passt weder in unsere Zeit noch in unsere Schulorganisation.

 

 

Kommentare

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  • Claudia Ranft (Dienstag, 31. Mai 2016 12:44)

    Hui, das ist ja mal ein bissiges Contra... warum denn so unentspannt? Schlafen Sie etwa nicht genug? Also, ich hätte mich damals außerordentlich über einen späteren Unterrichtsbeginn gefreut. Wir
    mussten schon um 7:30 auf der Matte stehen bzw. an unseren Plätzen sein, das war alles andere als lustig und in meinem Fall auch nicht sonderlich lernförderlich. Dass ich trotzdem einen guten
    Schulabschluss gemacht habe, schreibe ich eher meiner damals sehr hohen Auffassungsgabe zu. Was mich zum Kern meines Anliegens führt: Was, bitteschön, hat die Mehrheit der Schüler/innen eigentlich zu
    tun außer zu lernen?! Wieso ist es so verpönt, dieses extrem wertvolle Lernfenster Kindheit/ Jugend dazu zu nutzen, sich Wissen anzueignen, die Umwelt zu begreifen, selbständig Zusammenhänge und
    Verknüpfungen herzustellen? Was hätte ich darum gegeben, in meiner Jugend nichts anderes als lernen zu dürfen!
    Natürlich ist mir bewusst, dass es Jugendliche gibt, die aus unterschiedlichen Gründen zu Hause mitarbeiten müssen, die es nicht leicht haben, die sich nach einer Zeit frei von Verpflichtungen
    sehnen, Zeit nur für sich. Trotzdem behaupte ich mal, dass die meisten gar nicht wissen, was echter Stress ist. Und ich beziehe mich hier nicht auf ein eventuelles späteres Berufsleben!
    Wir hatten übrigens um 13:35 Uhr Schulschluss. Die Ganztags-Schüler/innen um 16 Uhr. Und es gab für uns Frühlinge auch noch Hausaufgaben. Ob die Spätlinge auch welche hatten, weiß ich nicht mehr. So
    sah das aus:
    Horario de Clases
    1. Hora 7:30 – 8:15
    2. Hora 8:20 – 9:05
    3. Hora 9:10 – 9:55
    RECREO
    4. Hora 10:15 – 11:00
    5. Hora 11:05 – 11:50
    RECREO
    6. Hora 12:10 – 12:50
    7. Hora 12:55 – 13:35
    RECREO – ALMUERZO
    8. Hora 14:30 – 15:15
    9. Hora 15:15 – 16:00

    Ich bin manchmal in den ersten Stunden eingeschlafen. Und zwar so richtig. So, dass meine Mitschülerinnen (ab der 10. war ich für den überwiegenden Teil des Unterrichts in einer reinen Mädchenklasse)
    mir irgendwelches Zeugs ins Haar flechten und sich darüber amüsieren konnten.
    Mitschüler/innen, mit denen ich übrigens auch heute noch eng verbunden bin. So gesehen war das eine coole Zeit, wir haben viel zusammen erlebt (und auch viel Mist gebaut!)... ich hätte nur - im
    Nachhinein betrachtet - viel mehr aus dieser Zeit herausholen können, wenn mir bewusst gewesen wäre, wie kostbar sie ist. Wenn mir klar gewesen wäre, dass es mit der Zeit schwieriger wird, zu lernen
    (sowieso, wenn frau gar nicht richtig zu lernen gelernt hat).
    Wisst ihr eigentlich, was das für ein Luxus ist, nichts anderes zu tun zu haben als zu lernen? Klar, erwachsen werden gehört auch dazu, aber in was für einem luxuriösen Rahmen! Für Kleidung, Essen,
    Unterkunft ist gesorgt, bei vielen sogar für unfassbar viel Taschengeld; es gibt ein breites Bildungsangebot - es muss nur in Anspruch genommen werden! Klar, nicht alles ist perfekt. Ganz im
    Gegenteil. Das ganze Schulsystem gehört vom Kopf auf die Füße gestellt, schon lange. Aber dass es in Sachen Unterrichtsbeginn Experimente gibt, ist doch schön. Hoffentlich ergeben sich daraus
    Erkenntnisse, die sich auch auf andere übertragen lassen und mit dazu beitragen, den Eulen unter den Schüler/inne/n bessere Startbedingungen in den Tag zu bieten.

  • Justine (Donnerstag, 14. April 2016 18:05)

    Mag sein, dass unsere Uhren anders ticken. Auch ich bin morgens müde. Aber ich will nicht noch später aus der Schule nach Hause kommen.

 

Aktuelles Thema

Gehört die AfD zu Deutschland?

 

                             veröffentlicht am 12.03.2016 von  Nico, Herr Rauh Kommentare: 4

 

Nicos Meinung

Pro

 

Wer will schon prognostizieren, ob die AfD dauerhaft zu Deutschland gehören wird. Nichts scheint mehr sicher. Und Politik ist nur noch Krisenpolitik. Sie gestaltet nicht mehr. Von fehlenden Visionen will ich gar nicht erst träumen. Das Einzige, das Bestand hat, ist die Macht der Altparteien.

Vertraut man den Wahlprognosen, so kommen die Altparteien jedoch langsam ins Rudern, denn trotz aller Bestrebungen, die Alternative für Deutschland zu diffamieren, steigt sie in den Umfragewerten und hat gute Karten, eine feste Größe in den Länderparlamenten zu werden.

 

Problem Altparteien

Das Problem sind die Altparteien. Nicht die AfD. Vor allem die SPD wird das zu spüren bekommen: Die Sozialdemokratie kann sich in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt ab nächster Woche nicht mehr als Volkspartei bezeichnen. SPD-Chef Gabriel versuchte, das Ruder noch mit einem „Solidarpakt für Deutschland“ herumzureißen. Warum ruft er den erst jetzt aus? Er ist seit 2013 Bundeswirtschaftsminister! Er meint sogar, man müsse „den Alltag der Bürger wieder in den Mittelpunkt von Politik rücken“. Was stand denn bisher im Zentrum? Glaubt er wirklich, die Bürger durchschauen dieses Wahlkampftmanöver nicht.     

 

Alternativlos?

Die Altparteien sind schon längst keine Volksparteien mehr. Dafür sind sie selbst verantwortlich. Ernsthaft auseinandersetzen sollten sie sich - mit ihrer eigenen Politik! Wenn 72 Prozent der Bundesbürger nach einer neuen Forsa-Umfrage meinen, die Politiker kennen die Sorgen und Nöten der Menschen nicht, dann läuft etwas schief im Land. Wir haben es mit einer echten Vertrauenskrise zu tun. Die Bürger trauen den Parteien offenbar nicht mehr zu, die Probleme zu lösen. In ihrem Sinne. Daher gehen sie entweder nicht wählen - oder stimmen für die AfD. Und der Trend wird anhalten, wenn die Bundeskanzlerin weiter behauptet, ihre Politik sei alternativlos. Die Bürger haben eine Alternative gefunden.

 

Nicht nur aus Protest

Angela Merkel ist sich sicher, die Zustimmung für die AfD werde schwinden. Wenn die Probleme gelöst seien. Und sie konstatiert ja schon ernsthaft Erfolge ihrer Flüchtlingskrisenpolitik. Mit solch einer Zuversichtlichkeit sollte sie eher vorsichtig sein. Denn die Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien ist nicht neu. Seit Jahren sinkt die Wahlbeteiligung. Doch für viele Leute gab es bisher keine Partei, die in Zeiten von Multi-Kulti und politischer Korrektheit, das aussprach, was sie denken. Und was sie in den Medien nicht hören und lesen. Weder die Sorgen und Nöte – wie die Umfrage besagt – noch die Ängste der Menschen sind ernst genommen worden. Kein Wunder, dass sie rufen: „Wir sind das Volk!“. Und es spielt dabei keine Rolle, ob sie nun die breite Masse darstellen oder nicht. Zweistellige Wahlergebnisse sind keine Minderheit – und schon gar nicht nur Protest.    

 

Abwarten

Ob sich die AfD dauerhaft etablieren kann, hängt davon ab, wie sie sich zu anderen Themen positionieren wird. Und so lange den Bürgern die Politik als alternativlos verkauft wird, werden sie Wechselwähler bleiben. Wer sagt, ein mögliches Ende der Flüchtlingskrise ist auch gleichzeitig das Ende der AfD, der macht es sich in jedem Fall zu einfach.

 

Der Hintergrund:

 

  • Am 13.3.2016 wird in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz ein neuer Landtag gewählt. Umfragen sagen der Alternative für Deutschland (AfD) zweistellige Ergebnisse voraus.
  • Die AfD ist bereits im Europa-Parlament - und in fünf Landtagen vertreten: Sachsen, Brandenburg, Thüringen und in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg.
  • Am 6. März 2016 erreichte die AfD bei den Kommunalwahlen in Hessen landesweit 11,9 Prozent und wurde nach CDU und SPD drittstärkste Partei.
  • Gegründet wurde die AfD 2013 als Reaktion auf die Euro-Rettungspolitik der Merkel-Regierung. Seit Sommer 2015 setzt die AfD auf das Thema Flüchtlingskrise.
  • Politikwissenschaftler sehen die AfD im Parteienspektrum rechtsaußen; sie vereine "derzeit Strömungen von konservativ bis rechtsextremisch, von jedem ein bißchen", so der Parteienforscher Oskar Niedermayer.

 

Herrn Rauhs Meinung

Contra

 

Die AfD ist keine Alternative. Langfristig schon gar nicht. Spätestens im Herbst, wenn die Berliner wählen, wird der Zenit der AfD überschritten sein. Dann wird Europa in der Flüchtlingskrise einen tragfähigen Kompromiss gefunden haben und der Flüchtlingsstrom längst ein Rinnsal sein. Daher bleibt es fraglich, ob die AfD im Herbst 2017 überhaupt in den Bundestag kommt. Das schafft dann eher die FDP.

 

Klassische Protestpartei

Die AfD ist eine klassische Protestpartei. Und die sind kein neues Phänomen. Aber – sieht man von den Grünen ab - stets temporär. Oder kann sich noch jemand an die Anti-Islam-Partei „Die Freiheit“ erinnern, die 2013 den Berliner Wahlkampf aufzumischen drohte. Deren Reste will jetzt nicht mal die AfD haben, obwohl Die Freiheit ihre bundes- und landespolitischen Aktivitäten zugunsten der AfD schon 2014 aufgegeben hat. Und Protestparteien wird es auch künftig geben, wenn die Bürger den Eindruck haben, dass eben nicht alle Staatgewalt vom Volke ausgeht (Grundgesetz). Und dass  Wahlen nix ändern würden. 

 

Mehr Flüchtlinge - mehr Stimmen

Die AfD war ja schon mal eine Alternative. In der Eurokrise. Aber wird diese Partei heute noch als Anti-Euro-Partei wahrgenommen oder gar deswegen gewählt. Wenn das Euro-Thema noch die politische Agenda bestimmen würde, wäre Luckes neue Partei ALFA im Umfragehoch. Sie spielt nirgends eine Rolle. Und auch „seine“ alte AfD wäre längst schon im Parteienmuseum, wenn die Flüchtlinge nicht gekommen wären. Es ist schon paradox: Obwohl die AfD lautstark einen Flüchtlingsstopp fordert, garantieren ihr ausgerechnet diese Menschen die Stimmengewinne.

 

Haben Sie das Parteiprogramm gelesen?

Wenn die AfD am Sonntag bei den drei Landtagswahlen zweistellige Ergebnisse einfährt, würde ich gern erfahren, ob ihre Wähler wissen, was die AfD eigentlich ist und was sie will. Oder haben Sie schon das Parteiprogramm gelesen? Es gibt keines. Stattdessen „politische Leitlinien“ von 2014. Die seien „in einem umfassenden Prozess der Mitgliederbeteiligung in der AfD entstanden“. Frauke Petry hat sich daran wohl nicht beteiligt. Denn haben Sie von ihr schon mal folgende Aussagen gehört: „Die Würde des Menschen verlangt ein Leben in Freiheit, Gerechtigkeit und sozialer Verantwortung. Das findet seinen Ausdruck im Respekt gegenüber der Vielfalt unterschiedlicher Menschen (...) Deshalb setze sich die AfD „für eine auf dem Grundgesetz basierende Rechtsstaatlichkeit, für Demokratie, Gewaltenteilung“ ein. Könnte auch von den Altparteien stammen. Dazu passt natürlich nicht, dass Polizisten bei illegalen Grenzübertritten von Flüchtlingen notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch zu machen hätten. Hat sie dementieren wollen. Dumm nur, dass eine Tonbandaufnahme des Interviews existiert.

 

Von Flüchtlingen und Pflichten

In den AfD-Leitlinien heißt es auch: „Politisch Verfolgten im Sinne des Grundgesetzes ist Asyl zu gewähren. Als Gäste des Landes sollen Asylanten würdig behandelt und als Mitmenschen akzeptiert werden (...).“ Was passiert aber, wenn ein Kriegsflüchtling an der Grenze steht und die Obergrenze eine Stunde zuvor erreicht wurde?

Und weiter: „Aus Gründen der Humanität ist es eine Pflicht, Kriegsflüchtlingen bei uns oder an anderen sicheren Aufenthaltsorten mit Unterkünften und dem notwendigen Lebensunterhalt beizustehen.“ Das wäre doch eine überraschende Alternative: Frauke Petry ruft zum Wochenendeinsatz im Flüchtlingsheim auf. Weil es unsere Pflicht ist. Meint die Alternative.

 

Nicos Meinung

Pro

 

Wer will schon prognostizieren, ob die AfD dauerhaft zu Deutschland gehören wird. Nichts scheint mehr sicher. Und Politik ist nur noch Krisenpolitik. Sie gestaltet nicht mehr. Von fehlenden Visionen will ich gar nicht erst träumen. Das Einzige, das Bestand hat, ist die Macht der Altparteien.

Vertraut man den Wahlprognosen, so kommen die Altparteien jedoch langsam ins Rudern, denn trotz aller Bestrebungen, die Alternative für Deutschland zu diffamieren, steigt sie in den Umfragewerten und hat gute Karten, eine feste Größe in den Länderparlamenten zu werden.

 

Problem Altparteien

Das Problem sind die Altparteien. Nicht die AfD. Vor allem die SPD wird das zu spüren bekommen: Die Sozialdemokratie kann sich in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt ab nächster Woche nicht mehr als Volkspartei bezeichnen. SPD-Chef Gabriel versuchte, das Ruder noch mit einem „Solidarpakt für Deutschland“ herumzureißen. Warum ruft er den erst jetzt aus? Er ist seit 2013 Bundeswirtschaftsminister! Er meint sogar, man müsse „den Alltag der Bürger wieder in den Mittelpunkt von Politik rücken“. Was stand denn bisher im Zentrum? Glaubt er wirklich, die Bürger durchschauen dieses Wahlkampftmanöver nicht.     

 

Alternativlos?

Die Altparteien sind schon längst keine Volksparteien mehr. Dafür sind sie selbst verantwortlich. Ernsthaft auseinandersetzen sollten sie sich - mit ihrer eigenen Politik! Wenn 72 Prozent der Bundesbürger nach einer neuen Forsa-Umfrage meinen, die Politiker kennen die Sorgen und Nöten der Menschen nicht, dann läuft etwas schief im Land. Wir haben es mit einer echten Vertrauenskrise zu tun. Die Bürger trauen den Parteien offenbar nicht mehr zu, die Probleme zu lösen. In ihrem Sinne. Daher gehen sie entweder nicht wählen - oder stimmen für die AfD. Und der Trend wird anhalten, wenn die Bundeskanzlerin weiter behauptet, ihre Politik sei alternativlos. Die Bürger haben eine Alternative gefunden.

 

Nicht nur aus Protest

Angela Merkel ist sich sicher, die Zustimmung für die AfD werde schwinden. Wenn die Probleme gelöst seien. Und sie konstatiert ja schon ernsthaft Erfolge ihrer Flüchtlingskrisenpolitik. Mit solch einer Zuversichtlichkeit sollte sie eher vorsichtig sein. Denn die Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien ist nicht neu. Seit Jahren sinkt die Wahlbeteiligung. Doch für viele Leute gab es bisher keine Partei, die in Zeiten von Multi-Kulti und politischer Korrektheit, das aussprach, was sie denken. Und was sie in den Medien nicht hören und lesen. Weder die Sorgen und Nöte – wie die Umfrage besagt – noch die Ängste der Menschen sind ernst genommen worden. Kein Wunder, dass sie rufen: „Wir sind das Volk!“. Und es spielt dabei keine Rolle, ob sie nun die breite Masse darstellen oder nicht. Zweistellige Wahlergebnisse sind keine Minderheit – und schon gar nicht nur Protest.    

 

Abwarten

Ob sich die AfD dauerhaft etablieren kann, hängt davon ab, wie sie sich zu anderen Themen positionieren wird. Und so lange den Bürgern die Politik als alternativlos verkauft wird, werden sie Wechselwähler bleiben. Wer sagt, ein mögliches Ende der Flüchtlingskrise ist auch gleichzeitig das Ende der AfD, der macht es sich in jedem Fall zu einfach.

 

Kommentare

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  • Claudia Ranft (Dienstag, 22. März 2016 18:12)

    Eine Ergänzung noch zur grundlegenden Frage, was uns Politik überhaupt angeht:
    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/zeit-der-zartlichkeit

  • Claudia Ranft (Dienstag, 22. März 2016 18:11)

    Ich glaube nicht, dass sich die AfD dauerhaft etablieren wird. Als Herr Lucke damals aus seiner eigenen Partei geputscht wurde hat er mir fast ein bisschen leid getan. Wie kann man nur so blind und
    so naiv sein und glauben, man könne mit fragwürdigen Widerstandsparolen und noch fragwürdigeren Parteigenoss/inn/en ernsthaft(e) Politik machen? Lucke ist definitiv Wissenschaftler und kein
    Politiker, sein "Kind" AfD wird jetzt von anderen aufgezogen (wer weiß, ob es überhaupt noch groß wird - ich hoffe nicht!). Letztens habe ich ein Schild gesehen, auf dem stand eigentlich alles, was
    zu dieser Partei zu sagen ist: "AfD wählen ist sowas von 1933". Sie ist so etwas wie die Pflichtpartei für unmündige Bürger/innen und die, die es noch werden oder bleiben wollen. Das Problem sind in
    der Tat die "Altparteien" und die von ihnen mit verschuldete Unfähigkeit Deutschlands, tatsächlich mündige Bürger/innen auszubilden und tatsächliche Demokratie zu leben.

  • Blanco (Freitag, 18. März 2016 21:11)

    Die AfD ist keine reine Protestpartei. Deshalb wird sie auch bleiben. Die Menschen fühlen sich durch die alten Parteien einfach nicht mehr vertreten.

  • Andreas (Samstag, 12. März 2016 18:30)

    Wenn die AfD in die ächsten Landtage einzieht, werden auch die Protestwähler schnell erkennen, wes Geistes Kind diese Partei ist. Bei uns in Brandenburg punktet die AfD mit bemerkenswerten Anträgen:
    Die Deutschlandkarte in der ZDF-Nachrichtensendung "heute" müsse geändert werden. Auf der eingeblendeten Europakarte sei die aktuelle Gestalt des eigenen Landes nicht deutlich. Klar doch: Deutschland
    schafft sich ab. Das kann man bei den öffentlich-rechtlichen nicht zulassen.

 

Zwischenruf

War das DDR-Schulsystem besser?

Viele Ostdeutsche sind mit dem Bildungssystem unzufrieden

 

                          veröffentlicht am 16.2.2016 von Herr Rauh Kommentare:  4

 

Der Hintergrund:

  • Dass viele Ostdeutsche mit dem Schulsystem unzufrieden sind, ist das Ergebnis einer Studie, die das Meinungsforschungsinstitut dimap im Auftrag von CDU/CSU durchgeführt und am 15. Februar 2016 veröffentlicht hat.
  • In Sachsen-Anhalt (57%), Thüringen (59 %), Brandenburg (56 %) , Mecklenburg-Vorpommern (44 %) wird das Schulsystem als "weniger gut" bzw. "schlecht" eingeschätzt.
  • Die Mehrheit der Deutschen (56 %) ist dagegen mit dem Schulystem zufrieden. In Bremen und im Saarland sind es sogar 67; in Bayern 64 Prozent.

 

Herrn Rauhs Meinung

Zwischenruf

 

Systemkritik

Die Unzufriedenheit der Ostdeutschen mit dem westlichen Schulsystem ist nicht überraschend. Hört man sich in den neuen Bundesländern um, dann steht die Kritik am (west-)deutschen Bildungswesen schon lange im Focus einer generellen Systemkritik. Die immer häufiger mit dem Verweis auf die guten Seiten des DDR-Schulsystems ergänzt wird.

Letztendlich muss man jedoch kein Statistiker sein, um die Unzufriedenen altersgemäß einzukreisen. Die Jüngeren im Osten „kennen“ die DDR-Schule nur aus den Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern. Das ist einerseits faktisch zu erklären: Es gab ein Bildungssystem für alle 14 DDR-Bezirke, die Lehrpläne waren inhaltlich aufeinander abgestimmt und ab der 7. Klasse wurden Schüler im Rahmen des Faches Unterricht in Technik und Produktion (UTP) auch in Betrieben eingesetzt, was einen permanenten Praxisbezug herstellen sollte. Um nur drei Beispiele zu nennen.

 

Auch psychologisch verständlich

Und es ist andererseits psychologisch nachvollziehbar: Schließlich haben auch die Ostdeutschen lesen, schreiben und rechnen gelernt, die Photosynthese und das chemische Periodensystem behandelt. Und Vokabeln gepaukt. Dass heute nur wenige fließend Englisch sprechen können und sich die meisten im Russischen nur an die sechs Fälle und die Moskauer Sehenswürdigkeiten erinnern – geschenkt.

Problematisch ist jedoch, wenn verdrängt - oder als unwichtig bewertet wird -, dass nicht nur Geschichte und Staatsbürgerkunde ideologisch gefärbt waren. Dass Wehrkunde mit Handgranantenweitwurf seit 1978 als Pflichtfach gelehrt und dass kritisches Denken unterdrückt wurde. Der Systemvergleich hinkt, wenn man die ideologisch indoktrinierte Pädagogik der DDR, die uniformierten Fahnenappelle und die verpflichtende Teilnahme an Pionier- und FDJ-Nachmittagen als nicht schulimmanent einfach vernachlässigt.  

 

Vergleich gerät ins Rutschen

Der Vergleich mit dem DDR-Bildungssystem gerät auch ins Rutschen, wenn man eine anderen Aspekt exemplarisch herausgreift. Unter dem MDR-Bericht über die neue Schulstudie kommentiert ein ostdeutscher Hörer, die Trennung der Schüler nach der 4. Klasse  sei „menschenverachtend und volkswirtschaftlicher Unsinn“. Im Kern zielt die Kritik auf die Mehrgliedrigkeit des Schulsystems. Geteilt wird sie seit Jahrzehnten auch von vielen Westdeutschen hinsichtlich der Chancengleichheit im Bildungssystem. Aber auch in der DDR wurde selektiert. Bis 1983 verließen die Jugendlichen, die das Abitur absolvierten, nach der 8. Klasse die Einheitsschule, also die Polytechnische Oberschule (POS); ab 1983 nach der 10. Klasse. Entweder die Schüler wechselten dann auf die Erweiterte Oberschule (EOS) und machten das Abitur nach 12 oder mit einer Berufsausbildung nach 13 Jahren (BmA).

 

Andere Kriterien

Differenziert wurde jedoch nach völlig anderen Kriterien. Wer in der DDR das Abitur machen wollte, musste eine Reihe von Bedingungen erfüllen: Neben „guten Leistungen im Unterricht“ die soziale Herkunft. Wörtlich heißt es in der Aufnahmeverordnung von 1981: Es sei „ein entsprechender Anteil an Kindern von Angehörigen der Arbeiterklasse (...) und von Genossenschaftsbauern zu sichern.“ Ein drittes Kriterium betraf den Berufswunsch des Kandidaten. Entscheidend war hierbei der DDR-Volkswirtschaftsplan. Im Vorteil waren Schüler, die sich auf eine Hochschulausbildung in den technischen, Agrar- und Wirtschaftswissenschaften sowie als Berufschullehrer vorbereiten wollten.

Und schließlich das vierte Kriterium: Es seien solche Schüler auszuwählen, die sich durch „politisch-moralische und charakterliche Reife auszeichnen und ihre Verbundenheit mit der Deutschen Demokratischen Republik durch ihre Haltung und gesellschaftliche Aktivität bewiesen haben“.

 

Eine Illusion

Neben diesen Kriterien wurden vielen Jugendlichen die Chance auf ein Abitur - und damit auf ein Studium - auch durch die begrenzte Anzahl der Plätze verbaut. Aus einer Klasse mit ca. 30 Schülern wechselten im Schnitt nur zwei auf die Erweiterte Oberschule. Heute wird kritisiert, dass zu viele Abitur machen und anschließend gar nicht studieren. Der entscheidende Unterschied: Die Jugendlichen haben aber die Chance! Was bleibt: Dass das DDR-Schulsystem gerechter und besser war, ist eine Illusion.

 

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  • Claudia Ranft (Freitag, 26. Februar 2016 11:14)

    Natürlich war "auch in der DDR-Schule nicht alles gut", wer anderes behauptet, hat sich mit der Sache nicht ernsthaft befasst. Was ich ein bisschen schade finde, ist, dass der Fokus auf die Defizite
    und politischen Fragwürdigkeiten gelegt wird - statt zu schauen, was war vorbildlich und würde dem bundesdeutschen Schulsystem gut tun. Wir schneiden in sämtlichen Vergleichen schlechter ab als bspw.
    nordeuropäische Schulsysteme, von echter Chancengleichheit kann auch heute nicht die Rede sein, sechzehn Länder frickeln bildungstechnisch vor sich hin, es gibt keine einheitliche Linie und ich bin,
    ehrlich gesagt, sehr froh, heute nicht mehr zur Schule gehen zu müssen. Das ist doch nicht schön! Ich bin nämlich (sagen wir mal, zu 89%) gerne zur Schule gegangen, und heute sehe ich das als eine
    Zeit, in der sich Kinder bzw. Jugendliche (pauschal gesehen, ich weiß, es gibt auch traurige biographische Hintergründe) in der nachgerade luxuriösen Situation befinden, nichts weiter tun zu müssen
    als zu lernen. Sie müssen nicht selber für Wohnung, Kleidung, Nahrung sorgen, sind frei von den Sachzwängen der Erwachsenenwelt... was wäre das für ein Glück, wenn die Schule den nötigen Freiraum /
    die nötige Sicherheit böte, um sich zu entwickeln, den eigenen Charakter auszubilden, sich Wissen anzueignen (lernen, zu lernen!) und zu einer eigenen Weltsicht zu verknüpfen... *träum*. Tja. Sowas
    interessiert mich mehr. Wie Bildung angelegt sein müsste, von Anfang an, damit diszipliniertes Verfolgen eigener Ziele nicht als Bürde, sondern als befriedigendes Unterfangen empfunden werden kann.
    Dass am Ende Menschen in das Erwachsenenleben entlassen werden, die ein Gefühl für Zusammenhänge und soziales Verhalten haben. Die neben einem gesunden Sinn für Konkurrenz auch einen ebenso tief
    verwurzelten Sinn für die Notwendigkeit von Kooperation haben. Ich interessiere mich mehr für das hohe Ideal, die Utopie, das im Grunde Unerreichbare, wonach zu streben jedoch dem Leben einen
    wirklichen Sinn gibt (aus meiner Sicht). So etwas wie die beste aller Welten... (http://beste-aller-welten.de/data/Kurzueberblick.20.0.html).

  • Allwissend (Freitag, 19. Februar 2016 15:27)

    Nur mal nebenbei: Auch in der DDR-schule war nicht alles gut. Auch da gab es Unterrichtsausfall und marode Schulen. Darüber wurde bloß nicht öffentlich berichtet.

  • Jan (Dienstag, 16. Februar 2016 17:52)

    Man kann doch nicht ernsthaft ein Bildungsgssystem als besser bezeichnen, dass Kinder und Jugendliche indoktriniert hat. Ich empfehle dringend die Lektüre derDDR-Schulbücher.

  • weltverbesserer (Dienstag, 16. Februar 2016 17:44)

    Entscheidend ist doch die Frage, wer besser ausgebildet hat. Und wie viel Schulabbrecher es gibt.
    Das heutige Schulssystem ist doch ein Armutszeugnis.

 

 

Das aktuelle Thema

Lernen mit Leichen?

Anatomie-Kurse für Kinder mit Plastinaten

 

                          veröffentlicht am 29.1.2016 von  Nico, Herr Rauh Kommentare:  4

 

Der Hintergrund:

 

  • Das Menschen-Museum des Leichen-Präparators Gunther von Hagen am Alexanderplatz bietet ab Februar 2016 Anatomie-Workshops für Kinder an.
  • Acht- bis Zwölfjährigen will man unter Anleitung eines Mediziners erklären, wie der menschliche Körper aufgebaut ist und funktioniert. Der Workshop soll pro Kind und einem begleitenden Erwachsenen 30 Euro kosten.
  • Eröffnet wurde das Menschen-Museum in Berlin-Mitte bereits im Februar 2015.  Über die Rechtmäßigkeit der Eröffnung streiten von Hagens und das Bezirksamt Mitte bis heute.
  • Auch im Hinblick auf die geplanten Anatomie-Kurse prüft das Bezirksamt Mitte  mit der Jugendabteilung, ob die Workshops nach dem Jugendschutzgesetz als jugendgefährdende Veranstaltungen einzustufen sind und untersagt werden können.
  • Bereits zu Eröffnung des Menschen-Museums gab es unterschiedliche Anweisungen der Bildungsverwaltungen der Länder: Während Berlin es beispielsweise den Lehrern freistellt, mit ihren Schülern das Museum zu besuchen, erklärte das Brandenburger Bildungsministerium: „Nicht gestattet ist ein Besuch der Körperwelten als verpflichtende Schulveranstaltung, zum Beispiel im Rahmen des originären Biologieunterrichts.“

 

Nicos Meinung

Pro

 

Biologie – ein ödes Fach

Herr Rauh, wie sie hautnah miterleben konnten, hat mich der Grundkurs Biologie fast mein Abitur gekostet. Und das nicht, weil Biologie ein besonders anspruchsvolles Fach ist, das man nicht verstehen kann, sondern weil es für mich ein hohes Langeweile-Potential aufweist. Mal mehr, mal weniger: je nach Thema, Lehrer und Unterrichtsgestaltung.

 

Interesse durch Plastinate

Eventuell wäre ich an das Fach motivierter herangegangen, wenn man früh versucht hätte, Interesse zu wecken. Und das können die Plastinate durchaus schaffen. Im Gegensatz zu ihren Eltern gehen die Kinder nämlich interessiert in eine solche Ausstellung und lassen sich von der Anschaulichkeit der anatomischen Prozesse beeindrucken. Ein Besuch kann sich positiv auf die Leistungen im Biologieunterricht auswirken.

Ängste übertragen

Ich frage mich, ob die alteingesessenen Politiker und verstaubten Lehrer wie Robert Rauh, die diese Form der Veranschaulichung ablehnen, es den Kindern nicht gönnen, weil sie selbst strengen Frontalunterricht ohne jegliche Form von Interaktion und Praxisnähe genossen haben. Sie übertragen ihre eigenen Berührungsängste auf die Kinder. Sprechen von ethischen Grundsätzen und wenn das nicht reicht, ziehen Sie die Ekel-Karte. Nur weil Sie Probleme mit den ausgestellten Leichen haben, soll den Kindern der Besuch verwehrt werden.

 

Alles Unangenehme dieser Welt

Dabei bieten die Plastinate eine sinnvolle Auseinandersetzung mit dem Thema, die auch für den Ethikunterricht genutzt werden könnte. Mit Schülern kann so über die Organspende diskutiert werden. Warum immer gleich die Moralkeule schwingen und zum Verbot greifen? Wichtig wäre doch, Interesse zu wecken und den Kindern anhand der Leichen einen vernünftigen Umgang mit der Thematik beizubringen, anstatt immer wieder zu versuchen, sie vor allem Unangenehmen auf dieser Welt fernzuhalten.

Herr Rauh, Sie plädieren doch sonst immer für Selbstbestimmtheit Ihrer Schüler.

Herrn Rauhs Meinung

Contra

 

Um Haaresbreite

Nico, natürlich habe ich in Erinnerung, wie Sie Ihr Abitur um Haaresbreite beinahe vers(ch)enkt hätten – um im Bild zu bleiben. Und Sie haben Recht, man vergeigt es ja eher in Mathe oder Englisch. Aber Biologie? Interessant ist mal wieder Ihre Wahrnehmung: Selbstbewusst zählen Sie alle Faktoren auf; Sie selbst kommen nicht vor. Hätten Sie von Anfang gelernt, wäre es nicht zur Beinahe-Katastrophe gekommen. Disziplin ist Ihnen doch sonst so wichtig.

 

Ein Klick genügt

Als Schüler habe ich mich für Biologie interessiert. Habe das Fach sogar freiwillig für die schriftliche Abiturprüfung gewählt. Dafür bedurfte es keiner Leichen. Damals wie heute. Biologielehrer stehen dank moderner Medien eine Vielzahl von Motivationsmöglichkeiten offen. Wir waren als Schüler froh, wenn irgendwann mal ein Fernseher in den Klassenraum geschoben wurde; heute gibt es eine Fülle von Lehr-Videos. In Farbe und dreidimensional. Ein Klick auf dem Smartboard genügt.

 

Exkursion ohne Leichen

Wenn das nicht reicht, kann man ins Gläserne Labor oder gleich live in die Flora und Fauna exkursieren. Nicht jedoch in ein Leichen-Museum. Und nicht im Rahmen des Unterrichts. Schon gar nicht mit Acht- bis Zwölfjährigen. Das Museum ist keine Universität, die Kinder keine Studenten und die Objekte nicht aus Plastik – sondern es handelt sich hier um Leichen. 

Aus ethischen Gründen lehne ich die Zurschaustellung toter Menschen ab. Auch wenn sich die Lebenden dafür freiwillig entschieden haben. Ich bin nicht religiös, muss der evangelischen Kirche jedoch zustimmen: Das ist schlichweg pietätlos. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Allerdings sollte man Kindern weder die Schau noch spezielle Workshops zumuten. Sie wären überfordert. Biologie kann auch so spannend sein. Ohne präparierte Leichen.

 

Kommentare

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  • Claudia Ranft (Mittwoch, 10. Februar 2016 16:56)

    Lieber Richard,
    niemand muss etwas eklig oder ethisch inkorrekt finden, nur weil ich das tue (oder jemand anders). Allerdings muss ich es nicht angenehm und ethisch korrekt finden, nur weil Du das tust. Sprache ist
    da schon sehr genau einsetzbar - zu schreiben, dass es weder eklig noch ethisch inkorrekt sei, ist Deine Meinung. Kein feststehendes, allgemeingültiges Faktum, wie es "das ist weder eklig noch
    ethisch inkorrekt" suggeriert. Das ist das eine. Das andere ist, dass zwar behauptet wird, dass die Ausstellungsstücke zu Lebzeiten ihrer Plastinierung zugestimmt hätten, ganz sicher sein können wir
    uns da aber nicht (es gab auch anderslautende Berichte). Nur weil wir uns nicht vorstellen können, dass jemand auch ohne unsere Einwilligung so mit uns verfahren könnte, heißt das noch lange nicht,
    dass es völlig ausgeschlossen ist. Das Leben ist nicht schwarz-weiß, richtig-falsch. Da gibt es eine Menge Grautöne, die kritisches Reflektieren und mindestens ansatzweises Hinterfragen
    rechtfertigen, wenn nicht sogar herausfordern.
    Die schwarze (Raucher-)Lunge gab es übrigens schon vorher, sie wurde im Rahmen einer Anti-Rauch-Kampagne verwendet und meines Wissens auf der Expo Hannover ausgestellt, ich meine, es war im
    australischen Pavillon (da bin ich mir aber nicht mehr sicher, ist schon eine ganze Weile her). Das weiß ich noch, weil ich damals an meiner Uni sehr unzufrieden mit der Verräucherung öffentlicher
    Räume war und da kann ich Dir aus Erfahrung nur uneingeschränkt zustimmen: Das Wissen über negative Konsequenzen heißt noch lange nicht, dass man/frau etwas lässt. Schon gar nicht beim Rauchen.

  • Richard (Freitag, 05. Februar 2016 13:23)

    Immer gleich dieser Aufschrei. In dem Museum werden den Schülern doch anschaulich der menschliche Körper präsentiert. Besseren Biologieunterricht bekommen sie in der Schule nicht. Das ist weder eklig
    noch ethisch inkorrekt. Schließlich haben die Menschen zu Lebzeiten entschieden, sich plastinieren zu lassen. Für einen guten, hier: pädagogischen Zweck! Denn was sind hundert Belehrungen über die
    Schädlichkeit des Rauchens gegen eine schwarze Lunge in echt.

  • Claudia Ranft (Freitag, 29. Januar 2016 12:27)

    Ich finde 3D-Modelle klasse. Den menschlichen Körper selbst zusammenfrickeln - gar nicht so einfach. Als Kind wollte ich mal kucken, was im Mäuseblut schwimmt (gar nichts, leider), habe mit einem
    Stöckchen die im Wald gefundene(n) Tierleiche(n) untersucht (und erschauere heute noch, was da so alles dran rumfrisst) - die von Gunter Hagens präparierten Leichen sind interessant, keine Frage. Ich
    schaue sie mir aber auf keinen Fall an. Wir waren mal - da muss ich in der elften, zwölften Klasse gewesen sein - mit dem Biolehrer im städtischen Leichenschauhaus. Das war SEHR interessant (auch
    wenn der Geruch wirklich nicht toll war). Und irgendwie "natürlicher" als diese Plastinate. Es geht mir gar nicht darum, irgendwem irgendwas verbieten zu wollen - aber hätte ich Kinder, dann würde
    ich nicht wollen, dass sie in eine solche Ausstellung gehen müssen, nur weil das im Unterricht vorgesehen ist. Und ich würde nicht wollen, dass sie sich deswegen vor ihren Mitschüler/inne/n
    rechtfertigen müssen (denn die Eltern werden selten in den Unterricht gebeten, um ihre Beweggründe zu erläutern, oder sehe ich das falsch?). Der Tod ist für mich so persönlich und intim wie der Sex.
    Beides ist - meiner Meinung nach - nicht für die öffentliche Zurschaustellung geeignet. Die Plastinate sind aus echten Lebewesen gemacht. Auch bei den Tierplastinaten hätte ich Bedenken. Auch wenn
    die Plastinate nicht leben, waren es einmal Lebewesen. Dass sie nicht verwesen und gewissermaßen zum Ursprung zurückkehren können, erfüllt mich mit Unbehagen. Es fühlt sich für mich ein bisschen so
    an wie Grabschändung. Es wird verhindert, dass sich ein Kreis schließt, der natürlicherweise für alle Lebewesen vorgesehen ist. Ich kann das leider nicht besser erklären. Wer sein/e Kind/er zu so
    einem Workshop oder in eine dieser Ausstellungen schicken möchte, nun ja, dem kann ich das schlecht verbieten. Aber ich denke, wir sollten das sehr viel mehr reflektieren und auch versuchen, uns
    vorzustellen, wie dieser Umgang mit toten Menschen und Tieren vielleicht unsere Wahrnehmung von Lebewesen beeinflussen könnte, oder den Wert, den wir der körperlichen Unversehrtheit zumessen. Muss
    ich alles machen, nur weil es spannend ist? Ich meine, nein.

  • Meli (Freitag, 29. Januar 2016 11:37)

    kaum gibts was neues, wollen es die Lehrer einem verbieten. muss doch jeder selbst wissen, ob er sich das zumuten will. ich war in der Ausstellung. es war interessant und lehrreich. und die kurse?
    naja, muss man ja nicht machen.

 

 

Zwischenruf

Soll Hitlers "Mein Kampf" in die Schulen?

 

veröffentlicht am 3.1.2016 von  Herr Rauh Kommentare:  4

 

Herrn Rauhs Meinung

Zwischenruf

 

 „Mein Kampf“ sei „(E)in Klassiker. Nicht zu vernachlässigen.“ So steht es auf dem Cover der indischen Ausgabe. Wenn man „Klassiker“ hört, denkt man an Goethe und Schiller. Aber an Hitler? Geht es nach dem Willen einiger Bildungsexperten müsse das Buch jetzt in die Schulen. Als kommentierte Ausgabe, die Anfang Januar erscheinen wird. Der SPD-Bildungspolitiker Rossmann meint sogar, die menschenverachtende Schrift zu entlarven, gehöre in einen modernen Schulunterricht. Ist es modern, „Mein Kampf“ zu lesen? Und in welchem Fach? Als Lektüre in Deutsch? Neben Schiller und Schlink jetzt auch Hitler?

 

Haben Sie sich schon mal durch die 700 seitenlange rassistische Hass- und Hetzschrift gequält? Wollen wir das ernsthaft unseren Schülern zumuten? Das ist eine rhetorische Frage. Und die Antwort lautet: Nein! Weder in Deutsch. Noch in Geschichte – ein Fach, das seit Jahren unter Stundenkürzungen, Fächerzusammenlegung oder häufig unsinnigen Lehrplanreformen zu leiden hat, ist dafür rein faktisch auch keine Zeit. Außerdem werden Auszüge schon lange in Geschichtsschulbüchern abgedruckt und im Unterricht behandelt.       

 

Vielmehr sollte man darüber diskutieren, ob ein Verbot von "Mein Kampf", das erst 2014 von der Politik erneuert wurde, noch zeitgemäß ist. Eine Aufhebung würde mehr zur Entmystifizierung beitrageln als eine wissenschaftlich kommentierte Ausgabe, die ungeachtet dessen überfällig war. Wir müssen vor dem Buch keine Angst mehr haben. Denn es würde heute nicht mehr zum Bestseller avancieren. Man kann es trotz deutschen Nachdruckverbots im Antiquariat oder im Ausland als Neuauflage oder im Original kaufen. Und für die Befürchtung, es könne 70 Jahre nach Kriegsende Menschen ideologisch noch beeinflussen, liefert bereits Hitler in seinem Vorwort eine bemerkenswerte Erkenntnis: Er wisse, „dass man Menschen weniger durch das geschriebene Wort als vielmehr durch das gesprochene zu gewinnen vermag“.

 

Ich möchte mal wissen, wer vor oder während der NS-Zeit das Buch tatsächlich gelesen hat. Zeitzeugen erinnern sich eher an die Reden von Hitler, Goebbels und co., die sie live oder am Radio verfolgten. Diese Reden werden im Geschichtsunterricht gelesen und analysiert. Sie sollten auch künftig zum Quellen-Kanon gehören. „Mein Kampf“ als Ganzschrift - kommentiert oder pur - dagegen nicht.   

 

Der Hintergrund:

 

  • Hitler hat „Mein Kampf“ 1924 im Landsberger Gefängnis geschrieben, wo er nach seinem Putschversuch im November 1923 inhaftiert war. Die autobiografische und ideologische Programm- und Propagandaschrift erschien in zwei Teilen (1925 und 1926). Die Auflage betrug bis 1944 etwa 12.450.000 Exemplare.

 

  • Die Urheberrechte endeten – 70 Jahre nach dem Tod des Autors - mit dem 31. Dezember 2015. Das Land Bayern, das nach dem Zweiten Weltkrieg die Rechtsnachfolge des Eher-Verlages (1920 von der NSDAP gekauft) angetreten hatte, in dem das Buch erschienen war, vertritt die Auffassung, dass ein Nachdruck auch nach Erlöschen des Urheberrechts als Verbreitung verfassungsfeindlicher Propaganda sowie als Volksverhetzung strafbar sei. Nach einem Beschluss der Justizminister von Bund und Ländern im Juni 2014 bleibt ein Nachdruck weiterhin verboten.

 

  • Antiquariate und Bibliotheken können Originalausgaben jedoch weiterhin verkaufen und verleihen. Auch außerhalb Deutschlands konnte man es erwerben, da der Eher-Verlag die Urheberrechte in den 1930er-Jahren an Verlage im Ausland verkauft hatte und es seitdem mehrfach wieder aufgelegt wurde. Ungeachtet dessen veröffentlicht das Münchner Institut für Zeitgeschichte im Januar 2016 eine wissenschaftlich kommentierte, historisch-kritische Edition.

 

  • Lehrerverband und SPD sprachen sich im Dezember 2015 dafür aus, dass diese kommentierte Edition in den Schulen behandelt werden soll. So meinte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagfraktion, Ernst Dieter Rossmann: „Diese antisemitische menschenverachtende Kampfschrift historisch zu entlarven und den Propagandamechanismus zu erklären, gehört in einen modernen Schulunterricht von dafür qualifizierten Lehrkräften.“

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  • Claudia Ranft (Freitag, 22. Januar 2016 14:59)

    Ich - eine ausgemachte Leseratte - habe das Buch seit Jahren im Regal stehen (ein geerbtes Exemplar, bei der Heirat bekam man das wohl damals zwangsweise in die Hand gedrückt) und noch nie den Drang
    verspürt, es zu lesen. Dafür weiß ich zu viel über den Nationalsozialismus. Wir haben das in der Schule behandelt, und auch zu Hause war das "Dritte Reich" Thema, ich bin mit Büchern wie "Als Hitler
    das rosa Kaninchen stahl" usw. usf. aufgewachsen. Meiner Meinung nach muss "Mein K(r)ampf" (auch die kommentierte Fassung) nicht in den Schulen zur Pflichtlektüre gemacht werden - es gibt, wie Herr
    Rauh schon schrieb (und ich bin mir sicher, er weiß, wovon er redet) genug Möglichkeiten zur Bearbeitung des Themas, und ich finde außerdem, dass wir die Person Hitler und sein Geschreibsel heute
    nicht so in den Mittelpunkt des Interesses rücken sollten. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ist ein Baustein unter vielen, um Kinder und Jugendliche zu befähigen, kritische,
    tatsächlich mündige Bürger/innen zu werden.

  • groll_72 (Dienstag, 05. Januar 2016 22:27)

    Die NS-Zeit wird in den meisten Bundesländern in der 9. Klasse behandelt. Die Schüler sind dann 13/14 Jahre jung. Mit Hitlers "Mein Kampf" wären sie überfordert. Vorstellbar wäre die Lektüre in der
    Oberstufe, vielleicht in einem Leistungskurs Geschichte. Aber auch den erwachsenen Schülern sollte man dieses Buch nicht zumuten, höchtens Auszüge.

  • Du hast die Wahl (Montag, 04. Januar 2016 13:30)

    Diese Hetzschrift sollte man echt keinem zumuten. Die meisten Rechten werden das nicht gelesen haben. Und sie sollte da bleiben, wo sie seit 1945 ist: im Giftschrank!

  • Richard (Sonntag, 03. Januar 2016 17:53)

    Soll es gelesen werden? Es muss gelesen werden! Und wo, wenn nicht an den Schulen. Denn die Geschichtslehrer ordnen es in den Kontext ein. Besser als wenn es die Schüler "schwarz" und ohne
    "Begleitung" lesen.

 

 

Das aktuelle Thema:

Nach New York oder an die Müritz-

(Ober-)Grenzen für Klassenfahrten?

 

                          veröffentlicht am 9.12.2015 von  Nico, Herr Rauh Kommentare:  4

 

Der Hintergrund:

  • Schon wieder! Erneut fliegen Schüler nach New York. Diesmal reist ein Englisch-Leistungskurs des Goethe-Gymnasiums in Berlin-Wilmersdorf in die USA. Der Trip soll 1400 Euro pro Schüler kosten. Die Schüler zahlen aber selbst.

  • Zuvor sorgte die New York-Fahrt eines Leistungskurses aus dem Robert-Koch-Gymnasium in Berlin-Kreuzberg für Aufregung. Das Berliner Jobcenter hatte die Kosten für alle 15 Schüler komplett übernommen. Das Geld stammt aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT), mit dem der Bund Schüler aus Familien mit geringem Einkommen unterstützt.

  • Die Empörung war groß: "Schüler-Luxustrip auf Staatskosten", hieß es in vielen Medienberichten.

  • In Berlin gibt es bislang keine Obergrenze; in Hessen dagegen deckelt beispielsweise eine Verordnung die Kosten von Auslandsfahrten bei max. 450 Euro. 

  • Der Bund der Steuerzahler fordert nun eine Deckelung der Kostenübernahmen bei maximal 1.000 Euro.

Herrn Rauhs Meinung

Contra

 

Herrje Nico, was ist denn eigentlich passiert? Schüler sind nach New York gereist. Auf Staatskosten. Skandalös? Unrecht? Weder noch. Die Kreuzberger Schüler und ihr Lehrer haben mit ihrem „Luxustrip“ nicht gegen geltendes Recht verstoßen. Sie haben die Lücke im System genutzt und ganz nebenbei einen anderen System-Skandal offengelegt: Alle 15 Schüler dieses Englisch-Leistungskurses sind Kinder, deren Eltern auf Sozialleistungen angewiesen sind. DAS ist ein Aufreger.   

 

Noch gewiefter als Zeki Müller

Der Kreuzberger Junglehrer war noch gewiefter als Zeki Müller aus „Fuck ju Göthe“, der im zweiten Teil des Kassenschlagers mit Chantal & Co immerhin nach Thailand fliegt. Getarnt als Schulpartnerschaft. Fand niemand krass. Ist ja nur Film.

Der Berliner Pädagoge hat – zugegeben – seinen Bildungsauftrag etwas zu global ausgelegt und ist mit seinen Schülern in die aufregendste Stadt der Welt gejettet. Mit Schülern, die ihren Alltag weitgehend zwischen Aldi und McFit verbringen und in den Ferien höchstens vom 3-Meter-Turm ins Kiez-Freibad springen. Klar, er hätte auch an die Müritz fahren können. Englisch wird da aber nicht gesprochen.

Das Problem ist ein anderes: Schüler von Geringverdienern hätten keine Kostenerstattung vom Amt bekommen und wahrscheinlich Mühe gehabt, selbst Geld für die Reise an die Müritz zusammenzukratzen. Also wenn, dann Reisen für alle! Mit einem Fördertopf. Denn Klassen- und Kursfahrten gehören zur Schulzeit wie Zeugnisse.  
 

In Herculaneum die Welt erklärt

Und Nico, offenbar haben Sie Ihre eigene Kursfahrt vergessen. Okay, es war nicht New York. Aber die Fahrt nach Rom mit knapp 500 Euro war auch nicht gerade billig. Ihre täglichen Pizzen auf dem teuren Pflaster noch gar nicht mit eingerechnet.

Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn ich Ihnen eine Kursfahrt nach Königs Wusterhausen vorgeschlagen hätte. Natürlich, Sie hätten selbstlos argumentiert, Wusterhausen sei mit der S-Bahn zu erreichen. Aber auch Sie fanden es cool, in Rom über die antiken Stätten zu wandeln. Und ganz nebenbei: In Herculaneum haben Sie mir das erste Mal die Welt erklärt und auf dem Hotelzimmer habe ich Sie beim Rauchen erwischt. Beides Grundsteine für diesen Blog.
 

Kontingente statt Obergrenzen

Und apropos Steuergelder: Haben Sie sich jemals darüber aufgeregt, wieviel Geld am neuen Berliner Flughafen schon verbrannt wurde? Nur eine Zahl: 41,4 Millionen Euro monatlich. Dafür könnten 16.560 Schüler nach New York fliegen. Ja, ein wenig Milchmädchen gerechnet. Also wo bleibt Ihr Aufschrei angesichts der gigantischen Verschwendung von öffentlichen Geldern, die der Bund der Steuerzahler jedes Jahr aufs Neue beziffert. Da wird auch Ihre Pseudo-Reisegerechtigkeit ganz blass.

Und kommen Sie mir nicht mit der Weltenbummler-Nummer. Ich behaupte, dass einige Wilmersdorfer Kids schon mehr von der Welt gesehen haben als manche Lehrer. In einem Punkt gebe ich Ihnen recht: Es muss geregelt werden. Daher: Kontingente statt Obergrenzen. 

 

Nicos Meinung

Pro

 

Herr Rauh, ich verstehe ja, dass die Versuchung für einen Lehrer groß ist, sich die Welt im Rahmen von bezahlten Klassenfahrten anzusehen, doch gegenüber den Schüler-Eltern ist das egoistisch. Und mit Ihrem Bildungsauftrag nur bedingt zu vereinbaren. Ihren Drang, sich als Weltenbummler zu produzieren, mögen sie bitte privat ausleben. Genug Gehalt und Ferien haben sie ja schließlich…

 

Kreuzberger Fall

Der aktuelle Fall des Wilmersdorfer Gymnasiums unterscheidet sich vom Luxustrip der Kreuzberger Kids. Bei diesem war der Aufschrei groß, weil alle Kinder Sprösslinge aus armen Familien sind, weswegen das Amt die Kosten komplett übernahm. Im jetzigen Fall bezahlen die meisten Eltern selbst. Und genau hier sehe ich ein Problem.

 

Geringverdiener

Dass Kinder von Arbeitslosen Klassenfahrten bezahlt bekommen, finde ich per se nicht verkehrt, denn sie sollten nicht aus wirtschaftlichen Gründen ausgeschlossen werden, doch es gibt auch Eltern, die arbeiten gehen, und trotzdem jeden Cent dreimal umdrehen. Diese Eltern werden nicht vom Staat unterstützt und ihr Kind muss zu Hause bleiben. Es wird dafür bestraft, dass seine Eltern arbeiten.

 

Sozial verträgliche Klassenfahrten

Es empfiehlt sich eine sozial verträgliche Klassenfahrt. Die Schule ist schließlich kein Reisebüro und das Sozialamt nicht der Weihnachtsmann.

Und es muss auch nicht Übersee sein. Englisch wird auch in London gesprochen. Ich hatte bereits Klassenfahrten an Orte, die mit der Berliner S-Bahn erreichbar waren. Es hat mir nicht geschadet. Denn Spaß, eine Auszeit von der Schule und eine Stärkung der Gemeinschaft findet man auch hierzulande. Aus Solidarität mit den Geringverdienern sollte man auf teure Klassenfahrten verzichten. Alles hat eine Grenze.

Und wenn Eltern ihren Kindern die Welt zeigen wollen, dann doch bitte so wie zukünftig auch Herr Rauh, privat und in den Ferien.

 

Kommentare

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  • Claudia Ranft (Freitag, 18. Dezember 2015 11:06)

    Jede Schule könnte doch innerhalb eines vertretbaren finanziellen Rahmens "Standardziele" innerhalb Deutschlands/Europas für Klassenfahrten festlegen, je nach Altersstufe der Schüler/innen
    variierend.
    "Sonderziele" sind damit nicht ausgeschlossen, müssten aber bestimmten Kriterien unterliegen wie bspw. dem ökologischen Fußabdruck.
    Zur Finanzierung: Da es in Deutschland nicht so ist wie da, wo ich zur Schule gegangen bin, ist es schwierig, bereits im Kindergarten mit dem Sparen auf die "große" Abschluss-Klassenreise in der 11.
    Klasse bspw. anzufangen. Aber das wäre natürlich ideal.
    Überall da, wo das nicht geht, sollte es einen Klassenfahrt-Fonds geben, über dessen Speisung (also, aus welchen Quellen das Geld kommt) noch verhandelt werden müsste.
    Auf jeden Fall wäre es schön, wenn alle Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit hätten, mindestens ein Mal während ihrer Schulzeit zusammen zu verreisen. Diesem Ziel sollte man alle weiteren
    Diskussionen unterordnen nach dem Motto "das möchten wir gern, wie bekommen wir das hin?!".

  • herzlos (Dienstag, 15. Dezember 2015 11:44)

    lücke im system. gewiefter lehrer. also ich weiß nicht, ob man sich das zum vorbild nehmen sollte. da waren einige einfach nur maßlos. die sich später hoffentlich daran erinnern, wenn sie andre
    verschwender kritisieren.

  • Ben (Mittwoch, 09. Dezember 2015 21:15)

    Reisen bildet!

  • Bianca (Mittwoch, 09. Dezember 2015 21:08)

    Mit der Amerika-Reise wurden wahrlich Grenzen überschritten - in finanzieller Hinsicht. Hier wurden Steuergelder aus einem Bildungspaket missbraucht, das eigentlich zur Förderung von Kindern aus
    armen Familien dienen soll. Ein kostspielige New York-Reise gehört ganz sicher nicht dazu.

 

 

Das aktuelle Thema:

Ausbildungs-Zwang für Unternehmen?

 

                          veröffentlicht am 3.12.2015 von  Nico, Herr Rauh Kommentare:  4

 

Der Hintergrund:

  • Die Berliner LINKE fordert die Erhebung einer Ausbildungsumlage für Betriebe. 
  • Im Klartext: Unternehmen, die nicht ausbilden, würden zur Kasse gebeten, um Unternehmen, die über Bedarf ausbilden, zu unterstützen.
  • Wenn dieser Gesetzesvorschlag auf Bundesebene nicht durchsetzbar sei, wollen die Berliner Linken ihn auf Landesebene initiieren.
  • Die Debatte ist nicht neu: Eine Ausbildungsplatzabgabe wurde bereits 2004 im Bundestag mit den Stimmen der rot-grünen Regierungskoalition verabschiedet.
  • Im gleichen Jahr wurde das Gesetz aber im Bundesrat, in dem die unionsgeführten Bundesländer die Mehrheit besaßen, abgelehnt.

 

Nicos Meinung

Contra

 

Herr Rauh, ich bin kein so liberales Köpfchen wie Sie und befürworte prinzipiell eine politische Einmischung in Wirtschaftsfragen. Doch auch Prinzipien haben ihre Grenzen. Dass Ihr Herz prinzipiell für eine optimale Ausbildung der Jugendlichen pocht, ist ja ehrenwert. Dass es dabei politisch immer weiter nach links ausschlägt, ist langsam bedenklich.

 

Typisch Links

Es verwundert wenig, dass der Vorschlag für einen Ausbildungszwang aus der linken Ecke kommt. Diese Politiker denken, dass Jugendliche ohne Ausbildungsplätze die alleinige Schuld des Staates ist und dass die jungen Leute, die eine Lehrstelle suchen oder arbeitslos sind, viel besser in Ausbildung und Arbeit kommen würden, wenn sie eine große Auswahl an Ausbildungsplätzen hätten. Das ist eine typische Milchmädchenrechnung, denn es gibt jährlich Zehntausende unbesetzte Lehrstellen. Die Lehrstellen sind da, die willigen Lehrlinge fehlen. 

 

Keinen Zwang

Eine Zwangsabgabe wird nicht zwangsläufig zu mehr Ausbildungsplätzen führen. Denn es gibt Betriebe, die sich einen oder zusätzliche Azubis nicht leisten können. Und warum sollte man kleine Betriebe dafür bestrafen, dass es sich für sie einfach nicht lohnt, jemanden auszubilden, weil sie nicht die großen Zukunftsaussichten für ihn haben und auch nicht die Mitarbeiterstärke, ihm permanent jemanden an die Seite zu stellen?

Außerdem möchte ich in keinem Betrieb meine Ausbildung absolvieren, der mich nur ausbildet, um einer Strafzahlung zu entgehen. Denn die entsprechende Qualität dieser Ausbildung kann man sich ja ausmalen.

 

In die linke Mottenkiste

Ob man ausbilden möchte oder nicht, sollte jeder Betrieb für sich selbst entscheiden. Ein Unternehmen, das sich bewusst dafür ausspricht, wird i.d.R. auch eine vernünftige Lehre anbieten, um vernünftige Nachwuchskräfte auszubilden. Zwar gibt es immer schwarze Schafe, die auf der Suche nach jungen Menschen sind, die sie ausbeuten können; doch mit einem Ausbildungs-Zwang wird man dieses Problem nicht beseitigen. Und den jährlich etwa 90.000 Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, ist mit einer Ausbildungsabgabe auch nicht geholfen. Daher sollte der Vorschlag ganz schnell dort verschwinden, wo er hingehört: in die linke Mottenkiste. 

 

Herrn Rauhs Meinung

Pro

 

Nico, Sie überraschen mich immer wieder. Sonst plädieren Sie doch für den starken Staat, der - natürlich nur im Interesse des Bürgers - überall regulierend eingreifen soll. Aber es beruhigt, dass Sie sich in Ihrer Prinzipienreiterei auch mal flexibel zeigen. Und sich schützend vor die kleinen Unternehmen stellen. Es ehrt Sie auch, dass Sie zum wiederholten Male die Jugendlichen zur Verantwortung rufen: Die sollen sich gefälligst flexibel zeigen.  

 

Immer weniger Ausbildungsbetriebe

Es gibt immer weniger Betriebe, die ausbilden: So lag die Quote der Ausbildungsunternehmen im Jahr 2014 mit 20,7 Prozent auf dem niedrigsten Wert seit 1999. Und jedes Jahr suchen immer mehr Jugendliche vergebens eine Lehrstelle. Im August hatten bundesweit 102.000 noch keinen Ausbildungsvertrag. Aber ich gebe Ihnen Recht: Zur gleichen Zeit waren noch 123.000 Stellen unbesetzt. Und nicht alle Berufe sind bei jungen Menschen gleichermaßen beliebt. Kunsthandwerk und Kosmetik sind anziehend; Kraftfahrer und Klempner zu werden dagegen nicht.

 

Nico, auf nach Vorpommern!

Das Problem ist jedoch ein anderes: Die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze ist im Bundesgebiet ungleich verteilt. In den bevölkerungsreichen Gebieten, wie Berlin oder Nordrhein-Westfalen, stehen den Suchenden nicht genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung. Wenn sich das nicht ändert, müsste sich Herr Menzel auch in einer anderen Frage flexibel zeigen – und nach Mecklenburg-Vorpommern auswandern. Im Nordosten gibt es in diesem Jahr die meisten unbesetzten Lehrstellen. 

 

Zwang und Strafe fehl am Platze

Die erneut in die Diskussion eingebrachte Ausbildungsabgabe wäre eine Lösung. Sie ist ja schon einmal als Gesetz diskutiert worden. Und wäre es vor zehn Jahren in Kraft getreten, dann würden mehr als 80 Prozent der Unternehmen davon gar nicht betroffen sein. Nur Unternehmen mit mindestens zehn sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, deren Lehrstellen weniger als sieben Prozent ihrer Mitarbeiterzahl ausmachen, hätten dann in einen Fonds einzahlen müssen. Betriebe, die mehr als diese Quote ausbilden, würden dagegen Fördermittel erhalten. Für mehr Ausbildungsplätze. Zwang und Strafe sind daher Begriffe, die bei diesem Thema fehl am Platze sind.

 

Kommentare

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  • Claudia Ranft (Dienstag, 08. Dezember 2015 13:15)

    Ich bleibe natürlich dabei, dass ich eine "Ausbildungsabgabe" idiotisch finde. Für kleinere Betriebe kann so eine Strafzahlung das Aus bedeuten - die kämpfen oftmals sowieso schon ums Überleben. Ein
    Bekannter von mir - Ein-Mann-Handwerksbetrieb - soll dafür bezahlen, dass er nicht ausbildet, obwohl er kaum genug Arbeit für sich selbst, ergo ein eigentlich nicht nennenswertes, eigenes Einkommen
    hat. Wer für eine Ausbildungsabgabe ist, sollte einfach mal ein bisschen Zeit mit denen verbringen, die auf Arbeitgeberseite davon betroffen wären. Beim Mittelstand, das ist nämlich (noch) die größte
    Quelle von Ausbildungsplätzen. Im Handwerk. Nicht bei den Großunternehmen, die sich ihre (Kopf-)Arbeiter/innen von den Unis ausbilden lassen (und nichts dafür zahlen).
    Außerdem muss ich leider sagen: Ja, es heißt "WIR sind die Zukunft". Aber das heißt es eben nur. Wäre das ernst gemeint, sähe die deutsche Bildungslandschaft etwas anderes aus, glaube ich.

  • Stephan L. (Dienstag, 08. Dezember 2015 12:24)

    Die Ausbildungsabgabe finde ich überhaupt nicht idiotisch. Auch Unternehmen sollten ihrer Verantwortung gegenüber der GEsellschaft, insbesondere der Jugendlichen, gerecht werden. Es heißt doch immer
    so schön: WIR sind die Zukunft.

  • Claudia Ranft (Dienstag, 08. Dezember 2015 10:19)

    Ich finde die Idee einer "Ausbildungsabgabe" idiotisch. Es sollte für alle Ausbildungsarten dasselbe gelten: Wer studiert (egal, ob er/sie/es dafür geeignet ist!), kann bspw. Bafög bekommen, das von
    uns allen finanziert wird. Ein ausbildender Betrieb muss die auszubildende Person bezahlen, auch wenn ihre Leistung das im Grunde noch gar keine Bezahlung rechtfertigt. Das ist erkennbar ungerecht.
    Es sollte einen staatlichen Ausbildungsfonds geben, der vor allem kleine Betriebe unterstützt, die sich sonst keine Auszubildenden leisten könnten. Betriebe beispielsweise, die in wichtigen,
    grundlegenden Gewerken ausbilden, die unsere Infrastruktur instand halten. So etwas fände ich sehr viel ansprechender als bspw. eine Elbphilharmonie oder einen Berliner Flughafen oder all die
    schwachsinnigen Geldvernichtungsprojekte, die der Bund der Steuerzahler immer wieder auflistet, ohne dass sich tatsächlich etwas ändert...

  • Sebastian (Sonntag, 06. Dezember 2015 19:23)

    Der Staat reguliert schon genug. Und junge Menschen müssen sich auch mal flexibel zeigen. Es können nicht alle Piloten, Tierärzte oder Bloger werden.

 

 

Das aktuelle Thema:

Schulverbot für Jogginghose -

Kleiderordnung im Klassenzimmer?

 

                          veröffentlicht am 16.11.2015 von  Nico, Herr Rauh Kommentare:  4

 

Der Hintergrund:

  • Das Verbot von Jogginghosen an einer schwäbischen Schule im Novemer 2015 entzündete erneut eine Debatte über angemessene Kleidung von Jugendlichen auf dem Schulgelände.
  • Die Schulleiterin der schwäbischen Schule kündigte außerdem an, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, in der sich Lehrer, Eltern und Schüler eine Kleidungsordnung entwerfen sollen.
  • Bereits im Sommer 2015 sorgte eine Schule im Nordschwarzwald mit einem Verbot für Hotpants für Aufsehen.
  • Obwohl in einigen Privatschulen Schuluniformen getragen werden, gibt es für staatliche Schulen weder eine Vorschrift für Uniformen noch für eine Kleiderordnung. Allerdings wurde erstmals im Jahr 2000 an einer staatlichen Schule eine einheitliche Schulkleidung eingeführt: in einer Haupt- und Realschule in Hamburg-Sinstorf.

 

Herrn Rauhs Meinung

Contra

 

Nico, das hätte ich gern gesehen: Sie in Uniform auf der Schulbank. Obwohl Sie – bis auf die Mottotage zum Abitur - niemals eine Jogginghose getragen haben, ist Ihr Plädoyer konsequent. Auf dem Campus waren Sie zwar keine Stil-Ikone, Ihr Dress-Code konnte sich jedoch sehen lassen. So weit, so schick.

 

Kleiderordnung auch für Lehrer

Dass eine Rektorin jetzt Jogginghosen in ihrer Schule verbieten und eine Kleiderordnung einführen will, kann ich irgendwie noch nachvollziehen. Auch an unserer Schule laufen Jugendliche durch die Gänge, als wären sie gerade von ihrer Couch gesprungen. Und vor Prüfungen müssen wir Lehrer inzwischen selbst die Abiturienten darauf hinweisen, dass man sich zu diesem Anlass angemessen kleidet.

Aber was heißt eigentlich „angemessen“? Und müsste eine Kleiderordnung auch für Lehrer gelten? Was ist zum Beispiel mit den Sportlehrern, die in Jogginghosen Geografie unterrichten, weil sie sich nach der Sportstunde nicht umziehen wollen?

 

Nie wieder Uniformierung

Nun aber gleich wieder Schuluniformen fordern? Die Diskussion ist so alt wie die Strickjacken einiger meiner Kollegen. In Deutschland hat sich die Einheitskleidung nach dem Krieg aufgrund der Erfahrungen aus der NS-Zeit nicht durchgesetzt. Selbst in der DDR wurden Halstücher und FDJ-Hemden nur an staatlichen Feiertagen getragen. Bis heute gibt es keine Kleidervorschriften an Schulen.

Dabei sollte es auch bleiben. Wir erziehen die Schüler zu selbständig und frei denkenden Persönlichkeiten. Dem widerspricht eine Uniformierung – auch wenn es nur den Dresscode betrifft. Diese Einheitsgarderobe müsste für jede Schule entworfen, mindestens in zweifacher Ausführung bestellt und bezahlt sowie regelmäßig gereinigt werden. Wir haben ganz andere Probleme. 

 

Nicos Meinung

Pro

 

Herr Rauh, Sie müssen zugeben, in Stilfragen bin ich der bessere Experte. Eine Kleiderordnung wird die individuelle Perönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen, für die Sie hier so leidenschaftlich plädieren, nicht behindern. In der Schule müssen sich Jugendliche nicht mittels Kleidung selbst verwirklichen; das schürt nur unnötig Konflikte und kann gern in der Freizeit ausgelebt werden.

 

Schulflur ist kein Laufsteg

Die schwäbische Schulleiterin setzt ein richtiges und längst überfälliges Zeichen gegen den Schlabberlook, das hoffentlich, im wahrsten Sinne des Wortes, Schule macht. Denn die Klamotten einiger Schüler sind nicht nur eine Beleidigung fürs Auge, sondern eine Nichtachtung der Institution Schule. Das Klassenzimmer ist schließlich keine Billard-Kneipe und der Schulflur kein Laufsteg. Daher reicht es nicht aus, Jogginghosen und Hotpants auf den Index zu setzen. Ich bin für eine Schuluniform. Das setzt auch dem Markenfetischismus vieler Schüler ein Ende.

 

Schuluniform fördert Disziplin

Eine Schuluniform würde auch die in meiner Generation umsichgreifende Nullbockstimmung eindämmen. Die Schule kann zwangsläufig nicht als wichtige Institution wahrgenommen werden, wenn ihre Besucher in Jogginghosen und sogenannten Jumpsuits auf der Bank „rumlümmeln“. Eine Schuluniform gibt der Schule einen elitären Charakter und fördert die Disziplin, da man zum einen die guten Sachen nicht durch eine unangemessene Körperhaltung zerknittern, zum anderen durch gutes Verhalten ein würdiger Träger des Dresses sein will. Das mag in einigen Ohren konservativ klingen, aber auch Kleider machen Schüler.  

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  • Claudia Ranft (Dienstag, 08. Dezember 2015 12:01)

    Eine Schuluniform kann sehr entspannend sein. Auch weil sie die Trennung zwischen dem "Ausbildungsplatz" Schule und dem in eigener Verantwortung zu füllenden "Freiraum" nach der Schule sicht- und
    spürbar macht. Morgens weiß ich genau, was ich anziehen werde, und nach der Schule ziehe ich mich um und zack! bin ich Privatperson, sozusagen.
    Wenn ich schwänzen will, nehme ich natürlich Umziehsachen in die Schule mit, denn eine Schuluniform bedeutet natürlich auch, dass mich außerhalb der Schule jede/r als Schülerin erkennen kann (die
    eigentlich im Unterricht und nicht im Café sitzen sollte).
    Ich spreche da natürlich aus eigener Erfahrung.
    An meiner Schule hatten (und haben) wir eine Uniform: Grüner Blazer für festliche Anlässe, sonst grüne Strickjacke (Pullunder, Pullover, je nachdem, was man lieber trägt), weiße Bluse/weißes T-Shirt
    bzw. Hemd, Rock (mit Mindestlänge ;))/Hose - da kam noch niemand auf die Idee, Hotpants draus zu nähen, aber das kann ja noch werden. Allerdings würde sich der/die Betreffende ziemlich lächerlich
    machen, denn das würde so aus der Menge herausstechen, das man/frau diesen Menschen eher bedauern würde. Wer so die Aufmerksamkeit auf sich ziehen möchte, muss ziemlich einsam sein.

    Rock/ Hose jedenfalls aus grauem Stoff mit Glencheck-Muster, Gürtel in schwarz, natürlich; weiße oder grüne Strümpfe (oder Strumpfhosen) und schwarze Halbschuhe (natürlich keine High Heels, aber ein
    bisschen Absatz ist durchaus erlaubt).
    Das kann auch schick aussehen, und persönliche Noten kann man/frau dem Ganzen sowieso immer verleihen, z.B. durch ein Halstuch, einen Anstecker oder Haarreifen, eine Krawatte (oder Fliege) oder einen
    besonderen Kleidungsschnitt (mal was selber nähen!) oder was auch immer. Es sehen ja zum Glück nicht alle Menschen gleich aus.
    Es ist tatsächlich für den Schulalltag entspannend, wenn sich alle nach demselben Muster kleiden. Vor allem, wenn die Elternhäuser über eine sehr unterschiedliche Wirtschaftskraft verfügen.
    Denjenigen, die sich die Uniform nicht einfach so leisten können, wird sie über den Schulfonds finanziert, das war nie ein Problem.
    Ich bin mir allerdings nicht so sicher, ob Nico mit seiner Vermutung recht hat, dass eine Schuluniform die Disziplin fördert bzw. die Null-Bock-Stimmung eindämmen könnte. Ich fürchte, da sind Schule
    und Gesellschaft ganz woanders gefragt als in Sachen Kleidung. Und elitär wirkt man/frau damit eher nicht - eine Schuluniform nivelliert weitestgehend die (sichtbaren) sozialen Unterschiede und die
    Schüler/innen können sich auf einer anderen Ebene treffen, als sie es sonst (vielleicht) täten. Wobei sich solche, die sich grundsätzlich für "etwas Besseres" halten, nicht mit solchen, die sie
    sozial für unwürdig erachten, abgeben, ganz egal, wer was an hat. Idiot/inn/en ändern ihre Meinung nicht, nur weil sie in andere Klamotten schlüpfen.
    Aber sie - die Uniform - kann ein Zugehörigkeitsgefühl (zur Institution Schule, zur Gruppe der Schüler/innen) befördern, das durchaus. Und Stolz darauf, genau zu dieser Schule zu gehören, bspw. bei
    Sportwettbewerben oder ähnlichem.

  • Gangster (Sonntag, 22. November 2015 23:24)

    Sind wir mal ehrlich: Einige laufen doch echt wie Assi durch die Schule.
    Schule soll aber auch aufs Leben vorbereiten und man kann später aufder Arbeit auch nicht in Freizeitklamotten rumlaufen, es sei denn man ergattert einen Job im Fitnessclub. Über Schuluniformen
    sollte man diskutieren. Einheitslook beendet den Markenwahn und stiftet nebenbei auch Identität mit der Schule.

  • Chantal (Mittwoch, 18. November 2015 21:57)

    Kleider machen Leute. Das stimmt.
    Manch einer greift sich frühs das, was er gerade im Kleiderschrank findet. Für andere hingegen ist Kleidung mehr. Sie spiegelt den eigenen Stil wieder, man kann sich damit ausdrücken. Das gilt für
    das weibliche als auch das männliche Geschlecht! Ich kann zwar nur als Frau sprechen, aber ich würde keine Uniform tragen wollen. Je nachdem wie ich mich fühle, kleide ich mich. Zwickt die Hose mal,
    na dann wird es heute eben ein weites Shirt plus Leggings. Und jetzt kommt wahrscheinlich ein ebenso blöder Vergleich wie der mit den Jogginghosen. Nein, ich bin weder Assi, noch habe ich mein Leben
    nicht im Griff. Modisch gesehen, mag ich noch eher zu den Hipstern gehören. Doch auch so, trage ich lieber andere Sachen als der sogenannte Mainstream.
    Um auf den Punkt zu kommen. Die Schule ist zum Lernen da. Wir lernen fürs Leben. Wir wollen in der Schulzeit bestenfalls herausfinden was wir mit unserem Leben anfangen und erreichen wollen. Ebenso
    wie jeder einen anderen Geschmack hat, lernt auch jeder auf seine eigene Art und Weise. Ich hab die Schulzeit und das Pauken oft verdammt. Man lernt jedoch am besten in einer wohligen Atmosphäre und
    dazu gehört eben auch Kleidung in der man sich wohl fühlt.
    Natürlich sollte man zu Prüfungen und am Abiball "entsprechend" gekleidet sein 😉 Aber wer definiert was entsprechend ist?
    Auch der schönste Anzug hilft einem bei einem Bewerbungsgespräch oder Meeting nicht weiter, wenn man nicht die rhetorischen Mittel und das nötige Wissen vorweisen kann.

    Ich plädiere für Jogginghosen, Leggings und mehr Individualität.
    Denn als Leggingsträgerin aus einem der "sozial schwachen" Bezirke Berlins bin ich doch gar nicht so verkommen.

    Mit besten Grüßen,
    Ihre angehende Zahnärztin 😊

  • Nicole (Dienstag, 17. November 2015 22:36)

    Wenn der lehrer hier meint, das Outfit einiger Schüler zu kritisieren, dann soll er sich mal die Klamotten seiner Kollegen anschauen. Vorbild im Dresscode? Fehlanzeige! Die Lehrer sollten mit gutem
    Beispiel vorangehen.

 

Thema:

Videoüberwachung auf Spielpätzen?

 

                           veröffentlicht am 08.11.2015 von  Nico, Herr Rauh Kommentare:  3

 

Der Hintergrund:

  • Nach der Festnahme des Mörders der kleinen Jungen Elias und Mohamed entbrannte eine Debatte darüber, ob der Staat künftig auch Spielplätze mit Videokameras überwachen sollte. Der mutmaßliche Täter Silvio S. war von seinen Eltern auf den Bildern einer nicht genehmigten Videokamera eines Berliner Wirtes erkannt und dann von der Polizei festgenommen worden.  
  • Die Videoüberwachung öffentlicher Räume ist in Deutschland durch das Bundesdatenschutzgesetz geregelt. So ist zum Beispiel auf die Überwachung hinzuweisen.
  • In den Bundesländern gibt es unterschiedliche Bestimmungen, die in den Landespolizeigesetzen geregelt werden. Dazu gehört beispielsweise der Einsatz einer mobilen Videoüberwachung auf Demonstrationen.
  • Vorgeschrieben ist die Videoüberwachung in Kassenräumen von Banken und bei Zugängen von Spielcasinos.
  • Nach dem Mordfall brachte die Berliner CDU die Überwachung von Spielplätzen in die Diskussion ein. 
Nicos Meinung

Contra

 

Kein Datenschutz-Fetischist

Bevor ich mich hier zum Buhmann degradiere, der die Wahrung der persönlichen Freiheit über die Sicherheit unserer Kinder stellt, sollte ich folgendes klarstellen: Ich bin wahrlich kein Datenschutz-Fetischist. Ich bin auch nicht gegen die Videoüberwachung an sich, es ist jedoch der falsche Ansatz.

Denn Kameras können die Verfolgung erleichtern; sie verhindern jedoch keine Straftaten. Wenn Spielpätze überwacht würden, suchen sich die Täter andere Wege und Plätze. Während Elias, der entführte und ermordete Junge aus Potsdam, auf einem Spielplatz entführt wurde, kidnappte der Mörder den Flüchtlingsjungen Mohamed vor dem Berliner LaGeSo. Da sind Kameras installiert.

 

Rechtliche Grauzone

Zudem wirkt eine Polizeistreife abschreckender als eine anonyme Kamera – vorausgesetzt es gibt genug Polizisten. Es wird eine Illusion bleiben, dass der Staat alles und jeden schützen kann. Hier sind auch die Eltern gefragt.

Zudem bewegt sich die Videoüberwachung in einer rechtlichen Grauzone. Im aktuellen Fall des Täters Silvio S. soll der Wirt, dessen Kamera den Täter aufzeichnete, was letztendlich zur Festnahme des Täters führte, eine Anzeige bekommen, weil die Kamera nicht ausgeschildert war.

Und wer garantiert den Schutz vor einem Missbrauch der Bilder? Es geraten unverdächtige Personen ins Visier der Ermittlungen, was der geltenden Unschuldsvermutung widerspricht.

 

Sicherungsverwahrung

Wichtiger als die Überwachung von Spielplätzen wäre, dass man rigoros die Sicherungsverwahrung für solche Täter vollzieht, ohne dass ein Psychologe oder sonstiger Gutachter entscheidet, dass dieser Mann, der als unheilbar gilt, dank einiger Therapien, nun ungefährlich sei.

Herrn Rauhs Meinung

Pro

 

Geeignete Prävention

Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich mal für eine Videoüberwachung von Spielplätzen plädieren würde. Aber ich halte sie für eine geeignete Prävention von Straftaten. Der Staat baut die Spielplätze; er sollte sie auch schützen. Der Hinweis auf die Überwachung mit Kameras schreckt auch auf Bahnhöfen, Flughäfen sowie in Läden und Banken ab. Mir ist durchaus bewusst, dass es immer wieder Banküberfälle geben wird. Und Kameras werden auch nicht spontane Schlägereien verhindern.

 

Mohamed würde noch leben

Die Überwachung dient darüber hinaus nicht nur der Vorbeugung, sondern auch der Identifizierung von Tätern. So konnten auf U-Bahnhöfen mehrere Gewalttaten mithilfe von Videoaufnahmen aufgeklärt werden. Wäre der mutmaßliche Mörder Silvio S. auf dem Spielplatz, auf dem er Elias entführte, gefilmt worden, wäre Mohamed noch am Leben. Wenn die Eltern ihn auf den – zugegeben illegalen Videoaufnahmen des Berliner Wirtes – nicht erkannt hätten, würde er noch immer frei herumlaufen.

 

Kameras auch an Schuleingängen

Ich fühle mich inzwischen sicherer, wenn ich sehe, dass ein Platz oder ein Bahnhof videoüberwacht wird. Und ich bin auch für Kameras an Schul-Eingängen. Denn Aufsichten durch die Lehrer gibt es nur in den Pausen. 

Kameras garantieren keine hundertprozentige Sicherheit. Denn einen Psychopathen werden sie nicht davon abhalten, einen Mord zu begehen. Aber wer gleich wieder vor dem Eingriff in die Privatsphäre warnt, sollte sich einmal in Ruhe die Bilder und Filme ansehen, die bei facebook oder youtube hochgeladen werden.    

 

Kommentare

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  • Lilly (Montag, 09. November 2015 22:50)

    Dass Überwachungskameras die Kriminalität zurückdrängen, beweist doch der aktuelle BVG-Sicherheitsbereicht: die Aufklärungsquote bei Gewalttaten ist höher; die Vandalismusschäden sind deutlich
    zurückgegangen. Und die Bevölkerung ist inzwischen mehrheitlich dafür. Ich fühle mich in der U-Bahn auch wohler als vor einigen Jahren - dank der Sicherheits-Kameras.

  • Ben (Montag, 09. November 2015 22:40)

    Überwachungskameras helfen bei der Aufklärung, ja. Aber sie verhindern letztlich keine Straftaten.

  • Grischa (Montag, 09. November 2015 08:15)

    Überwachung von Spielplätzen und Schulen? Wer soll das alles auswerten? Personal, was dann von der Straße abgezogen wird? Und wo soll das hinführen? Demnächst auch die Überwachung von Parks und
    öffentlichen Toiletten? Wo hört der öffentliche Raum auf und wo beginnt der private? Fragen über Fragen

 

Das Thema:

Schulpflicht abschaffen?

 

                           veröffentlicht am 25.09.2015 von  Nico, Herr Rauh Kommentare:  2

 

Der Hintergrund:

 

  • In Deutschland herrscht die sogenannte „Vollzeitschulpflicht“, die sich in der Regel auf zehn Schulbesuchsjahre erschreckt.
  • Der Eintritt in die Schulpflicht ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt (Stichtagregelung).
  • Die Erziehungsberechtigten sind zur Einhaltung der Schulpflicht ihrer minderjährigen Kinder verpflichtet. Kommen die Eltern dieser Pflicht nicht nach, reichen die Sanktionen von einem Bußgeldbescheid bis zum Schulzwang, indem die Schüler zwangsweise zur Schule gebracht werden.
  • Das Bundesverfassungsgericht hat 2006 die Schulpflicht bestätigt; die strafrechtliche Sanktionierung bei Verletzung der Schulpflicht durch religiös gebundene Eltern sei verfassungsgemäß.
  • In einigen Bundesländern ist ein „Ruhenlassen der Schulpflicht“ möglich, wenn ein wichtiger Grund vorliegt und eine gleichwertige anderweitige Förderung möglich ist.
  • Auch eine Befreiung von einzelnen Unterrichtsfächern ist möglich – aber nur in besonderen Ausnahmefällen.
Herrn Rauhs Meinung

Pro

 

Pflichtmensch Nico

Lieber Nico, natürlich ehrt es Sie, dass Sie ein Pflichtmensch sind. Oder sich als solcher verkaufen. Bricht man es auf Ihr Schulleben herunter, dann ergibt sich für ihren Lehrer folgendes Bild: Sie sind DER Schüler in meinem letzten Leistungskurs, der am wenigsten gefehlt hat. Überhaupt kann ich mich nicht erinnern, dass ein Schüler die Schulpflicht jemals so ernst genommen hat. Sie waren zwar nicht immer pünktlich, aber Sie sind immer in der Schule angekommen; Sie haben zwar nicht immer mündlich mitgearbeitet, aber Sie haben immer zugehört. Häufig musste ich Sie zwar an eine selbstverständliche Pflicht erinnern: für Klausuren zu lernen! Aber Sie haben mich regelmäßig darauf hingewiesen, dass der Kenntnisbereich überschätzt sei. Es komme auf Anwenden und Urteilen an. Naja, geschenkt! Sie haben das Abitur jetzt (endlich) in der Tasche.

 

Schulverweigerer Moritz

Moritz Neubronner hat auch gerade Abitur gemacht. Der 18-jährige hat es jedoch ohne Schulbesuch geschafft. Mit einem Durchschnitt von 2,5! In zwei Fächern hat er mit 15 Punkten sogar die Bestnote erreicht. Und weil er für die externe Abiturprüfung keine Vornoten hatte, musste er acht Prüfungen absolvieren. Vier mehr als sie.

Der „hartnäckigste Schulverweigerer Deutschlands“ (SPIEGEL) hat die Grundschule schon in der 2. Klasse verlassen und kehrte dann noch einmal in der 10. Klasse für vier Monate unmittelbar vor dem Mittleren Schulabschluss (Durchschnitt: 1,4) in den Klassenraum zurück. Ansonsten hat er zu Hause gelernt. Mit Hilfe der Eltern, die Freiberufler sind. Weil „Homeschooling“ in Deutschland verboten ist, zog die Familie 2008 zunächst nach Spanien und dann nach Frankreich, wo das Lernen im Kinderzimmer erlaubt ist. Zuvor waren die Neubronners mit Klagen, u.a. vor dem Europäischen Gerichtshof, gegen die Schulpflicht gescheitert. Nun hat der älteste Sohn Moritz bewiesen, was Pflichtmenschen wie Sie offenbar in Erklärungsnot bringt: Man muss nicht zur Schule gehen, um das Abi zu schaffen. 

 

Homeschooling – in anderen Ländern längst Praxis

Dabei war es dem Jugendlichen immer wichtig zu betonen, dass das Lernen zu Hause nicht generell besser sei als der Unterricht in der Schule. Es müsse jedoch alternative Wege zum Schulabschluss geben. Genau das ist der Punkt. Deutschland steht auf dem europäischen Kontinent so ziemlich allein da – mit seiner Schulpflicht. In anderen Staaten ist Homeschooling längst Praxis. Auch in den USA. Dort gilt es als klassisches Elternrecht. So argumentieren auch die Homeschool-Aktivisten in Deutschland: Freies häusliches Lernen sei ein Menschenrecht.

Nicht immer ist der Wunsch der Eltern, ihr Kind zu Hause zu unterrichten, religiös motiviert. Erziehungsberechtigte bemängeln auch die unzeitgemäßen Lehrpläne, den Ganztagsbetrieb oder können sich schlichtweg keine Privatschule leisten. Als Bedrohungsszenarium kann Homeschooling für die Pflicht-Verteidiger nicht dienen. Denn in keinem Land hat das bisher zu einer Massenflucht aus der staatlichen Schule geführt.

 

Bildungspflicht statt Schulpflicht

Daher finde ich den Vorschlag prüfenswert, die Schulpflicht durch eine Bildungspflicht zu ersetzen. Zuletzt haben sich die Piraten dafür stark gemacht. In Österreich gibt es bereits eine Bildungs- statt einer Schulpflicht. Offiziell werden im Nachbarland knapp 2500 Kinder zu Hause unterrichtet. Die Eltern haben dafür gute Gründe, die auch in Deutschland nicht von der Hand zu weisen sind: Volle Klassen, Unterrichtsaufall, marode Schulgebäude und veraltete Lehrinhalte. Und es ist ja nicht so, dass die Kinder wahllos in den Tag lernen oder meistens chillen. Jährlich müssen sie sich in einer staatlichen Schule einer Prüfung stellen und erhalten wie normale Schulkinder ein Zeugnis. Wenn es gut ist, darf das Kind ein weiteres Jahr zu Hause lernen.

 

Auf dem Prüfstand

Dass Sie, Nico, die Schulpflicht als eine Errungenschaft feiern, kann ich nachvollziehen. Aber sie ist kein Naturgesetz. Und gehört in einer sich so stark wandelnden Gesellschaft auf den Prüfstand. Das gilt auch für den frühen Unterrichtsbeginn, den inzwischen viele Mediziner für schädlich halten. Und an dem Sie auch nicht rütteln wollen, weil Sie der Auffassung sind, das gehöre genauso zum Abhärtungsprogramm für die Vorbereitung der Kinder auf das spätere Leben.

 

Nicos Meinung

Contra

 

Schillerndes Beispiel

Allein, dass wir, lieber Herr Rauh, zum Thema Abschaffung der Schulpflicht diskutieren, ist mehr als lächerlich. Diese Forderung ist die reinste Farce. Das zeigt schon Ihre Argumentation: Obwohl Sie HIER für die Pro-Seite schreiben, können Sie sich am Ende nicht klar für eine Abschaffung aussprechen. Wie auch? Sie würden ja nebenbei ihr berufliches Selbstverständnis in Frage stellen. Pflichtmensch hin oder her.

Problematisch ist auch das Fallbeispiel, das zum Maßstab erhoben wird. Ein Schüler, der die Schule nicht besucht hat und trotzdem sein Abitur geschafft hat, dient als Basis für eine Debatte, deren Führung überflüssig ist. Das Beispiel ist nicht repräsentativ. Aus mehreren Gründen.

 

Welche Eltern können (sich) das leisten?

Der besagte Schüler hatte das Glück, dass seine Eltern in der Lage waren, ihn ausreichend zu belehren. Doch genauso wie ihr Sohn sind auch die Eltern nicht der Maßstab. Welches Elternpaar ist Jahre nach dem eigenen Schulabschluss in der Lage, seinem Kind den Schulstoff bis zur zwölften Klasse beizubringen? In allen Fächern? Es werden die wenigsten sein. Homeschooling können also nur die praktizieren, die sich einen Hauslehrer leisten können. Das hat nichts mehr mit Bildungsgerechtigkeit zu tun.

 

Verrat

Besonders kritisch sehe ich, dass wir mit der Abschaffung der Schulpflicht Verrat an all denen begehen, die sich für Bildung engagieren. Jahrhunderte lang kämpften Menschen dafür, dass nicht nur die Privilegierten zu Bildung gelangen können und mit ihrem Wissen die normalen Bürger ausbeuten und drangsalieren.

Und denken wir einmal an all die freiwilligen Helfer, die in Afrika Schulen aufbauen oder in Afghanistan den Tod in Kauf nehmen, um durchzusetzen, dass auch Mädchen die Schule besuchen können. Kostenlose Bildung für alle in Frage zu stellen, wäre ein Schlag ins Gesicht der oben genannten.

 

Erziehung mit Samthandschuhen

Der Vorschlag, die Schulpflicht in Deutschland abzuschaffen, spiegelt in meinen Augen ein generelles Problem wider: das Verhalten vieler Eltern von heute. Ich rede von Elternpärchen, bei denen die Väter ihre Kinder im Beutel vorm Bauch tragen.

Diese Eltern würden ihre Kinder am liebsten in einem Vakuum halten - fern von Anstrengungen, Pflichten, Druck und allem Bösen dieser Welt. So hat ja auch Moritz Neubronner seine Schulverweigerung begründet: Es sei ihm zu laut gewesen. Die Mutter meinte, davon sei er krank geworden – und nahm ihn einfach von der Schule. 

Wie soll sich ein Kind, das sich nie an Pflichten halten musste, nicht einmal an die Standard-Pflicht zur Schule zu gehen, im späteren Leben zurechtfinden? Das Leben besteht sowohl im Berufs- als auch Privatleben aus permanenten Verpflichtungen.

Mein Appell an diese Eltern: Eure Erziehung mit Samthandschuhen kann eure Kinder keinesfalls auf das reale Leben vorbereiten. Eure Kinder müssen irgendwann auf sich selbst aufpassen, außerhalb der heilen Welt zwischen Klavierunterricht und Sonntags-Brunch.

 

Niedergang der Gesellschaft

Wer die Abschaffung der Schulpflicht zulässt, nimmt den Niedergang unserer Gesellschaft in Kauf. Man stelle sich nur einmal vor, welche Auswirkungen das hätte: Kinder würden nicht mehr zur Schule gehen und stattdessen nur das machen, was ihnen Spaß macht. Wer von denen wird später in der Lage sein, regelmäßig zur Arbeit zu gehen? Eine Gesellschaft voller ungebildeter, arbeitsfauler Leute, die nur in den Tag hineinleben, kann niemand wollen.

 

Kommentare

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  • Luca (Mittwoch, 07. Oktober 2015 23:07)

    Eltern sind keine Lehrer. Sie sollten sich auf die Erziehung konzentrieren und die Bildung der Schule, also dem Staat, überlassen.

  • Ben illegal (Samstag, 03. Oktober 2015 20:57)

    So lange das Schulsystem nicht umfassend reformiert wird, sollte es allen Jugendlichen möglich sein, zu Hause zu lernen. Ich habe einfach zu viel sinnlose Stunden in der Schule abgehangen, ohne
    richtig was zu lernen.

 

Abitur in Deutschland - immer wertloser?

 

                           veröffentlicht am 15.07.2015 von  Nico, Herr Rauh Kommentare:  2

 

 

Der Hintergrund:

  • Zurzeit erhalten in Deutschland rund 350.000 Schüler ihre Abiturzeugnisse. Es sind ca. 40 Prozent der Schulabgänger; vor 20 Jahren waren es weniger als 30 Prozent.
  • Seit Jahren steigt die Durchschnittsquote. Zudem gibt es immer mehr Schüler, die mit 1, xx abschneiden.
  • Das Abitur ist der höchste deutsche Schulabschluss. Damit erlangt der Schüler die Hochschulreife, also den Zugang zur Universität.
  • Möglich ist auch ein Fachabitur (Zeugnis der Fachhochschulreife). Es berechtigt zum Studium an einer Fachoberschule.
  • Aufgrund des Bildungsföderalismus gibt es in den Bundesländern jedoch Unterschiede hinsichtlich der Abituranforderungen. Auch die Länge der Gymnasialzeit ist nicht einheitlich geregelt: Entweder man absolviert das Abitur nach 12 (G8) oder 13 Jahren (G9); in einigen Bundesländern hat man die Wahl.
  • Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat sich bisher lediglich geeinigt auf einheitliche Bildungsstandards (EPA) und einen bundesweiten Pool für Abituraufgaben in vier Kernfächern, der erstmals 2017 zur Anwendung kommen soll.

 

Nicos Meinung

Pro

 

Gewagte These

Herr Rauh, es freut mich, dass Sie sich über mein Abitur freuen. Und nur am Rande: Ich hätte es auch ohne Ihren – zuweilen etwas nervigen – Druck bestanden. Denn das ist heutzutage kein Kunststück mehr. Was nicht nur an Ihnen liegt. Die Aussage, dass das Abitur in Deutschland immer wertloser wird, mag für den einen oder anderen gewagt und nicht zutreffend sein. Schließlich sind Abiturienten doch unsere Elite, die zukünftigen Studenten, die unser Land einmal weiterbringen sollen. Doch ich halte dagegen und behaupte: Wer in Deutschland Abitur macht, gehört schon längst nicht mehr zur Elite.

 

Unterschiede in den Ländern

Das erste Problem, das beim Abitur auftritt, sind die Unterschiede in den einzelnen Bundesländern. Während ich in Berlin seit Ostern am regulären Schulbetrieb nicht mehr teilnehme, sondern mich zu Hause auf die Abiturprüfungen vorbereiten sollte, absolvierte beispielsweise ein Schüler in Baden-Württemberg weiterhin den Unterricht - und nebenbei seine Prüfungen. Theoretisch ist sein Abiturdurchschnitt also höher anzusiedeln als meiner. Doch kann man mich deshalb bei Bewerbungen benachteiligen, weil ich ein richtiges Abitur im „falschen“ Bundesland gemacht habe?

Die Unterschiede bei den Anforderungen für die Abschlussprüfungen in den Ländern sind eklatant: Ein Abitur in Bayern ist anspruchsvoller als in Bremen. In Sachsen hat man 12 Jahre Zeit, in Rheinland-Pfalz 13 Jahre; in Berlin belegt man zwei Leistungskurse, im Nachbarland Brandenburg müssen fünf Kurse „mit erhöhtem Anforderungsniveau“ belegt werden. Einheitliche Prüfungsregelungen und Aufgabenformalte sind somit längst überfällig.

 

Jeder bekommt das Abitur

Abitur heißt allgemeine Hochschulreife. Man besitzt also über alle Themengebiete ein umfassendes Wissen. Doch nach meiner Erfahrung mogeln sich viele Schüler in den meisten Fächern mit einer 3 oder 4 durch, da dieses Fach dann als bestanden gilt. Faktisch haben sie damit weder von allen Fächern viel Ahnung noch von bestimmten besonders viel, sondern von allen fast gar keine.

 

Konkurrenzkampf

Zwischen Gymnasien und den anderen Schulformen herrscht ein regelrechter Kampf um Schüler. So kann man in Berlin auch an Sekundarschulen Abitur machen – nicht nach 12, sondern nach 13 Jahren. Die Gymnasium bangen um ihre Daseinsberechtigung. Denn die Folge ist eine Abwanderung, da die Maßstäbe an der Sekundarschule niedriger angesiedelt sind. Deshalb werden viele Gymnasien in ihrer Zensierung und den Ansprüchen an die Schüler immer lascher. Doch so können Gymnasien ihrem Anspruch, die Schüler auf eine Hochschulausbildung vorzubereiten nicht mehr gerecht werden. Über kurz oder lang werden sie Opfer ihrer fehlenden Notwendigkeit und aus der deutschen Bildungslandschaft verschwinden. Und dann droht die Einheitsschule.

 

Zukunftsängste

Man kann den Schülern, die mit Ach und Krach ihr Abitur bestehen, keinen Vorwurf machen. Denn oft wollen diese Schüler nicht studieren, sondern einen Weg einschlagen, der auch ohne Abitur möglich gewesen wäre. Doch immer mehr Unternehmen stellen für eher einfache Berufe Abiturienten ein. Es ist verständlich, dass viele Jugendliche auf Nummer sicher gehen wollen, damit es mit der Wunschausbildung klappt.

 

Teufelskreis

Daraus ergibt sich ein Teufelskreis, der nur schwer zu durchbrechen ist. Die Unternehmen stellen lieber überqualifizierte Abiturienten als Schüler mit Mittleren Abschluss ein, weshalb immer mehr das Abitur machen wollen. Diese Schüler drücken das Niveau nach unten und entwerten letztendlich die Hochschulreife. Das passt zur Position der Linken und Grünen, die der Meinung sind, es gäbe keine Unterschiede zwischen den Kindern und Jugendlichen, und jeder könne das Abitur erlangen, indem er beispielsweise von leistungsstärkeren Schülern lernt. Dabei hat bereits das jahrgangsübergreifende Lernen in Berlins Grundschulen nicht funktioniert.

 

Zurück zu den Wurzeln

Wir müssen das Abitur wieder zu dem machen, was es von Anfang an war: eine Berechtigung zum Studieren; für Schüler, die auch wirklich geeignet sind. Und nicht als Aufwertung des eigenen Egos für Jedermann.

 

Herrn Rauhs Meinung

Contra

 

Bundesweites Zentralabitur?

Gratulation, Nico! Sie haben das Abitur bestanden. Und gar nicht mal so schlecht. Besonders freut mich der Abschluss in Geschichte. Allerdings bezweifle ich, dass es in diesem Fach ohne Druck so gut geworden wäre. Für Ihr historisches Selbstbewusstsein hätten Sie dagegen ohne Zweifel 15 Punkte verdient (1+).  

Die These, dass das Abitur in Deutschland immer wertloser wird, ist nicht nur gewagt, sondern auch äußerst populär. Aber sie überzeugt mich nicht. Obwohl ich Ihrer Argumentation in einem wichtigen Punkt zustimmen muss: die Frage der Vergleichbarkeit. Genauso wie Sie bin ich für eine bundesweites Vereinheitlichung des Abiturs. Aber es ist zu befürchten, dass ein Zentralabitur unter den gegenwärtigen schulpolitischen Bedingungen dann tatsächlich an Niveau verliert. Das resultiert aus den 16 verschiedenen Schulsystemen, die sich Deutschland leistet. Der Bildungsföderalismus muss überwunden werden, weil er nicht mehr zeitgemäß ist. Und das nicht nur beim Abitur! Es ist nicht gerecht, dass ein Abitur in Bayern anderen Maßstäben unterliegt als in Berlin. Und es kann nicht sein, dass in einigen Bundesländern die 1,xx-Durchschnitte inflationär vergeben werden. 

 

Die Schüler werden nicht dümmer

Das Abitur hat nicht an Wert verloren und unsere Abiturienten sind auch nicht dümmer als vor 20 Jahren. Das von Jahr zu Jahr sinkende Bildungsniveau der jüngeren Generation gehört zum smalltalk und wurde schon in der Antike bejammert. Und in Deutschland droht ja immer gleich der Untergang des Abendlandes. Seit Jahren beklagen nicht nur Universitätsprofessoren, dass unsere Schüler sich nicht mehr schriftlich korrekt ausdrücken, die Photosynthese nicht erklären können und nicht wissen, wer die Mauer gebaut hat. Gleichzeitig werden immer wieder die deutschen Wissenschaftsleistungen gewürdigt: Deutschland ist Spitze in Forschung und Technologie, vor allem in Medizin und in den Naturwissenschaften. Und die vielen jungen Unternehmen mit ihren innovativen Ideen werden auch künftig dafür sorgen, dass Deutschland in großem Umfang exportieren wird.

 

Problem System

Das Problem liegt im System. Und es liegt auch an den Lehrern, Eltern, Politikern - und den Unternehmen, die ausbilden. Dass so viele gute Abiturnoten verteilt werden, ist zunächst auf die veränderten Prüfungsanforderungen zurückzuführen. Beispiel Berlin: Seit einigen Jahren erhält man in der Oberstufe bereits bei 95 Prozent eine 1+ (15 Punkte). Und viele Lehrer halten die eingeführte fünfte Prüfungskompetente, die sogenannte Präsentationsprüfung, für keine „richtige“ Abiturprüfung. Hier gehe es primär um Show und weniger um Inhalte. Und weil bei diesem Prüfungsformat die meisten Schüler gut abschneiden und kaum einer durchfällt, hebt es am Ende den Abi-Durchschnitt an. Andererseits gehört das Präsentieren in der heutigen Zeit mehr denn je zu den Basics: Inhalte strukturiert und anschaulich darzubieten, ist eine wichtige Kompetenz - auch und vor allem in der Wissenschaft.

 

Studierunfähigkeit?

Die Aufgabenformate in den Prüfungsfächern sind dagegen weitestgehend erhalten geblieben. Nach wie vor muss der Schüler beispielsweise in Geschichte eine unbekannte Quelle oder die Darstellung eines Historikers analysieren, mithilfe von Kenntnissen in den historischen Kontext einordnen und anhand einer Problemfrage beurteilen. Im Leistungskurs muss er sogar zwei Texte unter selbst gewählten Kriterien vergleichen. Ein ehemaliger Schüler von mir, der nun Geschichte studiert, beklagte, dass ich ihn nicht richtig auf das Studium vorbereitet habe. In Klausuren an der Uni werde er häufig nach dem Multiple-Choice-Verfahren abgefragt. Mit kompetenzorientiertem Unterricht hat das natürlich nur wenig zu tun, verehrte Professoren. Die Klausuren lassen sich so allerdings effizienter korrigieren. Zudem ist es zweifelhaft, wenn viele Uni-Dozenten für die Studierunfähigkeit der Erstsemester die mangelhafte Schulbildung verantwortlich machen. Ihre Lehrtätigkeit lässt oft auch zu wünschen übrig – kritisieren viele Studenten.

 

Problem Eltern

Ein weiteres Problem sind die Eltern. Für viele scheint es eine Erziehungskatastrophe zu sein, wenn ihr Kind kein Abitur anstrebt. Also werden die Sprösslinge mit allen Mitteln auf das Gymnasium gehievt. Zur Not mithilfe des Anwalts. Demotiviert und völlig überfordert wird die Schule - besonders in der Oberstufe - zur Qual. Wenn der Jugendliche dann endlich emanzipiert verkündet, er wolle nicht studieren, wird ihm erklärt, dass die meisten Unternehmen für Ausbildungsberufe nur noch Abiturienten einstellen. Das Problem hat Nico ja schon beschrieben.

 

Problem Lehrer und Politiker

Auch wir Lehrer sind Teil des Problems. Wenn wir ständig seufzend unsere Maßstäbe nach unten korrigieren, müssen wir uns nicht über das Endergebnis wundern. Statt den Erwartungshorizont zusammenzustreichen, sollten wir unsere Unterrichtsmethoden verändern – und verbessern. Schüler kommen heute mit anderen Voraussetzungen von der Grundschule; außerdem lernen sie anders als vor 20 Jahren.

Und die Bildungspolitiker müssen sich davon verabschieden, dass im modernen Informationszeitalter jeder Schüler alles lernen muss. Die Lehrpläne sollten dringend entschlackt und modernisiert werden. Wer aber nach jeder Landtagswahl zur eigenen Profilierung erst einmal neue - oft fragwürdige - Schulgesetze auf den Weg bringt, muss sich nicht wundern, wenn die Schule zum Reformlabor verkommt, in dem alle Experimente verpuffen, weil nichts mit den betroffenen Lehrern, Eltern und Schülern abgestimmt ist. Bildung ist doch unser wichtigster Rohstoff. Und das Abitur gehört zu den Diamanten. 

Kommentare

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  • Dr. Hase (Donnerstag, 23. Juli 2015 10:21)

    Später interessiert das Abi eh keinen mehr. Da ist es egal ob du mit 1,0 oder 3,9 abgeschlossen hast. Da geht es um Berufserfahrung und Mitarbeiterführung / Teamführung und das bekommst du nicht
    hinterhergeworfen.
    Das Abitur ist eh schon verkommen, zu viel was einem da erzählt wird, was später kein Mensch mehr brauch... allgemeine Hochschulreife ... Witz lass nach. Für viele reicht ein guter Realabschluss
    schon vollkommen aus um Ihren Wunschberuf zu erreichen.
    Die, die das Abi dann machen und mit 1,0 ablegen... tja sag ich mal so, wer den Wunsch hat in einen einfachen Beruf zu kommen, der wird ihn nicht bekommen. Denn als Chef stelle ich keinen ein, der
    1er Abi hat. Der macht mir am Ende mehr Ärger als ich mit einem mit Hauptschulabschluss hätte.
    Viel mehr praktische Sachen sollten einem in der Schule beigebracht werden, wie manage ich mein Leben, wie mache ich eine Steuererklärung, wie schütze ich mich vor Bänkern und Maklern.
    Außer bei Günther Jauch, wo interessiert es sonst einen ob Goethe Dichter und Denker war?
    Also bitte liebe Lehrkräfte lasst mehr Praxis in euren Unterricht fließen und bringt euch mehr ein – denn dafür werdet ihr bezahlt und nicht um unseren Schülern Quatsch beizubringen.

  • Lisa (Freitag, 17. Juli 2015 09:29)

    Ich glaube auch nicht, dass die Schüler immer dümmer werden. Aber Fakt ist doch, dass vielen Schülern das Abitur regelrecht hinterhergeschmissen wird. Und manchmal fragt man sich, wie das der eine
    oder andere überhaupt geschafft hat. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr mit einem glatten Einser-Schnitt. In manchen Bundesländern sind es besonders viele. Das ist absolut unfair, wenn es um
    die Bewerbung an der Uni geht.

 

 

 

 

Das Thema:

Volksbegehren gegen Unterrichtsausfall?

Am 19. Mai 2015 startete das "Volksbegehren Unterrichtsgarantie - Schluss mit Unterrichtsausfall".  

 

                           veröffentlicht am 18.05.2015 von  Nico, Herr Rauh Kommentare:  6

 

Der Hintergrund:

  • Der Verein Bildet Berlin! startete am 19. Mai 2015 in Berlin ein Volksbegehren gegen Unterrichtsausfall. Schulunterricht soll künftig nicht mehr ausfallen oder auf fragwürdige Weise vertreten werden.
  • Die zentrale Forderung ist eine gesetzlich verankerte Vertretungsreserve von 10 Prozent an jeder Schule.
  • Wäre das Volksbegehren am Ende erfolgreich, müsste der Berliner Senat ca. 2700 zusätzliche Fachlehrkräfte einstellen. Nach Berechnungen von Bildet Berlin! würde das jährlich 107 Millionen, nach einer Schätzung des Senats 158 Millionen kosten. Grund für die Differenz: Die Rechnung des Senats berücksichtigt auch die befristet eingestellten Vertretungslehrer an den Schulen, die sog. PKB-Kräfte (PKB = Personalkostenbudgetierung).
  • Unterstützt wird das Volksbegehren vom Berliner Landeselternausschuss und Landesschülerausschuss.
  • Die direkte Bürgerbeteiligung am Gesetzgebungsverfahren ist in Berlin wie folgt geregelt: 1. Stufe: Antrag auf Volksbegehren (20.000 Unterschriften in 6 Monaten) - 2. Stufe: Volksbegehren (Unterschriften von 7 Prozent der wahlberechtigten Berliner, also ca. 175.000 Unterschriften, in 4 Monaten) - 3. Stufe: Volksentscheid (Mehrheit der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von mind. 25 Prozent)
  • Sollte das Berliner Abgeordnetenhaus nach der 1. Stufe das Gesetz im Parlament beschließen, wären die Stufen 2 und 3 nicht erforderlich. 
  • Anmerkung: Herr Rauh ist Mitglied von Bildet Berlin!

 

Nicos Meinung

Contra

 

Herr Rauh, Sie behaupten ja gern, ich würde mit meinen Auffassungen die Minderheit vertreten. Um Sie vom Gegenteil zu überzeugen, muss ich bei diesem Thema nicht einmal meine Mitschüler befragen. Unterrichtsausfall besitzt in meiner Generation einfach keine Relevanz. Ich kenne niemanden, der sich nicht freut, wenn am Vertretungsplan angezeigt wird, dass mal eine Stunde ausfällt. Oder ist Ihnen bekannt, dass Schüler jemals im Sekretariat gegen eine ausgefallene Mathestunde protestiert haben? Und erzählen Sie mir nicht, dass Sie sich als Schüler nicht auch über eine unverhoffte Freistunde gefreut haben. Mag sein, dass das Volksbegehren gegen Unterrichtsausfall vom Landesschülerrat unterstützt wird. Mich und meine Kumpels hat keiner vorher gefragt. 

 

Erfahrung mit Vertretungsunterricht

Ich bestreite gar nicht, dass wochenlanger Unterrichtsausfall in einem Fach zu einem handfesten Problem werden kann. Besonders dann, wenn der MSA und das Abitur anstehen. Aber ich kann berichten, was Vertretung in der Praxis bedeutet: Ich bin jetzt in der zwölften Klasse und ich kann mich nicht erinnern, dass mich Vertretungsunterricht jemals weitergebracht hat. Es ist die totale Zeitverschwendung. Entweder hat der vertretende Lehrer Aufgaben vom Fachlehrer dabei, die sich auch schön zu Hause bearbeiten lassen oder er kommt ohne Aufgaben und bespaßt die Schüler mit irgendwelchen ominösen Spielen. Häufig herrscht dann Unruhe in der Klasse, weil die Schüler den Lehrer nicht kennen oder es dem vertretenden Lehrer herzlich egal ist, ob und wie die Schüler ihre Aufgaben erledigen. Künftig soll nach Ihren Vorstellungen eine Vertretungsreserve anrücken. Der Reservist wird dann nur Verwirrung stiften, weil er einen anderen Unterrichtsstil hat und andere Schwerpunkte setzt. Sie wissen ja selbst, wie unterschiedlich Ihre Kollegen unterrichten. Will man das beiden Seiten zumuten? Und was ist mit der Forderung nach selbständigem Arbeiten der Schüler?

 

Volksbegehren - ein ungeeignetes Mittel

Der Verein Bildet Berlin! will die Vertretungsreserve über die Bürgergesetzgebung auf den Weg bringen. Aber ein Blick in die Geschichte genügt, um festzustellen, dass das Volksbegehren für Durchsetzung bildungspolitischer Anliegen denkbar ungeeignet ist. Von den bisher sieben in Berlin gestarteten Volksbegehren sind fünf gescheitert. Und beim Kita-Volksbegehren 2009 war nach der 1. Stufe Schluss, weil der Senat der Initiative in der zentralen Forderung nach einem besseren Betreuungsschlüssel mit einem Kompromiss entgegengekommen ist.

Die erste Stufe mit 20.000 Unterschriften in sechs Monaten ist sicher kein Problem, aber das Sammeln von 175.000 Unterschriften in nur vier Monaten (2. Stufe) ist noch mal eine ganz andere Hausnummer. Wenn das Volksbegehren scheitert, ist die Forderung auf Dauer verbrannt.

 

Wo sollen die Lehrkräfte herkommen?

Es gibt noch ein weiteres Problem. Nehmen wir mal an, Sie sind mit dem Volksbegehren am Ende erfolgreich. Wo soll denn die 10%ige Vertretungsreserve herkommen, wenn man keinen Unterrichtsausfall garantieren will? Zumal Sie dafür auch noch Fachlehrkräfte verlangen und das im Schulgesetz so festschreiben wollen. Berlin findet jetzt schon kaum Lehrer und muss mit Werbekampagnen und hohem Einstiegsgehalt bundesweit nach jungen Uniabsolventen fahnden. Wenn Sie künftig nicht noch mehr Quereinsteiger in Kauf nehmen wollen, bleibt Ihre Forderung nach mehr Lehrern Makulatur. Fordern Sie lieber, dass sich die Bedingungen in den Schulen ändern, dann werden nicht so viele Lehrer krank oder verabschieden sich mit Burnout in den vorzeitigen Ruhestand!

 

Wer soll das bezahlen?

Und dann die Finanzierung: Die 10%ige Ausstattung wird nach Schätzung des Senats das hoch verschuldete Berlin jährlich schlappe 158 Millionen kosten. Die in die Defensive gedrängten Berliner Bildungspolitiker werden zusehen, wie sie das Geld an anderen Stellen einsparen. Und da würde mir einiges einfallen: Man könnte zum Beispiel die Klassenfrequenzen oder die Pflichtstundenzahl der Lehrer erhöhen. Oder beides. Aber dann möchte ich nicht in Ihrer Haut stecken, wenn Sie das Ihren ohnehin schon ständig klagenden Kollegen beibringen müssen. Und umgekehrt müssen Sie mal erklären, was die Vertretungsreserve eigentlich macht, wenn alle Lehrer da sind? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Reserve den Hausmeister im Winter beim Schnee schippen und im Sommer beim Rasen sprengen hilft. Oder glauben Sie ernsthaft, Herr Rauh, dass eine Mathe-Kollegin Sie beim Konzipieren und Kopieren Ihrer unzähligen Geschichtsarbeitsblätter unterstützt?

 

Fazit

Die Forderung klingt auf den ersten Blick gut. Aber sie ist nicht umsetzbar, weil schlichtweg die Lehrer fehlen werden. Vertretungsstunden tragen zum Lernerfolg genauso wenig bei wie Hausaufgaben. Letzteres ist statistisch schon belegt. Und warum soll man den Schülern diese kleine Freude, wenn aus sechs Stunden unerwartet fünf werden, nicht einfach lassen.

 

Herrn Rauhs Meinung

Pro

 

Nico, Sie sind bekanntlich ja kein Streber, aber im Gegensatz zu einigen Ihrer Mitschüler versäumen Sie niemals Unterricht. Ich kann mich nicht erinnern, wann Sie mal gefehlt haben. Umso mehr erstaunt mich, dass Sie gegen einen fachgerechten Vertretungsunterricht sind und Ihre kleine Freude im Schulalltag an einer ausgefallenen Stunde festmachen. Wir wissen aus unzähligen Gesprächen - auch und gerade - mit Schülern, dass der Unterrichtsausfall an vielen Schulen ein gravierendes Problem ist. Klassen und Kurse, in denen wochenlang in einem Fach kein Unterricht erteilt wird, fühlen sich zu Recht benachteiligt. Der versäumte Stoff lässt sich irgendwann auch nicht mehr durch das Erteilen von Aufgaben oder selbständiges Arbeiten nachholen.

 

Die geschönten Zahlen

Ihnen sind offenbar auch nicht die Zahlen bekannt. Unser Verein Bildet Berlin! hat ausgerechnet, dass die Senatsschulverwaltung in ihrer Statistik den Unterrichtsausfall schönrechnet. So sollen im Schuljahr 2011/12 etwa 405.600 Stunden ausgefallen sein. Das sind 2,1 Prozent des Unterrichts. Tatsächlich sind es aber 800.000 Unterrichtsstunden, die ausfallen. Wie kommt das?

Ein Beispiel: Der Englischlehrer ist erkrankt und kann in der 9a die zweite Stunde nicht erteilen. Die Schulleitung hat dann die Möglichkeit, die Deutschstunde aus der sechsten Stunden in die zweite vorzuziehen. Die Englischstunde gilt dann in der Statistik als nicht ausgefallen – und wird auch nie nachgeholt. Das Ausmaß des Unterrichtsausfalls an Berliner Schulen wird noch dramatischer, wenn man die 800.000 Stunden Teilungs- und Förderunterricht hinzurechnet, die nicht stattfinden, weil Klassen aufgrund von Unterrichtsausfall zusammengelegt werden. Da in einigen Schulen der Unterricht in einem Fach auch schon mal monatelang nicht stattfindet, muss das Fach auf dem Zeugnis ohne Bewertung bleiben.

 

Auto ohne Türen

Wir fordern eine Vertretungsreserve von 10 Prozent an jeder Schule, um einen kontinuierlichen und qualitätsgerechten Unterricht zu garantieren. Das ist Voraussetzung für den Lernerfolg und den bestmöglichen Schulabschluss. Damit werden Bedingungen geschaffen, die in Berlin schon einmal existiert haben, bevor der Senat in den 1990er-Jahren den Sparhammer geschwungen hat.

In großen Unternehmen ist eine 110%-ige Ausstattung (und häufig auch mehr) der Standard. Oder meinen Sie, ein Autokonzern liefert die Fahrzeuge einen Monat lang ohne Türen aus, weil die Mitarbeiter in der Montage eine Grippewelle ereilt hat? Schülern kann man dagegen zumuten, wochenlang auf Englischunterricht zu verzichten, weil die Lehrerin erkrankt ist. Auch Ihre geliebte BVG erklärt den Fahrgästen nicht, dass heute die Linie 167 ausfällt, weil die Busfahrer zur Weiterbildung sind. 

 

Was ist uns Bildung wert?

Ja, für die 10%-ige Vertretungsreserve muss der Senat Geld in die Hand nehmen. Aber damit können die Parteien ihren Worten endlich Taten folgen lassen und mehr Geld in die Bildung investieren. Das ist unser einziger Rohstoff. Das reiche Deutschland liegt bei den Bildungsausgaben noch immer unter dem OECD-Durchschnitt. Und nur nebenbei: Bund, Länder und Sozialversicherungen haben im Jahr 2014 aufgrund höherer Steuereinnahmen und mehr Beitragszahlungen einen gewaltigen Überschuss erzielt: 6,4 Milliarden Euro! Letztendlich ist es eine Frage der Prioritäten: Was ist uns Bildung wert?

 

Gesetzlich verankern

Man kann natürlich darüber streiten, ob ein Volksbegehren das geeignete Mittel ist. Aber unsere Erfahrung ist, dass Petitionen, Protestschreiben und Unterschriftenlisten wenig Wirkung zeigen. Die Umsetzung einer 110%-igen Lehrkräfteausstattung ist nur durch eine rechtsverbindliche Festschreibung im Berliner Schulgesetz möglich. Bisher wird die Lehrkräfteausstattung durch die sogenannte „Zumessungsrichtlinie“ geregelt. Diese Verordnung ist ein Erlass des Senats und kann somit jederzeit verändert werden. Genau das soll verhindert werden. Und der Senat wird sich hüten, zum Ausgleich die Pflichtstundenzahl der Lehrer oder die Klassenfrequenzen zu erhöhen. Dann wird es massive Proteste geben. 

 

Fazit

Das Volksbegehren ist auch ein Beleg für die Relevanz des Themas. Sollten sich nicht genug Bürger finden, die das Anliegen mit ihrer Unterschrift unterstützen, dann wird es auch keine 10%-ige Unterrichtsreserve geben. Ich bin aber überzeugt, dass wir zumindest die 1. Stufe mit 20.000 Unterschriften locker schaffen werden. Denn der Berliner Landeselternausschuss und der Landesschülerausschuss unterstützen das Volksbegehren. Wenn es Erfolg hat, dann wird einmal mehr klar, was Sie, Nico, vertreten: die Minderheit. 

Kommentare

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  • ripoffreport.com (Donnerstag, 18. Juni 2015 05:35)

    Thanks, this website is really handy.

  • Barnim - Schüler (Mittwoch, 03. Juni 2015 18:02)

    Ich bin ja momentan an der Barnim-Oberschule und muss sagen, dass Unterrichtausfall leider viel zu häufig vertreten ist.
    Klar auf den Moment ist das toll für den Schüler, rechnet sich aber später bei der Weiterbildung nach. Darum bitte ich um fachgerechte Vertretung. Für eine bessere Zukunft der Schüler und zukünftigen
    Fachkräfte von Deutschland. Ich möchte mich hier vornherein schonmal für meine Rechtschreib- und Grammatikschüler entschuldigen, da ich nicht gerade einer der besten Deutschschüler bin.

  • Neben der Spur (Dienstag, 19. Mai 2015 18:46)

    Berlin hat so viel Schulden und soll nun für zusätzliche Lehrer Geld ausgeben. Wie wäre es denn, wenn Lehrer nicht so oft krank werden oder die Weiterbildung nach dem Unterricht stattfindet? Das Geld
    wäre an anderen Stellen besser investiert: Ich sage nur Sanierungsstau oder veraltete Unterrichtsmaterialien.

  • Matze (Dienstag, 19. Mai 2015 18:24)

    Ich finde das Volksbegehren gut. Verstehe nicht, wie man dagegen sein kann und sich wie Nico übe eine ausgefallene Stunde freut. Ich habe mich bis zur 10. Klasse auch gefreut, aber in der Oberstufe
    fand ich es nicht mehr cool. Denn dann ging es ums Abi. Wir hatten wochenlang Ausfall in Englisch. Ständig bekamen wir Aufgaben, die niemand kontrolliert hat. Und am Ende gab es auch keine
    Bonuspunkte beim Abi, weil wir so wenig Unterricht hatten.

  • Marina (Montag, 18. Mai 2015 20:32)

    Unterrichtsausfall ist ein Dauerärgernis. In der Schule meiner Tochter fand vier Monate kein Mathe statt. Es fand sich kein Vertretungslehrer. Erst als wir Eltern protestiert haben, wurde eine
    Referendarin eingesetzt. Immerhin. Ich weiß, dass es kein Einzelfall ist. Daher unterstütze ich das Volksbegehren. Endlich passiert mal was!

  • Dr. Hase (Sonntag, 17. Mai 2015 13:13)

    Schulfrei, was gibt es schöneres oder?
    Selbst in meiner Schulzeit, in der der Vertretungsplan noch aus Papier bestand und Frau S. aus dem Sekretariat immer sehr beliebt war wenn sie den neuen Plan aufgehangen hatte, hatte sich kein
    Schüler(in) über Ausfall beschwert.
    Vertretung war immer „uncool“, meist mochte man den Lehrer(in) nicht und 2. war es auch nur abgammeln.
    Umso älter wir wurden, wurden auch oft nur Aufgaben reingereicht und dann wurden wir „frei gelassen“.
    Ich stimme Nico zu mit seiner Aussage „... oder es dem vertretenden Lehrer herzlich egal ist, ob und wie die Schüler ihre Aufgaben erledigen“
    Was haben wir also davon? Dann ausfallen lassen und die Schüler(innen) zum Selbststudium anregen, ok ok macht eh keiner aber der Gedanke zählt ja.

    Berlin brauch dringend mehr Lehrer(innen) für dieses Vorhaben. Generell brauch Berlin mehr Lehrer(innen), denn Unterricht mit bis zu 32 Schüler(inne)n ist schon hart. Warum nicht auf Tutorium Größe
    runter bringen? Entspannt 16 Schüler(innen), der Unterricht kann angenehmer gestaltet werden, mehr auf den Einzelnen eingegangen werden. Dafür sollte die Schüler- und Elternschaft streiken bzw. ein
    Volksbegehren anregen.
    Denn das ist gleich viel Attraktiver auf junge Absolvent(inn)en, die zwar hier in Berlin studieren, aber aufgrund des mangelnden Gehaltes bzw. der nicht mehr vorhanden Verbeamtung lieber in ein
    anderes Bundesland abwandern.
    Nico ich glaub weniger, dass die zusätzlichen Lehrer(innen) Schnee schippen oder Papier kopieren werden. Ich gehe von aus, dass es eine Gesamtreserve geben sollte, nicht je Schule, sondern je Bezirk.
    So kann angenehm flexibel reagiert werden, zudem können die Lehrkräfte bei Wandertagen oder Klassenfahrten zusätzlich als Betreuungskräfte eingesetzt werden.
    Damit umgehen wir Nico seine Befürchtung ;)

    "Wir wissen aus unzähligen Gesprächen - auch und gerade - mit Schülern, dass der Unterrichtsausfall an vielen Schulen ein gravierendes Problem ist. Klassen und Kurse, in denen wochenlang in einem
    Fach kein Unterricht erteilt wird, fühlen sich zu Recht benachteiligt. „
    Herr Rauh, bei aller Ehrlichkeit, ich glaube die Schüler(innen) reden Ihnen zum Mund. Ein Schüler der sich aufregt das Unterricht ausfällt... schwer zu glauben.
    Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel aus einem Mittelständigen Unternehmen, in welchem ich selber tätig war:
    Hier ist aufgrund einer Grippewelle eine Abteilung buchstäblich ausradiert worden. Die Mitarbeiter(innen) waren für 1-2 Wochen nicht anwesend. Soll das Unternehmen jetzt plötzlich mehr Leute
    einstellen? Das macht betriebswirtschaftlich wenig Sinn.
    In Großkonzernen wie die BVG oder Bosch es sind, ich habe jetzt extra aufgrund des kommenden Personalabbaus bei Siemens nicht dieses Unternehmen als Beispiel genommen, gibt natürlich mehr Mitarbeiter
    keine Frage aber auch hier wird man nicht auf alle Eventualitäten regieren können.

    Ich finde eine Repräsentative Umfrage, ohne vorher die Schüler(innen) zu beeinflussen, würde die Meinung aller ans Tageslicht befördern.
    Klar das Eltern immer Unterricht für Ihre Schüler(innen) wollen, aber hier sollten beide Seiten zuerst gehört werden!

 

Das Thema:

Gefährdet das Kopftuch-Urteil den Schulfrieden?

Lehrerinnen darf das Tragen eines Kopftuch in staatlichen Schulen nicht pauschal verboten werden.  

 

                           veröffentlicht am 19.03.2015 von  Nico, Herr Rauh Kommentare:  3

 

Der Hintergrund:

  • Das Bundesverfassungsgericht kippte am 13. März das pauschale Kopftuchverbot für Lehrerinnen an staatlichen Schulen in Nordrhein-Westfalen. Die Schule kann jedoch im Einzelfall das Tragen des Kopftuchs untersagen. Ein Verbot sei aber nur dann gerechtfertigt, wenn durch das Tragen eine „hinreichend konkrete Gefahr“ für den Schulfrieden oder die staatliche Neutralität ausgehe.
  • Gestritten wird über das Thema seit dem sogenannten Kopftuchverbot von 2003. Das Bundesverfassungsgericht hatte den Bundesländern erlaubt, ein solches Verbot  zu erlassen. Bayern, Berlin, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Saarland und Schleswig-Holstein führten daraufhin ein Kopftuchverbot für ihre Lehrkräfte an Schulen und Hochschulen ein. 
  • Bayern beispielsweise sieht keinen Handlungsbedarf und argumentiert, das Bundesverfassungsgericht habe sich nur mit dem nordrhein-westfälischen Landesrecht auseinandergesetzt.
Nicos Meinung

Pro

 

Falsches Signal – falscher Ort

Das Grundsatz-Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist grundsätzlich ein falsches Signal. Das Kopftuch gehört nicht zur Grundausstattung einer Lehrerin. Denn die staatliche Schule ist keine Konfessionsschule, in der christliche Lehrerinnen im Nonnenkostüm und jüdische Lehrer mit Kippa unterrichten. Zudem schieben die Karlsruher Richter die gesellschaftliche Frage, ob und welcher Islam zu Deutschland gehört, in den Schulkosmos ab. Aber genau dort kann das Problem weder erörtert noch gelöst werden. Mit Herrn Rauh diskutiere ich hier im Blog zwar gleichberechtigt, aber in der Schule befinde ich mich als Schüler in einem Abhängigkeitsverhältnis. Er ist der Lehrer. Und urteilt absolutistisch über meinen Leistungsstand.

 

Gefahren

Aus meiner Sicht - der Sicht des Schülers - kann es noch zu weiteren Problemen kommen. So wird beispielsweise argumentiert, das Kopftuch trage zur religiösen Toleranz bei, weil die Schüler mit Vertretern des Islams in Kontakt treten und sehen, dass diese nichts mit Terroristen und Salafisten zu tun haben, welche sie bestenfalls aus den Medien kennen. Das ist prinzipiell richtig, kann jedoch auch nach hinten losgehen. Wenn die muslimische Lehrerin ein Biest ist, unfair zensiert und überdurchschnittlich autoritär unterrichtet, besteht die Gefahr, dass die Schüler das auf die Religion beziehen.

Auch generell schützt die Lehrerin das Kopftuchverbot vor Anfeindungen und Beleidigungen von Schülern, die weniger aufgeklärt sind und den Islam pauschal ablehnen.

 

Herkunft des Kopftuchs

Schaut man sich an, warum muslimische Frauen ein Kopftuch tragen, dann kann es gar keine Diskussionen mehr darüber geben, ob sie von Lehrerinnen getragen werden dürfen.

Das Kopftuch dient dazu, die Keuschheit zu wahren und sich anderen Männern nicht zu präsentieren. Im Umkehrschluss ist jeder Mann eine Art Tier, das, sobald er etwas zu viel von einer Frau erspäht, über sie herfällt. Die Frau gehört aber zu ihrem Mann, der es nicht duldet, wenn andere Männer ihre Reize wahrnehmen, weshalb sie diese zu bedecken hat.

Mit unserer Gesellschaft und dem vorherrschenden Rollenbild zwischen Mann und Frau ist das Kopftuch somit in keinster Weise zu vereinbaren. Schülern wird damit etwas vorgelebt, was weder zeitgemäß noch mit unseren gesellschaftlichen Werten kompatibel ist.

 

Sind Kirche und Staat getrennt?

In Deutschland ist die Kirche nicht klar vom Staat getrennt. Dass das Finanzsamt Kirchensteuer einzieht und die Kirche viel Geld vom Staat erhält, sind nur zwei Beispiele. Aber der Staat begeht keine Gräueltaten mehr im Namen des Christentums und in der Schule wird niemand gezwungen, den Religionsunterricht zu besuchen. In der Schule herrscht religiöse Neutralität. Man weiß, wer welcher Kirche angehört oder an nichts glaubt, aber mehr auch nicht. Das ist gut so und das muss so bleiben.

 

Fazit

Die Schule ist ein neutraler Ort. Es herrscht religiöse Neutralität. Ein Kopftuch würde diesem Anspruch nicht gerecht werden. Wenn eine Muslima großen Wert darauf legt, dass ihre Schüler sie als solche wahrnehmen, muss sie es nicht durch ein unzeitgemäßes und falsche Werte vermittelndes Symbol deutlich machen. Sie kann ihren Schülern erzählen, dass sie gläubig ist. Außerhalb des Unterrichts! 

 

Herrn Rauhs Meinung

Contra

 

Extra-Würstle

Nico, warum ziehen Sie eigentlich nicht nach Bayern? Der Freistaat vereint Tradition und Moderne. Sie könnten dort schön in den Bergen wandern und würden auch besser lernen. Denn die Schulen im Freistaat sind moderner ausgestattet als in der klammen Hauptstadt. Und in vielen Klassenzimmern hängt ein Kruzifix. Bayern sei „abendländisch-christlich geprägt“, betonte der bayerische Bildungsminister nach dem jüngsten Kopftuchurteil. Und der Freistaat will trotz Verfassungsurteil bei der bestehenden Kopftuch-Regelung bleiben, wonach im Einzelfall geprüft werden soll, ob muslimischen Lehrerinnen das Tragen des Kopftuchs verboten wird. Für Bayern immer ein Extra-Würstle.

 

Generalverdacht

Der Streit um das Kopftuch erhitzt immer wieder die Gemüter und hat sich als gesellschaftliches Problem längst verselbständigt. Vielen gilt das Kopftuch als DAS Symbol für den politischen Islam. Das reicht aber nicht als Grund für ein Verbot. Es stellt muslimische Lehrerinnen unter Generalverdacht, sie würden in der Schule mit ihrem Kopftuch ein politisches Symbol oder ein Zeichen der Unterdrückung der Frau setzen.

 

Ein Stück Normalität

Ich würde nicht so weit gehen, das Urteil als Meilenstein für Integration und religiöse Toleranz zu bezeichnen. Aber es schafft – wenn die Diskussion sich beruhigt hat - ein Stück Normalität. Auch und gerade in der Schule. Ständig wollen wir die Schule abschotten vor allen möglichen Gefahren. Keine Handys, keine Werbung, keine Kopftücher. Als wenn die Schule eine Insel wäre, von der sich alle gesellschaftlichen Probleme aufs Festland verbannen lassen. Der Schulfrieden ist durch das Urteil mitnichten gestört, denn es ist auch in den kommenden Jahrzehnten mit keiner Schwemme muslimischer Lehrerinnen an deutschen Schulen zu rechnen.

 

Von wegen Neutralität

Das Problem ist ein anderes. Nico betont zwar besonders deutlich die von ihm so geschätzte Neutralität in staatlichen Schulen, aber nicht nur in Bayern ist eine Bevorzugung der christlichen Religion zu konstatieren. An unserer Schule findet Religionsunterricht statt. Dafür wird sogar auf Elternversammlungen geworben. Wenn schon Neutralität, dann konsequent. Wenn wir evangelischen und katholischen Religionsunterricht in öffentlichen Schulen gestatten, müssen wir auch Islamunterricht zulassen. Und trennen damit die Kinder in Glaubensfragen, anstatt sie in einem Fach Religion und/oder Ethik gemeinsam lernen zu lassen. 

 

Vorschlag statt Fazit

Daher heute kein Fazit, sondern ein Vorschlag: Ich bin für eine strikte Trennung von Staat und Religion. Vor allem in der Schule. Religion ist Privatsache und religiöse Bekenntnisse gehören in Kirchen, Synagogen und Moscheen. Daher haben auch religiöse Symbole im Klassenzimmer nichts zu suchen. Würde nicht nur für das Kopftuch gelten, sondern auch für Kruzifixe. Über der Tafel könnte dann in großen Lettern stehen: Toleranz!

 

Kommentare

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  • Klaus (Freitag, 17. April 2015 15:56)

    Sehr geehrter Herr Rauh, auch wenn ich sonst Ihre Meinung teile und große Achtung Ihnen gegenüber hege, hier sind Sie nicht richtig informiert. Der Religionsunterricht am Barnim-Gymnasium hat nur dem
    Namen nach mit Religion zu tun. Nach meiner Erfahrung sind die aller wenigsten Schüler, die an dem Unterricht teilnehmen, konventionell gebunden. Gläubige Christen gehen zum Konfirmandenunterricht
    oder zum Gemeindeunterricht in die Kirche. Am Barnim-Gymnasium geht es nicht darum einen Glauben auszuleben, sich zum Glauben zu bekennen oder gar zu missionieren, hier geht es darum Kenntnisse, über
    die Weltreligionen und den Umgang damit, zu erlangen. Gerade in der zukünftigen Zeit wird es wohl immer wichtiger die verschiedensten Religionen zu kennen, um tolerant leben zu können. Kann das der
    Ethik-Unterricht leisten?
    Im Volksentscheid hat sich eine "kleine" Mehrheit" gegen einen gemeinsamen Unterricht ausgesprochen - aber das ist ein anderes Thema. Wenn ich als Ungläubiger meine (ungläubigen) Kinder zum
    Religionsunterricht schicke, dann kann das auch ein Moslem! Und dann gebe es diese Diskussion nicht!

  • Mensa (Sonntag, 22. März 2015 10:47)

    Das Urteil ist doch eher ein zeichen für Religionsfreiheit in diesem Staat. Wer glaubt, vom Kopftuch gehe eine Gefahr für Deutschland aus, der beteiligt sich an einer Stellvertreterdebatte. Das
    Kopftuch einer muslimischen Lehrerin taugt nicht als Symbol für eine angebliche Islamisierung des Landes. Weiß Gott nicht.

  • nachschlag (Freitag, 20. März 2015 07:09)

    Religiöse Symbole haben in der Schule nichts zu suchen. Das Urteil ist ein Verstoß gegen die Neutralitätspflicht des Staates. Punkt.

 

Das Thema:

"Dürfen" Lehrer streiken?

Bundesweiter Warnstreik der angestellten Lehrer am 11. März 2015 

 

                           veröffentlicht am 09.03.2015 von  Nico, Herr Rauh Kommentare:  8

 

Der Hintergrund:

  • Am 11. März 2015 treten die angestellten Lehrer in einen bundesweiten Warnstreik.
  • Von den rund 800.000 Lehrern in Deutschland sind 200.000 Angestellte, die für die gleiche Arbeit häufig bis zu 500 € Netto weniger verdienen als ihre verbeamteten Kollegen.
  • Streiken werden auch andere Gruppen des öffentlichen Dienstes, z.B. Erzieher an Grundschulen sowie Mitarbeiter in Bürger- und Ordnungsämtern. 
  • Die Gewerkschaften verlangen für die angestellten Pädagogen ein Gehaltsplus von 5,5 Prozent, mindestens aber 175 Euro. Außerdem soll es einen einheitlichen Tarifvertrag zur Eingruppierung angestellter Lehrkräfte (L-EGO) geben.
  • Am 16. und 17. März 2015 findet die nächste Tarifverhandlung statt. Legt die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) kein Angebot vor, das den Gewerkschaften zusagt, wird es weitere Streiks geben.
Herrn Rauhs Meinung

Pro

 

Streikbrecher

Nico, der Verfechter für Unterrichtsgarantie! Wer hätte das gedacht. Am Mittwoch sehe ich Sportsfreund Menzel, wie er vor der Schule den Streikbrecher mimt und die angestellten Lehrer auffordert, in die Klassenräume zurückzukehren. Als wenn Ihr Abitur durch einen Warnstreik gefährdet ist. Sie könnten sich in die Schulbibliothek begeben und das erste Schwerpunktthema für das Geschichts-Abitur wiederholen: die Römische Republik. Dann würden Sie auch die Grundlagen für die moderne Demokratie reaktivieren. Danach gelten für jeden Bürger die gleichen Rechte. In der Bundesrepublik gehört dazu auch das Streikrecht. 

 

Verbeamtet vs. angestellt

Die angestellten Lehrer sind keine Beamten - und dürfen streiken. Warum sollte für sie nicht gelten, was für andere Berufszweige selbstverständlich ist. Oder beschweren Sie sich etwa, wenn die Metaller in den Ausstand treten? Dass die angestellten Lehrer in Berlin überhaupt streiken, hängt mit einer bildungspolitischen Entscheidung zusammen: Seit 2004 werden die Lehrer in der Hauptstadt nicht mehr verbeamtet. Eine Entscheidung, die hier nicht zu diskutieren ist. Aber sie hatte Folgen. Denn man hat „vergessen“, die Angestellten gleichzustellen. Auch in anderen Bundesländern. In deutschen Lehrerzimmern sitzen also zwei Klassen: die verbeamteten Pädagogen, zu denen auch ich gehöre, und die angestellten.

 

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Die streikenden Angestellten fordern nun zu Recht endlich eine vollständig tarifrechtliche Eingruppierung, die nicht auf einseitige Regelungen für verbeamtete Lehrkräfte verweist. So ist beispielsweise die Arbeitszeit angestellter Lehrkräfte per Tarifvertrag an ein beamtenrechtliches Arbeitszeit-Diktat gebunden. Außerdem legt bislang jedes Bundesland fest, wie viel es seinen angestellten Lehrern zahlt. Hat ein Bundesland wie Berlin Probleme mit dem Pädagogen-Nachwuchs, dann bietet die Hauptstadt flugs ein höheres Einstiegsgehalt als in Brandenburg, wo die Lehrer noch verbeamtet werden. Das könnte ich weiter ausführen, würde den Sachverhalt für Außenstehende aber nur verkomplizieren.

Im Kern geht es um die Forderung: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Und wenn die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) ihnen das verweigert, können sie streiken. Für Schüler ist das zugleich Politik-Unterricht live: Für seine Rechte muss man notfalls kämpfen. 

 

Fazit

Natürlich dürfen die Lehrer für ihre Rechte streiken! Gestattet sei noch ein kleiner Ausblick: In zwanzig Jahren werde ich der Dinosaurier unter den Berliner Lehrern sein. Denn ich bin einer der letzten, der 2003 verbeamtet wurde. Wenn die Pädagogen dann mal wieder in den Ausstand treten, wird nur noch in meinem Klassenraum Licht brennen. Die „benachteiligten“ Schüler werden maulen, dass sie noch von einem Beamten unterricht werden. Ich werde ihnen schwärmerisch vom Unterrichtsgaranten Nico berichten. Und ihnen erzählen, dass ich ein Auslaufmodell sei, denn nach mir gilt das Streikrecht für alle Lehrer in Berlin.  

 

Nicos Meinung

Contra

 

Streikrecht hin oder her

Herr Rauh, es missfällt mir, wie Sie versuchen, Ihre Auffassung attraktiv zu machen, indem Sie meine Meinung ironisch wiedergeben. Ich bin ganz sicher der Letzte, der traurig ist, wenn Unterricht ausfällt. Der Vertretungsplan ist mein zweites Zuhause. Selbst Abiturienten sind nur Schüler. Und die machen bekanntlich nur so viel, wie sie müssen. Was sie im Übrigen zu Gleichgesinnten ihrer Lehrer macht. Zum Muss zählt der Unterrichtsbesuch. Streikrecht hin oder her.

 

Timing

Der Arbeitskampf wird natürlich auf dem Rücken der Schüler und Eltern ausgetragen. So wie der Lokführerstreik auf dem Rücken der Bahnkunden. Es fällt Unterricht aus und die Eltern können zusehen, wie sie ihre Kleinen bespaßen. Problematisch ist auch das Timing: Es ist Mitte März und wir stehen kurz vor den Abiturprüfungen. Viele Schüler wünschen sich eine gezielte Vorbereitung. Und weil sich nicht alles im Selbststudium erledigen lässt, benötigen sie auch Ansprechpartner. Ja, es ist nur ein Warnstreik. Aber was passiert, wenn sich die Tarifpartner nicht einigen? Wird dann weiter gestreikt? Im Schuljahr 2013/14 haben die angestellten Lehrer insgesamt 18 Tage gestreikt.

 

Überall Klassengesellschaft

Sie argumentieren, in Lehrerzimmern sitzen aufgrund von unterschiedlichem Einkommen zwei Klassen. Aber das betrifft nicht nur die Lehrer. Die Liste von Berufsgruppen, in denen die Angestellten des Mutterkonzerns weitaus mehr verdienen als die einer Tochterfirma, wäre endlos. Würden diese Arbeitnehmer alle streiken, würden beispielsweise etliche Busse nicht mehr fahren und keine Pakete mehr ankommen.

Weil in Berlin kein Lehrer mehr verbeamtet wird, hat sich in zwanzig Jahren – wenn Sie als letzte verbeamtete Lehrkraft in Pension gehen - das Problem von selbst erledigt. Ausgenommen sind die Lehrer, die in andere Bundesländer gehen, sich dort verbeamten lassen und dann wieder zurückkehren, wozu ich mir einen Kommentar schweren Herzens verkneife.

 

Jammern auf hohem Niveau

Wenn Lehrer ihre Arbeitsbedingungen für unzumutbar halten und für höhere Gehälter streiken, dann ist das im Vergleich zu anderen Branchen ein zweifelhaftes Klagelied. Dabei wird häufig betont, wie viel unsere Pädagogen noch außerhalb der Schule arbeiten müssen. Wenn ich nur max. 26 (Unterrichts-)Stunden in der Woche auf Arbeit zubringe, dann möchte das wohl auch so sein. Tätigkeiten, wie Vor- und Nachbereitung sowie Korrekturen, werden uns manchmal zu gern als Mehrarbeit verkauft. Außerdem genießt der Lehrer alle paar Wochen kleine Auszeiten in Form von Ferien. Und während im Sommer jeder normale Arbeitnehmer seine acht und mehr Stunden am Arbeitsplatz abschwitzt, macht er mit den Schülern zusammen Hitzefrei.

 

Fazit

Lehrer brauchen sich nicht beklagen. Das ist Jammern auf hohem Niveau und absolut inakzeptabel. Herr Rauh, Sie betonen immer wieder Berlins leere Kassen. Nicht nur Mathelehrer wissen, dass man nicht mehr verteilen kann, als da ist.

Um Arbeitskämpfe von Lehrern in Zukunft im Keim zu ersticken, empfehle ich, dass jeder Lehrer vor Amtsantritt mindestens ein Jahr in der freien Wirtschaft arbeiten sollte. Dann wären Streiks wie dieser Geschichte. 

 

Kommentare

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  • Dr. Hase (Donnerstag, 12. März 2015 15:42)

    @Insegnantissima

    Viele Punkte sprechen Sie an, jedoch gehen Sie auf die durchaus aktuell schon üppige Entlohnung nicht ein. Ich sage für mich, da will einer den Mund nicht voll genug kriegen.
    Der Staat gibt klar vor was gelehrt wird, Verantwortung hat der Lehrer in der Sache wie er es rüberbringt. Ein schlechter Lehrer bedeutet jedoch nicht gleich schlechte Schüler, auch wenn das gern so
    propagiert wird von den Schülern.
    Aus meiner Schulzeit, GS, OS & UNI hab ich multiple Erfahrungen mit 5 vor Ultimo Pünktlichkeit der Lehrkräfte gemacht. Gewiss gibt es auch die „fleißigen“ Lehrer, welche schon vor um 7 Uhr in der
    Schule ihre Anwesenheit fristen und sich gemütlich auf den Tag vorbereiten.
    Zum Thema Urlaub ist es dem Arbeitgeber freigestellt mehr als 20 Tage Urlaub zu gewähren. Der Staat gibt Ihnen aber deutlich mehr freie Tage. Auch wenn Sie sicherlich viele freie Tage zum Korrigieren
    von Klausuren nutzen, so werden Sie in den 6 Wochen Sommerferien nicht jeden Tag vom 5:30 Uhr aufstehen und bis 22 Uhr korrigieren. Der AN in der FW hingegen hat, sagen wir mal 24 Tage Urlaub, in
    diesen Tagen klingelt in mehr als 30% der Fälle das Telefon und ein Kollege oder ein Vorgesetzter ist am Rohr. Sich dort rar zu machen ist weniger produktiv für das eigene Arbeitsleben.
    Schüler werden denke ich ehr weniger das Bedürfnis haben Ihren Lehrer in den Ferien anzurufen. Sollten es Schüler dennoch machen, dann muss da gewaltig was falsch laufen.
    Wenn Sie nach geeigneten Material suchen, dann frag ich mich, warum meine Hefter und die der nachfolgenden Jahrgänge die immer gleichen Kopien beinhalteten? Ich hab mir mal sagen lassen, dass der
    Satz des Pythagoras sich seit vielen Jahren nicht mehr verändert hat und das König Barbarossa einen roten Bart hatte, auch daran hat sich nicht viel getan.
    Sicherlich gibt es Fächer wie PW, in welchen sich viel ändert, aber leider gab es auch dort für die Schüler oft nur Kopien.
    Wenn unsere Lehrer in unserem Land oft mal innovativen Unterricht anbieten würden, dann wäre es durchaus denkbar über eine höhere Entlohnung nachzudenken. Doch leider sind es dieselben Lehrmethoden
    egal ob 1994 oder 2007, es ändert sich nichts, weil die Schemata immer dieselben sind.
    In dem Punkt „Konstanz“ gebe ich Ihnen Recht. Zumindest in den entscheidenden Abiturfächern ist es nützlich und sehr empfehlenswert, dass der Schüler in den 3 Jahren durchgehend von ein und demselben
    Lehrer unterrichtet wird.
    Die Aufgaben einer Lehrkraft sind mir nicht fremd, ich habe bei meinem Arbeitgeber bereits Azubis angeleitet, sicher bin ich nicht sozialpädagogisch ausgebildet, ich maße mir aber an die
    Auszubildenden gut betreut zu haben. Daher ist es mir nicht fremd, was Ihre Tätigkeit angeht.

    Streik am Nachmittag ist Sinn frei… denn man will die Schüler strafen, die fühlen sich aber, zu sagen wir mal 98%, nicht gestraft. Denn was gibt es schöneres für einen Schüler als Schulfrei ;)

    Ein was müssen Sie mir noch erklären Insegnantissima, was ist der Sinn des „Studientages“ ? Sicher doch nicht um mit den Lehrerkollegium eine Kutschfahrt über das Land zu machen und nebenbei noch
    genüsslich das eine oder andere Getränk zu heben. Ich glaube dafür werden Sie nicht aus dem Staatstopf bedient.
    Wenn in der FW, es einen Studientag geben würde, dann sähe der wie folgt aus:
    1. Morgen bis zur Abreise noch im Büro sein und Vorbereitungen treffen
    2. Im Zug / Flug die Zeit nutzen um Fragen vorzubereiten
    3. Während der Studienzeit dann genau aufpassen und etwas für das eigene Wissen und auch für das Unternehmen mit nehmen
    Die Sachen, welche die meisten Leute sehen: gutes Essen, teure Massagen, Luxushotels, all das… ist mehr Fiktion als Wahrheit.
    Wenn ich in einem Mittelständischen Unternehmen auf die Idee kommen würde zu streiken oder mich einer Gewerkschaft anschließen würde… nun ja die Folgen dürften klar sein, dann bin ich zwar kein
    Staatsdiener gleich, aber zumindest werde ich aus dem gleichen großen Säckle entlohnt wie Sie aktuell auch.

  • Insegnantissima (Donnerstag, 12. März 2015 00:20)

    Zusatz @Dr. Hase - und soviel Korinthenkackerei sei gestattet, eben weil ich, wie in meinem vorherigen Beitrag erwähnt, genug habe von den Vorurteilen gegenüber meinem Berufsstand:
    1. hat ein Lehrer durchaus auch
    viel Verantwortung und zwar in der Bildung und Erziehung Heranwachsender.
    2. bin ich persönlich meist schon vor 7 Uhr an meinem Arbeitsplatz (und da bin ich nicht die einzige).
    3. ist die Ferienfrage (genau wie die sonstige Arbeitszeitberechnung; siehe mein Beitrag zuvor) ebenfalls eine Milchmädchenrechnung, da es
    abgesehen von den Sommerferien keine Ferien gibt, in denen der Lehrer nicht dem, wie Sie es nennen angenehmeren Teil seiner Arbeit frönt (auch darüber lässt sich streiten: ich stehe wesentlich lieber
    vor einer Klasse als Arbeitsblätter zu konzipieren, stundenlang nach geeignetem Material zu suchen oder Klausuren zu korrigieren - eine Arbeit, die jeder Lehrer, mit dem ich bisher darüber gesprochen
    habe, hasst). Eine Kollegin von mir, die zum Großteil in der OS unterrichtet,
    hat in den herHerbstferien beispielsweise meist um die 200 Klausuren auf ihrem Schreibtisch liegen.
    Und denjenigen in der freien Wirtschaft, der tatsächlich nur 20 Urlaubstage hat, müssen Sie mir zeigen. Ich zumindest habe noch keinen kennengelernt. Selbst in der Berufsausbildung hatten meine
    Freunde mehr.

  • Insegnantissima (Mittwoch, 11. März 2015 17:56)

    Der Streik ist gerade in Berlin absolut unverzichtbar. Das momentane - zugegebenermaßen hohe - Gehalt, das eingeführt wurde, um den Standort Berlin für Lehrer weiterhin attraktiv zu machen, obwohl im
    Gegensatz zu anderen Bundesländern keine Verbeamtung mehr winkt, ist nur noch bis 2017 garantiert. Danach sind wir angestellten Lehrer wieder der Willkür des Senats ausgesetzt.
    Und wie mögliche Löcher dann gestopft werden, nämlich mit massenweise Referendaren (wie es jetzt schon praktiziert wird, um möglichst viele Stellen zu sparen), wird auch Schülern wie Ihnen, Nico,
    nicht gefallen. Denn dann werden wohl die wenigsten Schüler der OS vom einem einzigen Lehrer pro Fach zum Abitur geführt. Und wie wichtig Konstanz gerade in dieser entscheidenden Phase ist, haben Sie
    ja selbst angesprochen.
    Es geht hier auch nicht um Lehrer, die den Hals nicht vollkriegen, sondern um gleichen Lohn und gleiche Rechte für exakt dieselbe Arbeit. Natürlich gehören Korrekturen hinzu, aber ich lade gern mal
    einen der armen Zeitgenossen in der freien Wirtschaft ein, einen Weile in unserem Job zu versuchen (so wie Sie es umgekehrt anregen). Denn die Zeit, die für Vor- und Nachbereitungen hinzugerechnet
    werden, entsprechen weder bei mir noch bei vielen meiner Kollegen der Wirklichkeit. Das kann ich relativ leicht vorrechnen, indem ich die Klassenleitung anführe, die genau eine Stunde Abminderung
    bringt. Wenn ich den organisatorischen Krempel, die Elterngespräche, individuelle Erziehungsarbeit hinzurechne, kommt pro Woche wohl aber das Drei- bis Fünffache dieser einen Stunde raus. Also, wie
    so oft in diesem Beruf, eine Milchmädchenrechnung. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich mache diesen Job gerne. Aber ich möchte die nötige Anerkennung, und keine der vielen Variationen von "Lehrer
    haben vormittags Recht und nachmittags frei".
    Und dass sich, wenn man alles so weiterlaufen lässt wie bisher, das Problem in 20 Jahren von selbst erledigt haben wird, klingt für mich wir Hohn. Das sind weitere 20 Jahre, die ich und viele andere
    zu unterschiedlichsten Bedingungen arbeiten müssen. Auch wir brauchen eine Sicherheit!

    Und der Vorschlag von Luca, doch am Nachmittag zu streiken, halte ich - mit Verlaub - für Schwachsinn. Denn das ist die Zeit, in der wir Unterricht vor- und nachbereiten müssen und das ist dann keine
    Arbeit, die man niederlegt, sondern lediglich aufschiebt.
    Die Lokführer streiken ja auch nicht zwischen 2 und 3 Uhr morgens, sondern dann, wenn es am meisten wehtut.

  • Frieda (Dienstag, 10. März 2015 22:08)

    Es gibt nicht die "normalen Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft". Auch hier gibt es zum Teil gravierende Unterschiede, z.B. hinischtlich der Verantwortung im Job oder der Bezahlung. Der Busfahrer
    einer Reisegesellschaft wird niemals so viel verdienen wie ein Lehrer am Gymnasium. Und eine Erzieherin niemals so viel wie ein Top-Manager. Man mag das ungerecht finden, aber wenn allen gleich viel
    gezahlt wird, dann können wir auch den Kommunismus einführen und das Geld abschaffen.

  • Dr. Hase (Dienstag, 10. März 2015 09:20)

    Ich bin klar für das Recht auf Streik. Dafür haben die Väter unseres Landes gekämpft. Auch Lehrer sollten demnach streiken. Jedoch darf man nicht vergessen was Lehrer nach der Entgeldgruppe E13
    T-West, um nur ein Beispiel zu nennen, so nettes an Salär bekommen: ca. 3300€ Brutto.
    Das kann sich sehen lassen.
    Das Lehrer sicherlich nicht auch die langweiligsten Arbeitsplätze haben kommt dazu - ist aber auch nicht negativ zu betrachten. Entscheidend und da stimme ich Nico zu ist doch aber, das Viele Lehrer,
    wie auch die Schüler, nur das nötigste an Arbeitsleistung erbringen. Allein an den Korrekturen der Klausuren oder Ausarbeitungen, erkennt der geneigte Leser, dass Lehrer teilweise schussliger sind
    als so manch Arbeiter in einer mittelschlechten KFZ-Werkstatt.
    Ein normaler Arbeitnehmer in der freien Wirtschaft hat a) extrem viel Verantwortung für seinen Job b) seine Kollegen und c) je nachdem was hergestellt wird auch für Kunden. Der Lehrer kommt im besten
    Falle um 07:30 Uhr zur Schule… da sind andere Arbeitnehmer das erste Mal Müde… dazu hat er alle 45 Minuten eine Pause, die machen wir uns nichts vor, der normale AN nicht haben kann.
    Meist ist der Unterricht in den frühen Nachmittagsstunden vorüber und so beginnt der angenehmere Teil der Arbeit… oder auch gar keine.
    Der AN hingegen kann im besten Falle sich am frühen Abend in den wohlverdienten Feierabend begeben.
    Wenn man dazu jetzt noch die Anzahl der Urlaubstage nimmt, wird es richtig kriminell. Laut Bundesurlaubgesetz steht dem normalen AN 20 Tage zur Erholung zu. Der Lehrer… ach lassen wir es lieber zu
    berechnen…

    Im Grundsatz kann jedoch gesagt werden, das streiken ein Grundrecht unsere Landes ist und dieses Grundrecht zu schützen ist, so wie die Polizei auch Demonstranten beschützt vor
    Gegendemonstranten.
    Doch sollten die Angestellten Lehrer den Mund nicht allzu voll nehmen… denn Meinungen können auch in der Bevölkerung umschlagen… bspw. Bahn oder Lufthansa AG.

  • Luca (Dienstag, 10. März 2015 07:13)

    Die Lehrer sollen streiken dürfen! Aber nicht am Vormittag! Warum streiken sie nicht nach Schulschluss - gegen 16 Uhr? Die Tagesszeit gilt doch auch als Arbeitszeit. Es fällt schon genug Unterricht
    aus. In der Oberstufe sieht man das aber sicher anders als in der Sekundarstufe I.

  • Bach (Montag, 09. März 2015 19:55)

    Herr Raus verdient genug

  • Sag es (Montag, 09. März 2015 17:24)

    Gleiches Recht für alle! Das gilt auch für Lehrer. Und ich bin weiß gott kein Pauker-Freund. Irgendeiner muss die Meute ja unterrichten. Das kostet den Lehrern viel Nerven und dem Staat eben Geld. Es
    kann jedenfalls nciht sein, dass ein Lehrer in Bayern mehr verdient als in Berlin. Ist doch kein Wunder, wenn hier keiner unterrichten will.

 

 

Das Thema:

Wer will die Spiele?

Berlins Bewerbung um die Olympischen Spiele 2024 (oder 2028) 

 

                           veröffentlicht am 23.02.2015 von  Nico, Herr Rauh Kommentare: 8 

 

Nicos Meinung

Contra

 

„Wir wollen die Spiele!“ – Wer ist wir?

Sie wollen also die Spiele, Herr Rauh? Es wundert mich, dass Sie der Berliner Senat nicht in seine Werbekampagne eingebunden hat. Nicht etwa, weil Sie als verjährter „Bester Lehrer Berlins“ ein prominenter Hauptstädter wären, sondern weil die Zahl der Befürworter überschaubar bleibt. Der Slogan zur Berliner Olympia-Werbung „Wir wollen die Spiele!“ ist irreführend, denn die Mehrheit der Berliner ist dagegen. In Hamburg mag es anders aussehen: Die wollen die Spiele!

Wissen Sie eigentlich, dass sich der Senat diesen Slogan aufgrund der hohen Kreativität schlappe 138.000 Euro hat kosten lassen? Wie so oft sind Berlins Politiker von einer ihrer Ideen angefixt und versuchen ihren eigenen Willen als den der Bevölkerung zu verkaufen. Und weil es die Kritiker zu überzeugen gilt, wurde sich um ein Informations-Portfolio gekümmert, das die Vorteile Olympischer Spiele beleuchtet. Doch mit welchen Argumenten?

 

Olympia ist keine Messe

Olympia würde die Aufmerksamkeit auf Berlin lenken und hätte damit nachhaltig positive Auswirkungen auf den Tourismus. Dass wir das nötig hätten, ist mir neu. Beim Spaziergang durch Berlins Mitte überkommt mich selten das Gefühl, dass Touristen das sind, woran es der Hauptstadt mangelt. Berlin rangiert zwar weltweit „nur“ auf Platz 11 der beliebtesten Städte, ist aber bei allem Görenwahn weder Venedig noch New York. Daran werden auch Olympische Spiele nichts ändern.

Berlins Wirtschaft boomt. So stellt es der Senat normalerweise gern dar. Für viele Firmen, v.a. Startups, komme kein anderer Standort in Frage. Doch wenn man nach Argumenten für Olympia fischt, dann wird betont, dass der Forschungs- und Entwicklungsstandort Berlin die Öffentlichkeit unbedingt brauche. Der Haken: Olympia ist keine Messe. Es kommt kein Fachpublikum, sondern sportbegeisterte Touristen, die nicht Berlins Wirtschaft begutachten und schauen, wo es noch Potential gibt.

 

Die Berliner sind größere Investitionen nicht wert

Olympia habe auch viele nachhaltige Vorteile: Der Nahverkehr würde verbessert und Sportstätten saniert werden. Für die Stadtväter und –mütter sind die Berliner wohl kein Grund, Geld in die Hand zu nehmen und zu investieren. Es muss erst internationales Publikum unterwegs sein, vor dem man sich nicht blamieren möchte. Dass die Berliner selbst auch noch etwas davon haben, ist natürlich ein angenehmer Nebeneffekt.

So wird auch beim Bau des Olympischen Dorfes argumentiert. Es bietet nach den Spielen bezahlbaren Wohnraum, in attraktiver Lage. Befasst sich der Senat hin und wieder mit der Stimmung unter Berlins Bürgern? Von der Forderung nach „bezahlbarem Wohnraum“ lässt sich wohl niemand mehr irreführen. Die Gentrifizierung ist in vollem Gange und das Vertrauen in die Politiker, diesem Problem Einhalt zu gebieten, ist flächendeckend erloschen. Es käme einem Wunder gleich, wenn das olympische Feuer diesen Prozess umkehrt.


Berlin gibt Geld aus, das es nicht hat

Das Hauptproblem sind meiner Meinung nach die Kosten. Berlin möchte im großen Stil Geld ausgeben, das es nicht hat. Dass Berlin bereits jetzt eine Viertelmillion Euro für Werbung verschleudert hat, obwohl noch nicht einmal feststeht, ob Hamburg oder Berlin den Zuschlag erhält, sei einmal dahingestellt. Aber die Kosten, die Olympia mit sich bringt, wird Berlins Schuldenuhr wieder neue Dynamik verleihen. Es geht um zwei Milliarden Euro! Dass das nicht die Endsumme der Ausgaben sein wird, zeigen die Erfahrungen anderer Städte. Allein das Großaufgebot an Sicherheitsleuten, das bei Großveranstaltungen nach Zwischenfällen wie in Boston leider notwendig ist, verschlingt Unmengen an Summen.

 

Mein Fazit

Berlin sollte Olympia die Sorge anderer Städte sein lassen. Das Geld, das für so ein Großprojekt offenbar problemlos beschaffbar ist, sollte besser investiert werden: in Schulen, Straßen, Schwimmbäder und Sozialeinrichtungen. Nicht in ein unkalkulierbares Prestige-Projekt, das Milliarden verschlingt! Und ob es bis 2024 einen großen Flughafen in Berlin geben wird, an dem die Sportler landen können, das ist nochmal eine ganz andere Frage … 

Herrn Rauhs Meinung

Pro

 

Das Spiel mit den Statistiken

Nico, das wäre ja echt ein Novum – wenn Sie mit der Mehrheit übereinstimmen. Aber Ihre Mehrheit ist eine gefühlte. Denn andere Umfragen kommen zu anderen Ergebnissen. In der Juli-Umfrage 2014 haben sich 52 Prozent der Berliner für die Olympischen Spiele 2014 ausgesprochen. Und wenn man die statistischen Daten differenziert, rutschen Sie wieder in die Minderheit: Während in der Gruppe der 45- bis 59-jährigen nur 39 Prozent die Kandidatur Berlins unterstützen, sind es bei den 18- bis 29-jährigen immerhin fast drei Viertel. Wie alt sind Sie? Klarheit wird natürlich erst die Volksbefragung im September bringen. Vorausgesetzt es beteiligt sich daran auch eine überzeugende Mehrheit. 

 

Blick in die Geschichte

Sie sitzen bei mir im Leistungskurs Geschichte und argumentieren fast ausschließlich

auf der ökonomischen Ebene. Das enttäuscht etwas. Denn wenn Sie in die Historie zurückgeschaut hätten, dann wären Ihnen die Spiele von 1936 ins Blickfeld geraten. Hitler hat sie für sein Regime schamlos missbraucht. Die Nationalsozialisten profitierten dabei auch von der Entscheidung des IOC, die Spiele 1916 (schon einmal) nach Berlin zu vergeben. Aufgrund des 1. Weltkrieges fielen sie aus. In Rückblenden sieht man daher immer nur den Diktator im Berliner Olympiastadion; es wird Zeit, dass genau dort ein demokratischer Kanzler die Spiele eröffnet. Die Olympia-Bewerbung für die „Vereinigungsspiele“ im Jahr 2000 scheiterte 1993 schon im zweiten Wahlgang. Ich war damals etwas älter als Nico jetzt - und klar gegen die Spiele. Die gesamte Bewerbung habe ich als Fremdschämen in Erinnerung. Aber bei aller Kritik – und das nur nebenbei – die Berliner haben auch von dieser Bewerbung profitiert: die Schwimmhalle an der Landsberger Allee, das Velodrom und die Max-Schmeling-Halle.

 

Berlin profitiert

Berlin hat aus dieser peinlichen Olympia-Bewerbung gelernt. Und dass die Hauptstadt in der Lage ist, sportliche Großereignisse zu stemmen, haben die Fußballweltmeisterschaft 2006 sowie die Ausrichtung der Leichtathletik-Weltmeisterschaften drei Jahre später gezeigt. Die Berliner waren weltoffen und haben mit den Gästen und Sportlern zusammen gefeiert. Die fantastische Stimmung dürfte jeder noch in Erinnerung haben. Diesen Ereignissen haben wir auch zu verdanken, dass bereits viele Sportstätten vorhanden sind. Auf dem dann stillegelegten Flughafen Tegel entstünde das Olympische Dorf, das später für Mietwohnungen genutzt würde. Niemand plant dort Villen und Eigentumswohnungen. Ja, Berlin würde viel Geld ausgeben, aber nicht allein. Der Bund beteiligt sich. Und es würde auch viel Geld nach Berlin fließen, das sonst woanders investiert werden würde. Olympia würde ein großes Investitionsprogramm in Gang setzen und die Berliner würden auch noch nach den Spielen davon profitieren.

 

Mein Fazit

Die Hauptstadt Berlin würde nicht nur Geld ausgeben, sondern auch verdienen. Nicht nur Geld! Es wäre ein unbezahlbarer Image-Gewinn. Dass Sie, Nico, das als Berlin-Fan nicht ins Feld führen, wundert mich. Die Stadt hat die Spiele einfach verdient!

 

 

Kommentare

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  • Natürlich dafür (Dienstag, 03. März 2015 08:58)

    Ich denke die Argumentation von Nico hat ein paar Schwächen.
    1. Es kommen natürlich sportbegeisterte Touristen in die Stadt, aber auch diese Menschen sind gebildete Menschen, Unternehmer, Investoren usw.
    2. Berlin hat zur Zeit sehr viele Touristen und Berlin braucht den Tourismus, auch wenn uns das an manchen Ecken nicht passt. Wer sagt denn, dass das so bleibt. Dafür müssen wir etwas tun. Die Spiele
    wären dafür nicht am schlechtesten geeignet.
    3. Der Flughafen wäre mit Sicherheit sehr schnell fertig, wenn es die Spiele geben würde. Allerdings ist der BER so ein Totschlag-Argument das keiner braucht.
    4. Wer sagt denn, das die meisten Berliner die Spiele nicht wollen. Ich habe weder in meinem Familien-,Bekannten- noch in meinem Kollegenkreis jemanden getroffen der die Spiele nicht möchte.
    Berlin und die Berliner können nur gewinnen.

  • Denise (Sonntag, 01. März 2015 20:23)

    Obwohl es natürlich ein unglaubliches Gefühl wäre Olympia in Berlin zu haben, gemeinsam mit der Welt zu feiern und zu trauern - Nico hat eindeutig recht : Das ganze Spektakel würde niemandem helfen.
    Keinen Berlinern, welche bezahlbaren Wohnraum suchen, noch der Kasse. Wir können das Geld für Olympia gerne ausgeben, wenn wir es denn haben- Das tun wir aber nicht. Es gibt genug andere
    Investitionen die getätigt werden oder getätigt werden sollten, Olympia ist keine davon. Zudem würde sich das vielleicht kurzfristig auf den Tourismus auswirken, doch langfristig meines Erachtens
    nach nichts bringen. Berlin hat auch so bereits einen guten Stand. Und Herr Rauh, ich bitte Sie, denken Sie wirklich auch nur ein Viertel der Deutschen wüsste, was es mit den olympischen Spielen in
    Deutschland auf sich hatte? Vor allem im Zeitalter von YOLO und SWAG interessiert sich doch keiner dafür (so leid es mir auch tut). Das sollte uns zeigen, wie wichtig Investitionen im schulischen
    Bereich sind, damit mehr Schulen die Möglichkeit haben zu agieren, Unterrichtseinheiten besser zu gestalten. Das jedoch als erstes die sozialen Ausgaben gekürzt werden, sollte Olympia in Berlin statt
    finden, ist zumindest für mich ziemlich offensichtlich.

  • SeBe (Sonntag, 01. März 2015 12:34)

    Bei aller Begeisterung für die olympische Idee und bei allem Reiz, die Spiele in Berlin zu erleben: Die Bewerbung ist hinsichtlich der Kosten größenwahnsinnig. Wenn Berlin jetzt ca. 2 Milliarden
    kalkuliert, dann sollte man auf die olympischen Spiele in London 2012 schauen: Geplant waren 2,4 Milliarden Pfund, es wurden offiziell 9,3 (inoffiziell geht man sogar von über 11 aus).
    Auch das Argument, dann würden die Sportstätten saniert, v.a. die Schul-Turnhallen, ist Augenwischerei. Ich habe gelesen, dass sich die Investitionen auf ca. 30 Wettkampfstätten konzentrieren werden.
    Breitensport läuft anders. Ich gebe dem Schüler Nico Recht und kann nur sagen: Stoppt den Wahnsinn!

  • Rike (Donnerstag, 26. Februar 2015 09:19)

    habe euren blog gerade entdeckt. coole idee. keine ahnun, ob ich mit meinen lehrern bloggen würde. why not. achso, ich bin auch für olympia in berlin. es würde der stadt so viel impulse und ansehen
    geben. bei diesem thema rechnungen aufzumachen, ist irgendwie kleinkrämerisch. sry, nico.

  • Jenny (Dienstag, 24. Februar 2015 20:44)

    Ich finde beide Argumentationen irgendwie überzeugend. Und schwanke hin und her. Olympia in Berlin wäre schon eine coole Sache und würde ganz sicher Berlins Anziehungskraft in der Welt weiter
    erhöhen. Andererseits sehe ich die unkalkulierbaren Kosten. Wer soll das bezahlen, wenn sich die Politiker (mal wieder) verrechnet haben?

  • Bekenner (Dienstag, 24. Februar 2015 10:39)

    Typisch Berliner: Meckern und mäkeln. Dit könnse. Am besten gleich alle Events aus der Stadt verbannen: Love-Parade (zu viel Müll), Silvester-Party (zu viel Absperrungen), Olympia (viel zu teuer).
    Und gesetzlich festschreiben, dass jeder Stadtbezrik einmal im Jahr ein Dorffest veranstalten darf, mit Sackhüpfen und Eierlaufen. Aber dann wird bestimmt och wieder gemault.

  • Luca (Montag, 23. Februar 2015 21:16)

    Ist der Senat von allen guten Geistern verlassen? Die Stadt schafft es nicht einmal, einen Flughafen fertigzustellen und will die Olympischen Spiele ausrichten. Bevor der Senat die Fackel anzündet,
    sollte dem letzten Optimisten ein Licht aufgehen, dass das nicht gut gehen kann. Von den Kosten ganz zu schweigen. Solange einer Turnhalle die notwendige Ausrüstung fehlt und solange nur ein
    Schuldach undicht ist, dürfte sich kein Berliner Politiker für die Bewerbung stark machen. Nico hat Recht. Ich will die Spiele (auch) nicht.

  • Benni (Montag, 23. Februar 2015 21:00)

    Ich finde Berlin brauch die Spiele nicht. Berlin hat viel zu viele Baustellen wobei die größte der BER ist. Weil die Menschen aus aller Welt die dann nach Berlin kommen müssten ja auch irgendwie
    herkommen. Und da schon bei der normalen Touristenmenge der Flughafen Tempel überfüllt ist würde es so noch schlimmer sein. Zwar würde Berlin Geld einnehmen aber auch erstmal Geld investieren und da
    frag ich mich woher ?

 

 

Das Thema:

Schluss mit der Ehrenrunde?

In den Niederlanden wird heftig über die Abschaffung des Sitzenbeibens in der Schule diskutiert. Auslöser ist eine aktuelle Studie zum Thema.

 

                           veröffentlicht am 09.02.2015 von  Nico, Herr Rauh Kommentare: 4 

Der Hintergrund:

  • Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden kommt zu dem Schluss: Das Sitzenbleiben sei ein „stumpfes und teures Instrument“ – und müsse daher abgeschafft werden.
  • In den Niederlanden dreht ungefähr die Hälfte aller Schüler mindestens einmal die „Ehrenrunde“: am häufigsten zu Beginn der Grundschule oder im Jahr vor dem Schulabschluss. 
  • Ungeachtet dessen kostet den niederländischen Steuerzahler das Sitzenbleiben jährlich etwa 500 Millionen Euro – das entspricht 3 Prozent der Gesamtausgaben für Schulen. In Deutschland entstehen Schätzungen zufolge Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro pro Jahr.
  • In Deutschland sind im Schuljahr 2013/14 etwa 150 000 Schüler nicht versetzt worden.
  • Abgeschafft wurde das Sitzenbleiben in Hamburg, in Rheinland-Pfalz und Bremen für bestimmte Altersgruppen oder Schularten; in Berlin nur für die neuen Sekundarschulen. Außerdem gibt es bundesweit überall Modellprojekte. 
Herrn Rauhs Meinung

Contra

 

Wäre Nico sitzengeblieben

Nehmen wir mal an, Nico wäre sitzengeblieben. Also rein hypothetisch. Mitten in der 12. Klasse. Weil er in Mathe keine Leuchte ist - und sich nicht informiert hat, wie viele Ausfälle in der Oberstufe zulässig sind. Dann säße er seit Januar wieder in der 11. Klasse. Und mein Unterricht wäre für ihn Geschichte. Was jetzt natürlich kein Argument ist. Er hätte nicht nur die Möglichkeit, sich zu verbessern, sondern außerdem die Gefahr einer Nicht-Zulassung zum Abitur deutlich minimiert. Auch Peer Steinbrück hatte in Mathe eine Fünf und ist mehrmals hängen geblieben. Kanzler ist er nicht geworden, aber Bundesfinanzminister. So viel ich weiß, strebt Nico ein solches Amt aber nicht an. 

 

Zurücktreten – und das auch noch freiwillig

Eine Ehrenrunde in der Oberstufe zu drehen gehört nicht zu den schlimmsten Erfahrungen einer Schüler-Karriere. Das ist zumindest meine Erfahrung, vor allem seitdem die Gymnasialzeit von neun (G9) auf acht (G8) verkürzt wurde. Denn die Schüler holen sich das gestohlene Jahr wieder zurück: Immer mehr wiederholen in der Oberstufe freiwillig ein Schuljahr, weil sie ihre Leistungen verbessern wollen. Dann treten sie zurück, was auch stilvoller klingt als sitzenbleiben.

 

Sitzenbleiben als Chance

Sitzenbleiben ist auch in der Grund- und Mittelschule keine Demütigung, sondern eine Chance. Der Schüler hat die Möglichkeit, den Unterrichtsstoff nachzuholen und im Idealfall einen besseren Schulabschluss zu erwerben. Darüber hinaus kann ich aus meiner Lehrer-Praxis bestätigen, dass die Klassenkonferenz sehr bewusst und intensiv darüber berät, ob ein Schüler nicht versetzt wird. Häufig handelt es sich hierbei um Kandidaten, die nicht knapp das Klassenziel verfehlt haben, sondern in mehr als einem Fach Fünf stehen. 

 

Gegen Vollkasko-Absicherung

Die Gefahr durchzufallen bringt viele Schüler dazu, mehr für die Schule zu tun. Würden wir dieses Motivations-Instrument aus der Hand geben, käme das - wie es unser Lehrer-Präsident so treffend formulierte - einer schulischen Vollkasko-Absicherung gleich. Dann können wir auch empfehlen, dass jeder Schüler seine Couch im Klassenzimmer aufstellen darf. In diesem Fall von Leistungsdruck zu sprechen, ist bildungspolitischer Blödsinn. Bei aller Wertschätzung für unsere Kinder: Man tut ihnen keinen Gefallen, wenn man ihnen alle Hürden aus dem Weg räumt. Ich bin ja sehr für Kritik am deutschen Bildungswesen, aber man kann das System nicht für alle Defizite verantwortlich machen.

Außerdem ist das Drehen von Ehrenrunden auch statistisch keine Massenerscheinung. In den letzten Jahren ist die Durchfaller-Quote gesunken. Gingen Schätzungen im Jahr 2012 noch von etwa 250.000 Sitzenbleibern pro Jahr aus, lag der Wert 2013/14 „nur“ bei 150 000. Womit wir bei den Zahlen wären.

 

Sitzenbleiben als Kostenfaktor?

Dass Sitzenbleiben Geld kostet, ist für mich kein überzeugendes Argument. Zudem bestreite ich, dass die wenigen Wiederholer, die ja in bestehende Klassen zurückversetzt werden, so viele Kosten verursachen. Der Kostenfaktor ist nur ein weiterer Beleg dafür, wie weit die Ökonomisierung des Bildungswesens fortgeschritten ist.

Es ist ein Irrglaube, dass die Abschaffung der Ehrenrunde zum Nulltarif zu haben ist. Sitzenbleiben kann nur durch individuelles Fördern verhindert werden. Förderpläne kurz vor Toresschluss reichen dann aber nicht mehr aus. Das Instrumentarium müsste erweitert werden: von fest im Stundenplan installierten Förderstunden bis zur kostenlosen Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe in der Schule im Rahmen des offenen Ganztagsbetriebs – wie es bei uns an der Schule bereits praktiziert wird. Solche Angebote kosten Geld. Die Abschaffung der Ehrenrunde schafft also keine Nullrunde im Bildungshaushalt.

 

Mein Fazit

Daher plädiere ich gegen die Abschaffung des Sitzenbleibens. Die Latte für das nächste Klassenziel wurde in den letzten Jahrzehnten schon so weit gesenkt, dass heute keiner mehr mit einer Fünf hängen bleibt. Wenn wir diese Latte ganz entfernen, können wir zur Einschulung gleich Hängematten ausgeben. Sie werden es mir nicht glauben, aber ich muss sogar auf den selbstbewussten Nico Druck ausüben. Sonst reißt er zum Schluss noch die Abi-Hürde. 

Nicos Meinung

Pro

 

Wäre ich sitzengeblieben

Herr Rauh, Sie meinen, Sitzenbleiben wäre eine Chance zur Verbesserung. Und wählen ausgerechnet mich als Beispiel für einen potenziellen Sitzenbleiber. Denken sie wirklich, ich würde eine solche Maßnahme als Möglichkeit zur Steigerung meiner Leistungen sehen? Ganz sicher nicht. Wenn ich ein weiteres Jahr zur Schule gehen müsste, um mir alles bereits Gehörte noch einmal zu Gemüte zu führen, dann wäre bei mir der Abitur-Ofen definitiv aus. Im Sommer würde ich beim Abiball erleben, wie alle anderen in die freie Welt entlassen werden. Und Sportsfreund Menzel darf noch einmal antreten.

 

Wiederholer nicht gleich Sitzenbleiber

Lehrer neigen dazu, die Schüler, die in der Oberstufe zur Verbesserung ihrer Leistungen freiwillig ein Jahr wiederholen, in den Himmel zu loben - und zu generalisieren. Dass diese Schüler ihre Noten verbessern, ist logisch. Man kennt den Lehrstoff und - wenn man beim gleichen Lehrer Unterricht hat - auch die Klausurthemen. Außerdem sind diese Wiederholer nicht mit den klassischen Sitzenbleibern zu vergleichen. Die meisten wiederholen nicht, weil sie Angst haben, das Abitur nur mit Ach und Krach zu bestehen, sondern weil sie höhere Ziele anstreben: einen Studienplatz mit einem exorbitant hohen NC zum Beispiel. Doch kann man diese Schüler als Maßstab nehmen?

 

Die Verlierer des Sitzenbleibens

Natürlich nicht. Für die Sitzenbleiber ist das zusätzliche Jahr keine Chance, sondern eine Last. Es ist unverständlich, warum ein Schüler aufgrund partieller Schwächen in einem oder zwei Fächern eine Ehrenrunde drehen und den Stoff eines gesamten Schuljahres wiederholen muss. Viel sinnvoller wäre eine gezielte Förderung. Der Schüler könne in den Ferien Defizite ausgleichen oder Versäumtes nachholen. Und im kommenden Schuljahr professionelle Hilfe für seine Schwächen erhalten.

Doch so verschenkt der Schüler ein ganzes Jahr. Zeit, die er vielleicht für ein Auslandsjahr oder ein Freiwilliges Soziales Jahr eingeplant hatte. Ein Jahr, das die Schule ihm nimmt.

 

Scham

Auch wenn die Gutmensch-Pädagogen gern so tun, als gäbe es heutzutage keine Hänseleien mehr und jegliche Art von Mobbing würde im Keim erstickt, sieht die Realität anders aus. Der Sitzenbleiber in der Sekundarstufe I wird zwar im Stil der politischen Korrektheit als „Repetent“ bezeichnet; in der neuen Klasse bleibt er aber, was er ist: einer, der die Versetzung nicht geschafft hat - oder einer, salopp gesagt, der „versagt“ hat. Das führt vor allem in der Anfangsphase des neuen Schuljahres möglicherweise zu einer sozialen Isolierung innerhalb der Klasse, schlimmstenfalls zu verletzenden Bemerkungen und Sprüchen. Ob das eine geeignete Form von Motivation ist, wage ich zu bezweifeln.

 

Kostenfaktor

Sitzenbleiber haben schon immer Geld gekostet. Daran wird auch Herr Rauh nichts ändern. Sicherlich kostet es Geld, wenn in der Schule Förderprogramme angeboten werden. Doch dass eine studentische Hausaufgabenbetreuung zweimal wöchentlich von 15-17 Uhr Millionen verschlingt, halte selbst ich, mit eher rudimentären Kenntnissen in Mathematik ausgestattet, für eine Rechnung, die nicht aufgehen kann. Sicherlich kann eine Hausaufgabenhilfe am Nachmittag nicht alles sein, doch die Fördermaßnahmen stehen in keinem Verhältnis zu dem, was der Sitzenbleiber kostet.

 

Sitzenbleiben als einzige Motivation?

Ich empfinde es als äußerst traurig und bedenklich, wenn Lehrer ihre Schüler so einschätzen, dass Sitzenbleiben die einzige Motivation ist, etwas für die Schule zu tun. „Wenn wir diese Latte entfernen, können wir zur Einschulung gleich Hängematten ausgeben.“ Herr Rauh, das kann nicht ihr Ernst sein. Es ist natürlich nicht zu bestreiten, dass es Schüler gibt, die nur so viel machen wie gerade nötig. Und sich dann noch groß feiern, wenn sie mit einem Sammelsurium an Vieren gerade so die Klasse bestehen. Aber diese Schüler können doch nicht zum Richtwert erhoben werden. Die meisten Schüler haben konkrete Ziele. Sie wollen einen begehrten Studienplatz erlangen oder sich bei der Bewerbung um einen Job durch ihre Noten gegen andere Bewerber durchsetzen. Und lernen dafür.

 

Mein Fazit

Damit hier kein falscher Eindruck entsteht: Ich selbst bin nie Opfer dieses Instruments geworden und werde es wohl auch nicht mehr werden. Allerdings sehe ich die Gefahren. Bestrafung und das Gefühl versagt zu haben auf der einen, Motivation und Chance auf der anderen Seite – das passt nicht zusammen. Es gibt andere Methoden, die nicht nur die Leistungen, sondern die gesamte Einstellung zur Schule bessern können. Und diese sollten Einzug ins deutsche Bildungswesen halten, damit das Sitzenbleiben weichen kann.

Kommentare

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  • Discounter (Freitag, 13. Februar 2015 18:48)

    Ich stimme Nico zu. Nur weil man in einem Fach oder in zwei Fächern schlecht ist, muss man ein gesamtes Jahr nachholen. Vielleicht sollte man auch darüber diskutieren, wie sehr die Leistung vom
    Lehrer abhängt. In Biologie hatte ich in einem Jahr eine 2. Dann kam ein Lehrerwechsel und ich stand 4. Wie kann das sein? Vielleicht sollte man mal Lehrer nachsitzen lassen.

  • check in (Donnerstag, 12. Februar 2015 18:47)

    Also, ich bin schon mal sitzen geblieben. Daher kann ich dem Lehrer nur zustimmen. Ich habe bis dahin mehr oder weniger vor mich hingeträumt und bin dann endlich aufgewacht. Es war sozusagen ein
    Warnschuss. Von Demütigung würde ich nicht reden, denn ich habe das nicht so erlebt, auch nicht in der neuen Klasse. Ich war jetzt sogar motivierter und meine Leistungen haben sich verbessert. Von
    daher bin ich gegen die Abschaffung!

  • Dr. Hase (Mittwoch, 11. Februar 2015 15:38)

    Sitzen bleiben trennt aber die Spreu vom Weizen. Wer sitzen bleibt hat klar das Ziel verfehlt und gehört 1 Jahr zurückgestellt.

  • Lara (Mittwoch, 11. Februar 2015 14:59)

    Sitzenbleiben ist meiner Meinung nach eine überholte Maßnahme aus dem letzten Jahrhundert. Es ist eine Demütigung für den, der hängen bleibt. Er verliert ja nicht nur ein Jahr, sondern auch seinen
    Freundeskreis in der Klasse und die gewohnten Lehrer, was in manchen Fällen vielleicht gar nicht so schlecht ist. Außerdem ist es ungerecht für diejenigen, die durch Krankheit lange Zeit gefehlt
    haben und nun nicht mehr im Unterricht mitkommen. Sie werden zusätzlich bestraft. Die Bildungsexperten betonen doch ständig, dass jeder unterschiedlich lernt, aber am Ende müssen alle ja doch die
    gleichen Leistungen bringen oder fallen durch. Das ist auch ungerecht.

 

Das Thema:

Schreiben ist Geschichte

Finnland schafft die Schreibschrift in der Schule ab. Demnächst auch bei uns?

                              veröffentlicht am 02.02.2015 von  Nico, Herr Rauh Kommentare 1

Der Hintergrund:

  • In Finnland wird die Schreibschrift ab Herbst 2016 in den Grundschulen nicht mehr gelehrt - zugunsten des "flüssigen Tippens" auf iPad, Smartphone und PC ab  Herbst 2016.  
  • Die Blockschrift, also das Schreiben von Druckbuchstaben, bleibt allerdings erhalten.
  • In Deutschland ist es den Bundesländern überlassen, welche Schreibschrift die Schüler lernen: die lateinische Ausgangsschrift (BRD, seit 1953), die vereinfachte Ausgangsschrift (BRD, ab 1972), die Schulausgangsschrift (DDR, seit 1968) oder die Grundschrift (erprobt seit 2011).
Nicos Meinung

Pro

Ich werde in der Schule benachteiligt. Und das seit Jahren. Herr Rauh glaubt mir das nicht. Dabei wirkt sich meine Benachteiligung auch auf seine Gesundheit aus. Nämlich auf seine Augen. Und in meinem Fall auf die Zensuren. Es geht um meine Schrift. Das könnt ihr bildlich jetzt nicht nachvollziehen, denn hier wird zum Glück nur getippt.

 

Unlesbar - aber mit Charakter

Ja, es stimmt meine Schrift ist schwer lesbar, aber sie hat Charakter. Denn es kommt doch auf den Inhalt an! Darauf konzentriere ich mich. Und nicht auf das Aussehen meiner Buchstaben. Wahr ist auch, dass ich in meiner schulischen Karriere nie durch eine schöne Schreibschrift glänzen konnte. Das hat zu Problemen geführt. Auch privat. Meinen ersten Liebesbrief in früher Jugend konnte das Mädchen meiner Träume nicht entziffern.

 

An meinem Schriftbild werde ich nicht viel ändern (können). Sagt auch die Wissenschaft. Daher ist es irrelevant, wer und wie oft mir sagt, dass meine Schrift eine Zumutung sei. Nachhilfe wird dafür auch nicht angeboten. Außerdem reicht mir Mathe. Das Problem zehrt dennoch an meinen Nerven. Herr Rauh erklärt mir mindestens zwei Mal im Semester, wie anstrengend es war, meine Klausur zu lesen. Das ist echt nicht mein Problem. Verheerend wird es allerdings, wenn ein Lehrer etwas schwer Lesbares als falsch wertet.

 

Besser Fortschritt als Stillstand

In Finnland wird diesem Problem jetzt ein Ende gesetzt. Schüler mit einer schöneren Schrift – meistens Mädchen -, haben keinen Vorteil mehr. Außerdem kann man am PC viel schneller schreiben als mit der Hand. Würde nicht nur die Klausur-, sondern auch die Korrekturzeiten verkürzen.

 

Es mir ein Rätsel, wieso der technische Fortschritt vor der Schule halt machen soll. Die Vorzüge, die elektronische Geräte mit sich bringen, finden überall Anwendung, außer in der Schule. Zwar werden in den Klassenräumen Smartboards installiert, aber Smartphones sind verboten. Dabei ließe sich mit ihnen wunderbar recherchieren. Dank einer generellen bildungspolitischen Reformmüdigkeit wird an alten Konstanten festgehalten und es besteht geradezu eine Angst vor allem Modernen, Unbekannten. Gerade weil viele Lehrer selbst, so meine Erfahrung aus fast zwölf Jahren Schule, nicht in der Lage sind, die moderne Technik zu bedienen. Kein Wunder, wenn einige von ihnen zu Hause noch Videokassetten verwenden oder fast stolz darauf verweisen: Ich habe Festnetz.

 

Mein Resümee 

Doch hier sehe ich die Lehrkräfte in der Pflicht, sich das nötige Know-How anzueignen, damit sie vor allem den jüngeren Schülern am Computer eine Hilfe sind. Die Abschaffung der Schreibschrift ist zu begrüßen, da sie auf der einen Seite mehr Gerechtigkeit in der Notenvergabe bedeutet und zum anderen die Schüler auf das spätere Berufsleben vorbereitet. Oder meinen Sie, ich punkte damit, wenn ich meinem Chef freudestrahlend erkläre, dass ich eine Firmen-Anfrage in Schönschrift verfasse und anschließend mit der Postkutsche verschicke.

Herrn Rauhs Meinung

Contra

Nico, der finnische Beschluss könnte glatt von Ihnen kommen. Ich habe es schon bildlich vor Augen: Wie Sie in der Geschichtsklausur grinsend auf die Tastatur hämmern. Ihr Werturteil über Friedrichs Reformpolitik formvollendet in Arial, Punkt 12. Und gar keine Frage: Natürlich würden Sie mir die Korrektur erleichtern. Ihr Gekrakel wäre Geschichte. Aber wir sind zum Glück nicht in Finnland.

 

Modernisierungswahn

Dabei ist der Modernisierungswahn auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Und dank des bildungspolitischen Föderalismus ist in einigen Bundesländer, z.B. in Hamburg und Nordrhein-Westfalen, die alte Schreibschrift bereits keine Pflicht mehr. Der nächste Schritt wäre die zusammenhängende Handschrift durch eine Grundblockschrift zu ersetzen. Würden die Toiletten in Berliner Schulen nicht zum Himmel stinken und der Senat ohne neue Schulden auskommen, würde die Hauptstadt sicher gern den Vorreiter spielen. Und neben dem Slogan „Berlin wird kreidefrei“ gleich die Parole ausgeben: „Tablet und Tastatur statt Block und Bleistift!“

 

Besser lernen - durch Schreiben 

Mir ist unverständlich, warum man nicht auf die Wissenschaftler hört. Die klassische Handschrift sei für den kognitiven Lernprozess geeigneter als das Getippe auf der Tastatur. Weil beim Schreiben mit der Hand entsprechende Hirnregionen besser aktiviert würden. Studien haben darüber hinaus ergeben, dass Kinder, die per Hand schreiben, schneller und besser lesen lernen, als Kinder, die PC oder iPad nutzen. Wer mit der Hand schreibt, sei verstärkt dazu gezwungen, die Informationen im Kopf zu bearbeiten.

Natürlich ist unbestritten, dass man auf der Tastatur schneller schreibt und mit Rechtschreibprogrammen auch weniger Fehler macht, aber die relative Langsamkeit des Schreibvorgangs mit der Hand unterstützt die Gedankenfindung und fordert Konzentration. Übrings nicht nur bei Schülern. Das Erlernen und Üben der Schreibschrift aus dem Lehrplan zu streichen, ist daher pädagogisch unverantwortlich.

 

Schön(er) mit der Hand schreiben - auch im Abi 

Statt unseren Kindern die Schreibschrift zu ersparen, sollte man die Feinmotorik in der Kita und den Grundschulen fördern. Eine schlechte Handschrift ist kein genetisches Problem. Untersuchungen haben bewiesen, dass bis zum Ende der vierten Klasse die Entwicklung der individuellen Handschrift erst zur Hälfte abgeschlossen ist. Nico hätte also schön schreiben lernen können – mit motorisch orientieren Schreibübungen. Rechnen trainiert er ja auch noch in der Oberstufe. Angeblich hilft auch größer schreiben, aber ich höre Nico schon kommentieren: Wird nicht schon genug Papier verschwendet?  

Nico, Sie sind aus gutem Grund nicht Fortschrittsminister. Ihre Abi-Klausur werden Sie also schön mit der Hand schreiben. Auf liniertem A3-Papier, das Ihnen für dieses Ereignis sogar die Schule stellt. Dann werde ich mich wieder der Herausforderung stellen – und Ihre Sauklaue entziffern.

Der Hintergrund:

  • Für die Olympischen Sommerspiele 2024 haben sich in Deutschland zwei Städte beworben: Berlin und Hamburg.

  • Die Entscheidung, welche deutsche Bewerberstadt ins Rennen geht, fällt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am 16. März (im Präsidium) und am 21. März (in der Mitgliederversammlung).

  • Ausschlaggebend soll dafür auch das Stimmungbild in beiden Städten sein, das vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des DOSB zurzeit bei 1500 Bürgern (bis Anfang März) eingeholt wird.

  • Gefragt wurden die Berliner und Hamburger bereits im September 2014: Damals sprachen sich 48 Prozent der Berliner für Olympia aus und 49 Prozent dagegen. In Hamburg lag die Zahl der Befürworter bei 53 Prozent, 44 Prozent der Befragten lehnten eine Bewerbung ab.

  • Sollte Berlin den Zuschlag erhalten, können die Hauptstädter (volljährig und mit deutschem Pass) am 13. September in einer Volksbefragung über die Olympia-Bewerbung abstimmen. Das Ergebnis ist rechtlich nicht bindend, aber der Berliner Senat will die Entscheidung akzeptieren.

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Kommentare

  • Opalin (Montag, 02. März 2015 16:59)

    Wie ist denn Ihre Meinung zur deutschen Grammatik?
    Ich würde unter das Bild des Herrn Rauh schreiben: "Herrn Rauhs Meinung".
    Vielleicht bin ich auch schon zu alt für dieses Zeugs, kostet ja nur Zeit, über "die Fälle" auch noch nachzudenken.
    Ansonsten: Super Blog. Komme gern wieder

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